Der Luzerner FDP-Nationalrat Albert Vitali ist verstorben

Der FDP-Nationalrat aus Oberkirch ist kurz vor seinem 65. Geburtstag einem Krebsleiden erlegen. Vitali punktete auch mit seinem Einsatz für die Volkskultur.

Kari Kälin
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FDP-Nationalrat Albert Vitali.

FDP-Nationalrat Albert Vitali.

Bild: Philipp Schmidli
(Sursee, 23. Dezember 2017)

Die Krankheit hatte ihn schon längere Zeit geschwächt. Dem Parlamentsbetrieb in Bern blieb Albert Vitali in den letzten Monaten weitgehend fern. Am Freitagmittag ist der Luzerner FDP-Nationalrat «überraschend schnell» an einer Krebserkrankung gestorben, wie es auf seiner persönlichen Homepage heisst. Der 64-jährige Treuhänder hinterlässt seine Ehefrau und drei erwachsene Söhne. Er wurde 2011 ins Eidgenössische Parlament gewählt.

In der neuen Legislatur präsidierte Vitali die nationalrätliche Finanzkommission. Vitali suchte nicht das Rampenlicht. Er verschaffte sich aber durch seine solides Wissen Respekt. Finanzpolitisch stand er klar auf der bürgerlichen Seite. Er trennte das Notwendige vom Wünschbaren. Immer wieder stemmte er sich etwa gegen die wachsenden Ausgaben bei der Bundesverwaltung.

DNA-Analysen können detaillierter ausgewertet werden

Einen seiner grössten politischen Erfolge realisierte Vitali aber in einem anderen Bereich. Dank  seines Engagements können die Strafverfolger künftig bei DNA-Analysen auch die Haar-, Augen- und Hautfarbe anstatt nur das Geschlecht eruieren. Vitali lancierte einen entsprechenden Vorstoss wegen eines nach wie vor ungeklärten Verbrechens in Emmen vom Juli 2015. Nachdem eine junge Frau vergewaltigt worden war, mussten insgesamt mehr 400 Personen zu einem DNA-Test antraben. Solche aufwendigen und teuren Übungen liessen sich dank seinem Vorstoss verhindern, argumentierte Vitali.

Weggefährten beschreiben Vitali als menschlich absolut korrekt, was im Berner Politbetrieb nicht unbedingt Standard sei. Vitali politisierte lange im Luzerner Kantonsrat und sass von 1982 bis 2001 als Sozialvorsteher im Gemeinderat Oberkirch. Er zeigte viel Herz für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Er wirkte zum Beispiel im Stiftungsrat der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern. Daneben punktete er auch mit ehrenamtlichen Engagement für die Volkskultur, zum Beispiel als Präsident der IG Volkskultur Schweiz und Fürstentum Liechtenstein. Vitali war ein leidenschaftlicher Jodler.

Auch einem anderen Schweizer Brauchtum fühlte er sich verbunden: dem Schwingen. Er war zwar nicht ganz so talentiert wie sein Bruder Werner, der es bis in den Schlussgang beim «Eidgenössischen» schaffte. Doch auch Albert Vitali eroberte einige Kränze. «Das Schwingen», sagte er einst in einem Interview, «hat mich Beharrlichkeit und Durchsetzungswillen gelehrt.» Beharrlich habe er auch gegen seine Krankheit gekämpft, sagen Weggefährten. Vitali sprach nicht gerne darüber. Am Freitag hat er den Kampf gegen sie verloren.

Vitali sicherte einzigen Sitz für die Luzerner FDP

Im vergangenen Herbst schaffte Vitali als einziger Luzerner FDP-Vertreter den Sprung in den Nationalrat. Mit dem parteiintern zweitbesten Resultat wurde Peter Schilliger abgewählt. Schilliger trat 2012 die Nachfolge von Otto Ineichen an, der wie Vitali im Amt verstarb.

Die FDP Schweiz zeigte sich am Freitagabend in einer Medienmitteilung «tief betroffen» über den Verlust eines «äusserst kompetenten Fraktionskollegen». Als Finanzpolitiker sei er durch seine hohe Fachkompetenz und Kompromissbereitschaft aufgefallen. Präsidentin Petra Gössi sagte, der Schock sitze tief. Und:

«Unvergesslich ist für mich, wie er einmal die ganze FDP-Fraktion ans eidgenössische Schwingfest eingeladen hat, oder wie wir mit ihm in der Galerie des Alpes gejodelt haben. Meine Gedanken sind bei seiner Familie in dieser schweren Zeit.»

Auch die FDP Luzern sprach den Angehörigen und Freunden ihre Anteilnahme aus. Die Partei verliere einen erfahrenen Vollblutpolitiker und guten Freund. Mit Herzblut habe er sich für den Gemeinsinn engagiert, was sich in seinen diversen ehrenamtlichen Tätigkeiten widerspiegelte.

Die Karriere von Albert Vitali in Bildern:

Begonnen hat der langjährige Nationalrat seine politische Karriere mit dem Amt des Gemeinderates von Oberkirch (1982 bis 2001).
13 Bilder
Von 2003 bis 2010 war Albert Vitali Fraktionspräsident der kantonalen FDP im Grossen Rat.
Im Jahr 2011 wurde Vitali in den Nationalrat gewählt. Im Bild verfolgt er zusammen mit Robert Küng (links) und Otto Ineichen (rechts) die National- und Ständeratswahlen im Luzerner Regierungsgebäude.
Die erste Session im Bundeshaus: Nationalrat Albert Vitali politisierte danach für über zwei Legislaturen in der grossen Kammer für die FDP-Fraktion.
Albert Vitali lacht in der Wintersession der Eidgenössischen Räte.
FDP-Nationalrat Albert Vitali mit seiner persönlichen Mitarbeiterin Susan Widmer Picenoni in seinem Büro in Oberkirch.
Albert Vitali hat den Tag der Trachten ins Leben gerufen: Am 23. September 2013 sollten alle Parlamentarier mit einer Tracht in die Session kommen. Das Bild zeigt den FDP-Nationalrat mit Yvette Estermann (SVP).
Seit 2015 ist der FDP-Mann Mitglied der Finanzdelegation. Das Bild zeigt ihn zusammen mit Ständerat Jean-René Fournier bei der Präsentation zum Tätigkeitsbericht im Jahre 2017.
Albert Vitali im Gespräch mit Konrad Graber in der Wandelhalle in Bern.
Als Präsident vom Verein Dynamo Sempacherse plante Albert Vitali für 2019 die grosse Gewerbeausstellung.
An der offiziellen Eröffnung der 77. Olma in St.Gallen spricht Albert Vitali als Präsident der IG Volkskultur Schweiz und Liechtenstein.
Albert Vitali verfolgt die nationalen Wahlen vom vergangenen Herbst im Luzerner Regierungsgebäude. Der FDP-Mann wurde in seinem Amt bestätigt.
Kurz vor seinem Geburtstag ist FDP-Nationalrat Albert Vitali gestorben.

Begonnen hat der langjährige Nationalrat seine politische Karriere mit dem Amt des Gemeinderates von Oberkirch (1982 bis 2001).

Bild: Patrik Pauli (Luzern, 31. Mai 1999)