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Interview

Der Luzerner Kripo-Chef Jürg Wobmann ist seit 100 Tagen im Amt : «Wir müssen Ressourcen bündeln»

Jürg Wobmann zieht nach 100 Tagen als Kripo-Chef eine positive Bilanz. Der 44-Jährige erklärt, wo er bei der Verbrechensbekämpfung den Hebel ansetzt – und was er mit dem Oberstaatsanwalt bespricht.
Alexander von Däniken
Jörg Wobmann ist seit 100 Tagen Chef der Luzerner Kriminalpolizei. (Bild: Roger Grütter, Luzern, 6. März 2019)

Jörg Wobmann ist seit 100 Tagen Chef der Luzerner Kriminalpolizei. (Bild: Roger Grütter, Luzern, 6. März 2019)

Vom beschaulichen Stans ins pulsierende Luzern sind es nur wenige Kilometer – und trotzdem Welten. Jürg Wobmann kennt die Unterschiede. Bis Ende November letzten Jahres leitete der 44-Jährige als Kommandant das 70-köpfige Korps der Kantonspolizei Nidwalden (siehe Kasten weiter unten). Auf den 1. Dezember übernahm er den Posten als Kripo-Chef der Luzerner Polizei von Daniel Bussmann – und führt rund 190 Mitarbeiter. Zeit für eine erste Bilanz.

Wie haben Sie die ersten 100 Tage erlebt?

Jürg Wobmann: Sehr positiv. Ich bin von der Kriminalpolizei und von den Kollegen im Kader der Luzerner Polizei sehr gut aufgenommen worden. Alle arbeiten sehr zielstrebig und lösungsorientiert, was mir gefällt. Wir sind bestrebt, uns in kleinen Entwicklungsschritten auf die zukünftigen Herausforderungen auszurichten.

Welche?

Kommandant Adi Achermann gab mir gleich zu Beginn zwei Projektaufträge mit auf den Weg. Eines ist die Organisationsentwicklung der Kripo. Es gilt dabei zu prüfen, ob die aktuelle Aufbauorganisation der Kripo noch die bestmögliche Struktur hat, um künftigen Trends zu begegnen. Hier müssen wir für die grossen Herausforderungen weiterhin bestens gewappnet sein; etwa bei den Auswirkungen der 24-Stunden-Gesellschaft oder bei der Digitalisierung: Wie können wir diese für uns nutzen? Und wie gehen wir gegen die Internetkriminalität vor? Weiter analysieren wir Möglichkeiten, wie wir die kriminal- und sicherheitspolizeilichen Ressourcen noch wirtschaftlicher und wirkungsvoller einsetzen können; ein elektronisches Lagezentrum soll uns dazu Schlüsselinformationen liefern.

Bleiben wir bei der Internetkriminalität. Hier hat Oberstaatsanwalt Daniel Burri kürzlich angekündigt, mehr für deren Bekämpfung machen und mit Ihnen zusammensitzen zu wollen. Wie ist hier der aktuelle Stand?

Die Herausforderung der Internetkriminalität können wir nur im Verbund angehen. Daniel Burri ist auf mich zugekommen und hat mich angefragt, ob ich bereit bin, in einem Projektteam Einsitz zu nehmen, um eine gemeinsame Strategie zur Bekämpfung der Internetkriminalität auszuarbeiten. Selbstverständlich habe ich zugesagt. Es ist von grossem Interesse für uns, wenn wir seitens Staatsanwaltschaft und Polizei gemeinsame Richtlinien und Handlungsanweisungen erarbeiten. Dabei ist uns klar, dass wir die Kräfte konzentrieren und Ressourcen bündeln müssen und nicht einfach die hohle Hand machen können. In den kommenden Wochen werden wir uns gemeinsam auf eine Strategie festlegen

Wie wichtig ist die Bekämpfung von Cyber Crime in Ihren Augen?

Es gibt ein Sprichwort: Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen. Das darf nicht passieren, besonders nicht bei der Internetkriminalität. Es wird immer schwieriger, die Täter zu eruieren und den Sachbeweis zu erbringen. Dafür braucht es versierte Leute – und die gibt es nicht wie Sand am Meer.

Auch die finanziellen Möglichkeiten des Korps sind beschränkt. Wie gehen Sie damit um?

Ich kenne nichts anderes. Auch in Nidwalden war ich dem Spardruck ausgesetzt. Es gilt, die vorhandenen Ressourcen bestmöglich einzusetzen. Ich sehe es aber auch als meine Pflicht an, aufzeigen, was mit den vorhandenen Mitteln geht und was nicht. Schon heute stapeln sich die aufzuklärenden Delikte – von Anzeigen bei kleinen Vergehen bis hin zu komplexen Fällen der schweren Kriminalität. Und die Komplexität nimmt weiter zu: Reichte früher eher das Mittel der Einvernahme, um einen Fall vor Gericht zu bringen, sind heute zunehmend umfassende Datenauswertungen nötig. Die vor acht Jahren revidierte Strafprozessordnung schafft zudem weitere formale Hindernisse, welche den Personalaufwand zur Klärung eines Deliktes mehrheitlich vervielfachen.

