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Der Luzerner Schönbühl-Wohnturm wird jetzt ausgeweidet

Am Hochhaus des finnischen Star-Architekten Alvar Aalto hat die Sanierung begonnen. Der Eigentümer nimmt uns mit auf eine Tour durch das (fast) leere Gebäude – und zeigt das absolute Highlight.
Roman Hodel
Hochhaus-Eigentümer Nicolas von Schumacher im Penthouse. (Bilder: Jakob Ineichen (Luzern, 9. August 2018))

Hochhaus-Eigentümer Nicolas von Schumacher im Penthouse. (Bilder: Jakob Ineichen (Luzern, 9. August 2018))

Flinke Monteure ziehen am gut 50 Meter hohen Schönbühl-Hochhaus derzeit ein Baugerüst hoch. Nachdem die letzten der 84 Mieter aus ihren Wohnungen ausgezogen sind, haben die Vorbereitungen für die Totalsanierung des 50-jährigen Gebäudes begonnen. Die Besitzerfamilie von Schumacher rechnet dafür mit Kosten von 22 bis 23 Millionen Franken (Ausgabe vom 20. Mai 2017).

Auch in der imposanten, zweistöckigen Eingangshalle herrscht emsiges Treiben. Statt Bewohner, die etwa am Briefkasten ihre Post holen, sind es nun Bauarbeiter, die herumwuseln und Material hinaustragen. «Schauen Sie, wie viel hier noch original ist», sagt Nicolas von Schumacher nicht ohne Stolz und verweist auf die roten Plättli am Boden, die blauen an den Wänden oder auch die röhrenförmigen, weissen Deckenlampen. «Das wird alles aufgefrischt, bleibt jedoch erhalten.» Denn alle diese Details tragen die Handschrift des finnischen Architekten Alvar Aalto. Er zählt zu den weltweit fünf wichtigsten Vertretern des modernen Bauens und hat das Hochhaus Mitte der 1960er Jahre entworfen. Es ist sein einziger Bau in der Schweiz, deshalb ein beliebtes Besuchsobjekt von Architekturstudenten und im Inventar schützenswerter Bauten der Stadt Luzern eingetragen.

Denkmalpflege redet ein Wörtchen mit

«Die Auflagen der Denkmalpflege bei der Sanierung sind hoch und sorgen mitunter für Mehraufwand», sagt von Schumacher. «Doch das machen wir gern, denn auch uns liegt das Haus sehr am Herzen.» Typisches in den Wohnungen wie beispielsweise die geschosshohen Türen oder die Raumteiler aus Holzlamellen müssen erhalten bleiben. Und manches wie etwa der Farbanstrich in den Gängen kommt künftig wieder im Original daher. «Zum Glück verfügen wir über ein gut dokumentiertes Familienarchiv», so der 71-Jährige. Zudem habe die Alvar-Aalto-Stiftung in Helsinki ebenfalls Unterlagen beigesteuert.

Blick in einen Gang: Die typischen, geschosshohen Wohnungstüren bleiben erhalten.

Blick in einen Gang: Die typischen, geschosshohen Wohnungstüren bleiben erhalten.

Trotz viel Erhaltenswertem wird das Hochhaus mit seiner fächerartigen Anordnung der Wohnungen beinahe auf den Rohbau zurückgeführt und mit Stahlbändern erdbebensicher gemacht. Wände, Fenster, Böden, Küchen, Bäder und die gesamte Haustechnik werden erneuert. Dass es für all das höchste Zeit ist, zeigt sich auf einem Rundgang durch das fast leere Gebäude; vieles hat Jahrzehnte auf dem Buckel, wirkt abgenutzt. Beispiel Bodenbeläge: Mal ist es Spannteppich in fast schon psychedelischen Mustern, mal Klötzliparkett, dann wieder Novilon.

«Eine solche Küche habe ich hier drin noch gar nie gesehen.»

Eine von vielen verschiedenen Küchen im Hochhaus.

Eine von vielen verschiedenen Küchen im Hochhaus.

