Der Luzerner Kantonsrat will die Vereinbarkeit von Familie und Politik besser abklären

Junge Eltern sind mit Beruf und Familie oft überlastet. Nur wenige wollen sich deshalb politisch engagieren. Wie man Abhilfe schaffen kann, soll nun untersucht werden.

Reto Bieri
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Der Luzerner Kantonsrat beschäftigte sich am Dienstag in der Messe Luzern mit dem Thema Vereinbarkeit von Politik und Familie.

Der Luzerner Kantonsrat beschäftigte sich am Dienstag in der Messe Luzern mit dem Thema Vereinbarkeit von Politik und Familie.

Bild: Pius Amrein (23. Juni 2020)

Die Vereinbarkeit von politischer Arbeit und Familie soll untersucht werden. Der Kantonsrat hat am Dienstag einem entsprechenden Postulat von Melanie Setz Isenegger (SP, Emmenbrücke) zugestimmt. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei für viele junge Familien ein Problem. «In einer Studie vom Bund aus dem Jahr 2018 ist nachzulesen, dass weit über die Hälfte das Gefühl haben, überlastet zu sein», sagte Setz, selber Mutter von zwei kleinen Kindern. Wolle man sich zusätzlich in der Politik engagieren, sei das sehr fordernd:

«Viele Eltern ziehen sich deshalb aus dem politischen Betrieb zurück. Schauen Sie sich um im Kantonsrat. Es gibt nicht viele Eltern mit kleinen Kindern und Frauen.»

Das Postulat soll in einen Bericht zur Gleichstellung eingebettet werden, den der Kantonsrat im Juni in Auftrag gegeben hat und derzeit erarbeitet wird. Die Regierung und alle Parteien mit Ausnahme der SVP befürworten das Anliegen von Melanie Setz.

Bernhard Steiner (SVP, Entlebuch) attestierte zwar, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei anspruchsvoll. Das Hauptproblem sei die fehlende Zeit. «Davon wird auch ein sozialistisch organisierter Staat niemals genügend zur Verfügung stellen können», sagte Steiner. Eine weitere Studie könne nichts wesentlich Neues betragen.

Wer an Session fehlt, kann nicht mitreden

Claudia Huser (GLP, Luzern) sagte, sie verstehe die Aufregung bei der SVP nicht. «Ob man im Gleichstellungsbericht noch ein Thema mehr aufgreift, spielt doch keine Rolle und ist doch im Sinne der SVP, weil es nämlich effizient ist». Der Bericht werde aufzeigen, wo Handlungsbedarf besteht. Auch die FDP unterstützte den Vorstoss. Maurus Zeier (FDP, Luzern): «Wer an der Kantonsratssession nicht anwesend ist, wird nicht gehört und kann nicht mitreden.»

Fabrizio Misticoni (Grüne, Sursee) sagte, politische Arbeit und Familie dürfe sich nicht ausschliessen. Auch für ihn macht es Sinn, die Vereinbarkeit in den Bericht zur Gleichstellung einzubinden. «Wir Grünen sind gespannt, was dann effektiv umgesetzt wird. Ich bin mir aber sicher, dass es nicht zu einem sozialistischen Kanton Luzern führen wird.»