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Kokainschmuggler wäscht seine Hände vor den Luzerner Kantonsrichtern in Unschuld

Vor dem Luzerner Kantonsgericht hatte sich am Dienstag der Kurier eines internationalen Drogenrings zu verantworten. Ihm droht jahrelange Haft.
Evelyne Fischer

Sein Mandant sei weder ein «skrupelloses» Mitglied eines Drogenrings, noch «der böse schwarze Mann», der Drogen an Kinder verkaufe. Das inbrünstige Plädoyer des Verteidigers erstaunte. Zur Berufungsverhandlung am Luzerner Kantonsgericht ist am Dienstag schliesslich jener deutsch-englische Doppelbürger erschienen, den das Kriminalgericht kürzlich wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie banden- und gewerbsmässiger Geldwäscherei zu vier Jahren und zwei Monaten Gefängnis und einer bedingten Geldstrafe von 2700 Franken verurteilt hatte.

Er soll vom 1. Januar 2005 bis zum 19. Dezember 2007 zehn Kilogramm Kokain über die deutsche Grenze in die Schweiz gebracht haben – als sogenannter Bodypacker, der Kokainfingerlinge schluckt. 30'000 Euro soll der gebürtige Nigerianer mit seinen Touren verdient haben. Der Botengang erfolgte in ein Luzerner Dorf, zu seinem Neffen, dem Bandenchef eines internationalen Drogenrings. Jener wurde bereits 2016 vom Kantonsgericht zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Der Beschuldigte war 2013 international zur Haftung ausgeschrieben, 2017 in Malaga – auf der Hochzeitsreise – festgenommen und 2018 in die Schweiz ausgeliefert worden.

Strafanträge driften meilenweit auseinander

Nüchtern hielt sein Verteidiger am Dienstag fest: Das Urteil der Vorinstanz wäre «korrekt und fair», sofern sein Mandant die ihm vorgeworfenen Taten begangen hätte. Dies sei aber nur zum Teil der Fall. Daher verlangte er eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten unter Anrechnung von über 770 Tagen bereits erfolgtem Freiheitsentzug.

Die Staatsanwältin hingegen hielt an den ursprünglich verlangten fünf Jahren Gefängnis und der besagten Geldstrafe fest. So viel vorweg: Das Urteil wird schriftlich eröffnet. Zuvor haben die Richter zu beraten, ob sie den Beweisanträgen des Verteidigers stattgeben, der die Befragung von zwei im Ausland weilenden Dealern verlangte.

Begräbnis der Mutter hat zu Geldnot geführt

Ist der Beschuldigte bloss ein Opfer, im Sog der kriminellen Machenschaften seiner Familie? Oder ist er nicht doch der Täter, ein professionell agierender Kurier, spezifisch trainiert, der mit seiner Tätigkeit die Gesundheit vieler Menschen gefährdet hat? In der Befragung setzte der Beschuldigte alles daran, seine Hände – soweit möglich – in Unschuld zu waschen.

Für das Begräbnis seiner Mutter habe er seinerzeit 4000 Euro benötigt. Diese habe ihm sein Neffe, der Bandenchef, geliehen. Einzig, um seine Schulden zu reduzieren, habe er Kokain geschmuggelt. 500 Gramm im Jahr 2007. Ferner habe ihm der Neffe 11'000 Euro überwiesen, das er abgehoben habe, um jenem einen Lastwagen zu kaufen.

«Ich habe nur helfen wollen, wusste nicht, dass es sich um Drogengelder handelte.»

2008 wollte der Beschuldigte erneut 1000 Gramm Kokain schmuggeln, um die Restschulden zu begleichen. Auf dem Weg in die Schweiz wurde er aber in Deutschland verhaftet und verbüsste dort zwei Drittel einer vierjährigen Gefängnisstrafe.

Staatsanwältin vertraut auf Kronzeugin

Die Staatsanwältin setzte grosse Fragezeichen hinter diese Version der Geschichte. Aus mehreren Gründen. Der Beschuldigte war vor seiner Festnahme in England als Assistent in einem Spital tätig. «Warum also hat er seine Schulden nicht einfach abgearbeitet?» Ebenfalls konnte der Beschuldigte nicht erklären, warum ihn die Ex-Frau des Bandenchefs als zehnfachen Drogenkurier entlarvt hat. Die Staatsanwältin sagte:

«Ihre Aussagen sind glaubhaft und deckten sich unter anderem mit Telefonkontrollen und Observationen. Die Zeugin hat nicht fantasiert.»

Auch habe man die Aussagen der psychisch labilen Frau nicht «blindlings» übernommen, wie dies der Verteidiger darzustellen versuchte.

Nach fast dreistündiger Verhandlung machte der Beschuldigte vom Recht des letzten Wortes Gebrauch. Bevor er den Saal in Polizeigeleit verliess, beteuerte er erneut:

«Es tut mir leid, was ich getan habe und bereue es.»

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