Auch die Küchenfronten sind komplett verschieden – vom grau-weissen Original bis zur Riffelblech-Optik ist alles dabei. «Wir liessen die Mieter gewähren», sagt Nicolas von Schumacher und staunt selber beim Anblick einer braun-beigen Variante aus den 1980er Jahren: «Eine solche Küche habe ich hier drin noch gar nie gesehen.» Allen gemeinsam ist der Gasherd – noch. Künftig ist Glaskeramik angesagt und einheitlich weisse Küchenfronten. Weiter erhält jede Wohnung Steamer, Handtuchtrockner, Waschturm. Zudem wird in allen Räumen eine Fussbodenheizung mit Trittschalldämmung eingebaut sowie Parkett verlegt. Das wird sich auch im Preis niederschlagen: Je nach Stockwerk wird eine 1,5-Zimmer-Wohnung voraussichtlich zwischen 800 und 1500 Franken brutto kosten, 4,5 Zimmer zwischen 2400 und 3400 Franken. Das liege im Bereich jener Mieten, die in den letzten zehn Jahren für totalrenovierte Wohnungen zu bezahlen waren.

Penthouse-Mietzins ist geheim

Der Bezug ist auf August 2019 terminiert – Mietinteressenten können sich aber jetzt schon beim Immobilienunternehmen Arlewo auf eine Liste setzen lassen. Trotz der vielen Neubauten, die im Raum Luzern momentan entstehen, ist von Schumacher überzeugt, dass seine Hochhaus-Wohnungen begehrt sein werden. Dafür sorgt neben dem künftigen Komfort nicht zuletzt die nach wie vor beneidenswerte Aussicht auf See und Berge.

Am schönsten ist diese von der obersten Etage. Hier befindet sich das Penthouse. Als Nicolas von Schumacher die Wohnungstüre öffnen will, streikt der Schlüssel zunächst. «Oh, darf ich schon nicht mehr rein?», fragt er mit einem Schmunzeln. Drinnen staunt man nur noch: Auf einer Fläche von 400 Quadratmetern erstreckt sich eine eigentliche Villa. Das Auge sieht sieben teils riesige Zimmer verbunden durch diverse Gänge, eine ebenso riesige Terrasse, mehrere Nasszellen, eine schneeweisse Designerküche, Travertin-Steinboden. Vor allem aber: Sieht aus wie neu. «Dem ist so», sagt von Schumacher nickend. Ursprünglich lebten hier seine Eltern. Erst vor sechs Jahren wurde das Penthouse umgebaut und vermietet. Wegen der Totalsanierung müssen nun Küche, Bäder und Böden aus- und wieder eingebaut werden. Gerne hätte man erfahren, wie hoch der Monatszins für das Penthouse ist, doch den will von Schumacher nicht verraten.

Schadstoffe in den Plättli der Nasszellen

Bisherige Mieter sollen nach der Sanierung bevorzugt werden, so sie sich denn bewerben. In ihren leeren Wohnungen läuft momentan die Altlastensanierung. Da und dort stehen brummende Maschinen in den Räumen, die Eingänge sind mit Plastikplanen zugeklebt. Nötig ist dies, weil in den Plättli der alten Nasszellen Schadstoffe in gebundener Form festgestellt wurden. «Für die Bewohner bestand zu keiner Zeit eine Gefahr», stellt von Schumacher klar und fügt an, dass solche Materialien in einem Gebäude aus jener Zeit «eine normale Erscheinung» sind.

Draussen sind die Männer mit dem Baugerüst inzwischen ein Stockwerk weiter gekommen. In ein paar Tagen kann es laut von Schumacher mit der energetischen Fassadensanierung losgehen: «Damit wir in Zukunft nicht mehr die Umgebung mitheizen.»

Die Aussicht vom obersten Stockwerk ist schon ganz nett.

Die Aussicht vom obersten Stockwerk ist schon ganz nett.

Wieder ein Restaurant im Erdgeschoss

Das Restaurant Centro im Erdgeschoss des Hochhauses schliesst am 26. August. Eine Rückkehr nach der Sanierung ist kein Thema, wie Florian Eltschinger von der Betreiberfirma Remimag Ende Mai sagte. Grund: Der künftige Pachtzins sei viel zu hoch. Laut Eigentümer Nicolas von Schumacher will man wieder ein Restaurant: «Wir haben deshalb ein Gastroberatungsunternehmen zugezogen, das uns auch in Bezug auf den zu fordernden Mietzins berät.» Sicher ist bloss: «Ein Fast-Food-Restaurant kommt für uns nicht in Frage.» (hor)

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