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Der Luzerner Confiseur Bachmann baut eine Schule in der Elfenbeinküste auf

Kakaobauern werden im afrikanischen Land oftmals ausgebeutet. Statt eines Boykotts hat der Luzerner Confiseur Bachmann nun ein Bildungsprojekt realisiert.
Stefan Dähler

Für seine Schokoladenprodukte bezieht die Luzerner Confiserie Bachmann unter anderem Kakao aus der Elfenbeinküste. «Es ist das Land, das weltweit am meisten Kakao exportiert», sagt Inhaber Matthias Bachmann. «Doch die soziale und wirtschaftliche Lage ist instabil, es gibt nach wie vor viel Korruption und die Bauern werden schlecht bezahlt.» Ein Boykott wäre für Bachmann aber nicht zielführend. «Damit wäre den Leuten nicht geholfen, sie würden den Kakao nicht mehr verkaufen können.» Stattdessen beschloss man, in die Bildung vor Ort zu investieren.

Schülerinnen und Schüler mit Matthias Bachmann. (Bilder: PD)

Schülerinnen und Schüler mit Matthias Bachmann. (Bilder: PD)

Vor vier Jahren begann Bachmann in der Nähe der Stadt Afféry im Südosten des Landes mit dem Aufbau einer Schule. Im vergangenen November konnte sie eröffnet werden. Rund 80’000 Franken hat die Confiserie via eigener Stiftung investiert. «Wir rechnen nun mit 10'000 Franken pro Jahr für den Betrieb», sagt Bachmann. Finanziert wird die Stiftung mit einem Teil des Verkaufserlöses der Schutzengeli-Truffes. So sieht das Schulgebäude aus:

30 Prozent sollen weiblich sein

Die Schule bietet Platz für 70 Jugendliche im Alter von 16 bis 25 Jahren. Mindestens 30 Prozent sollen weiblich sein, um die eher schlechte Stellung der Frauen in der Region zu verbessern. «Die Schule soll eine Lücke füllen. Die Grundbildung ist in der Elfenbeinküste vorhanden, doch danach fehlt es an Weiterbildungsmöglichkeiten», so Bachmann. Viele Jugendliche würden für tiefe Löhne auf einer Kakaoplantage arbeiten. Die dreijährige Ausbildung in der Schule sei vergleichbar mit einer Berufslehre. «Die Schüler erhalten Unterricht und auch eine Berufsausbildung. Weiter essen und schlafen sie vor Ort.» Den Schwerpunkt der Ausbildung bildet die Agrarwirtschaft, besonders im Bereich Kakaoanbau, wie dieses Bild zeigt:

Bachmann sagt zur Ausbildung:

«Das Ziel ist, dass die Absolventen sich dereinst selbstständig machen können.»

Für den Aufbau habe man vor Ort mit bereits verankerten Hilfsorganisationen wie der Jacobs Stiftung oder dem Europäischen Institut für Kooperation und Entwicklung (IECD) zusammengearbeitet. «Ohne diese Hilfe wäre es nicht möglich gewesen», sagt Bachmann. Seit der Eröffnung wird die Schule von Einheimischen verwaltet, Matthias Bachmann steht mit dem Schulleiter regelmässig in Kontakt und war auch schon vor Ort zu Besuch.

Eltern müssen Monatslohn investieren

Die Schule ist nicht gratis, sondern kostet 200 Dollar pro Kind und Jahr inklusive Kost und Logis. «Das ist ein ordentlicher Betrag, es entspricht etwa einem durchschnittlichen Monatslohn», sagt Bachmann. «Der Entscheid, Schulgeld zu verlangen, wurde vor Ort aufgrund von Erfahrungen der Vergangenheit gefällt. Man will damit verhindern, dass die Schüler die Ausbildung nicht ernst nehmen und den Unterricht unregelmässig besuchen, und so die Ausbildung ihren Zweck nicht erfüllen kann.» Der Businessplan der Schule sieht vor, dass diese in vier Jahren selbsttragend wird. «Falls das gelingt, wäre es möglich, dass wir noch ein zweites Projekt lancieren», sagt Bachmann.

Wird Bachmann künftig den Kakao direkt von ehemaligen Schülern kaufen? «Wir beziehen ihn schon heute aus diesem Gebiet, allerdings kann man nicht sagen, von welchem Bauer genau.» Denn der Kakao werde in Sammelstellen gemischt und von dort nach Europa transportiert. «Ein Direktimport ist bei den Mengen, die wir benötigen, unrealistisch.»

Denkbar seien aber allenfalls Austauschprogramme. «Das muss man aber vorsichtig aufgleisen, damit die Leute aus der Elfenbeinküste hier keinen Kulturschock erleiden.» Denkbar sei auch, dass Bachmann-Mitarbeiter die Schule besuchen. «Wenn sie sehen, wie das ursprüngliche Produkt entsteht, steigert das auch die Wertschätzung diesem gegenüber.»

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