Spardruck, immer mehr komplexe Fälle: Leidet da im Korps die Stimmung? Diese hat ja im Zuge der Polizeikrise 2013 auch schon gelitten.

Beim Wechsel habe ich mir auch Gedanken um die Stimmung gemacht; die Polizeikrise habe ich aus externer Sicht wahrgenommen. Eine gewisse Anspannung ob der hohen Arbeitsbelastung ist schon spürbar. Aber ich stelle auch einen sehr guten Teamgeist fest, Mitarbeiter und Kaderleute haben eine positive Grundeinstellung und zeigen ein grosses Engagement. Das ist mir am wichtigsten.

Seit vergangenem Dezember leiten Sie eine Abteilung, die grösser ist als die ganze Nidwaldner Kantonspolizei. Welche Unterschiede stellen Sie bei Ihrer Arbeit sonst noch fest?

Während Nidwalden ländlich geprägt ist, gibt es in Luzern mit der Stadt und Agglomeration ein urbanes Umfeld mit all seinen Begleiterscheinungen. Ausserdem konnten wir bei der Kantonspolizei Nidwalden häufiger agieren, in Luzern ist es fast nur noch ein Reagieren. Das liegt an der grösseren Zahl der Fälle, aber auch an spezifischen Bedingungen, etwa der höheren Drogen- oder Wirtschaftskriminalität, den Zentrumslasten und den Auswüchsen der 24-Stunden-Gesellschaft.

Inwiefern ist hier das Synergiepotenzial der Zentralschweizer Polizeikorps entscheidend? Immerhin ist Ihr grosses Ziel eine gemeinsame Einsatzleitzentrale für Luzern und Nidwalden.

Wir müssen die bestehenden Projekte unbedingt weiterführen. Die Kriminalität macht vor Kantonsgrenzen nicht Halt – das gilt umso mehr im Zeitalter der Digitalisierung, wo Kriminelle auch Ländergrenzen ohne Mühe überwinden. Wir müssen als Polizei darum verstärkt unsere Kräfte bündeln und uns vernetzen, der Aufgabenbereich der Polizei und die Komplexität werden immer grösser. Auch in Nidwalden habe ich regelmässig Kontakt zur grösseren Luzerner Polizei gesucht. Auch für Luzern sind interkantonale Kompetenzzentren wichtig, um Synergien, beispielsweise bei der Informatik und Logistik, zu nutzen.

Sie haben bei der Bekanntgabe Ihres neuen Amtes vor einem Jahr signalisiert, in den Kanton Luzern zu ziehen. Haben Sie eine neue Wohnung gefunden?

Wir sind aktiv auf der Suche. Obwohl es mir in Nidwalden sehr gut gefällt, freue ich mich auf einen Umzug in meinen Heimatkanton. Schliesslich bin ich in der Stadt Luzern aufgewachsen und schätze das urbane Leben.

Dann haben Sie die jetzige Luzerner Fasnacht also nur am Rande miterlebt.

Ja, wobei ich sowieso kein eingefleischter Fasnächtler bin. Wenn es Wetter und Zeit erlauben, schaue ich mir das bunte Treiben aber gerne vor Ort an, wenn auch nicht mittendrin.

Sie sind noch Nachwuchschef beim EHC Engelberg-Titlis und dort von den Bambinis bis zu den Novizen für die Kinder verantwortlich. Behalten Sie dieses Amt?

Ich habe das Amt zur Verfügung gestellt . Es liegt zeitlich und geografisch nicht mehr drin.

Lehrer, Jurist, Polizist

Nach der Sekundarschule hat noch nichts darauf hingedeutet, dass Jürg Wobmann einmal ein hohes Kadermitglied der Polizei werden würde. Der heute 44-Jährige wuchs in Luzern auf und besuchte dort das Lehrerseminar. Danach studierte er Jura und arbeitete parallel dazu als Primar- und Sekundarlehrer. Das Studium schloss er 2004 ab. 2006 wurde er Kripo-Chef bei der Kantonspolizei Nidwalden. Als Quereinsteiger besuchte er mehrere polizeibezogene Praktika und absolvierte den polizeilichen Führungslehrgang III des Schweizerischen Polizeiinstitutes. Nach sechs Jahren wurde Wobmann zum Kommandanten befördert. Dieses Amt führte er bis zu seinem Wechsel nach Luzern per 1. Dezember 2018 aus. An der Interkantonalen Polizeischule in Hitzkirch (IPH) war er als Dozent im Bereich Strafrecht tätig; Bis zu seinem Wechsel zur Luzerner Polizei war er Schulratspräsident der IPH. Jürg Wobmann ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Er lebt noch in Nidwalden. (avd)

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