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Der Luzerner Künstler Thurry Schläpfer ist tot – Abschied von einem Freund und Künstler

Im Alter von 60 Jahren ist Thurry Schläpfer verstorben. Er wurde als Mensch wie auch als Künstler unterschätzt. Ein Nachruf.
Pirmin Bossart
Der Luzerner Künstler Thurry Schläpfer. (Bild: Matthias Jurt, Luzern, März 2013)

Der Luzerner Künstler Thurry Schläpfer. (Bild: Matthias Jurt, Luzern, März 2013)

Mit seinem «Schamanenvelo» kurvte er zu jeder Tages- und Nachtzeit durch die Stadt Luzern. Das Velo war mir Ketten, Amuletten und einem Singvogel geschmückt. Sein Besitzer war eine nicht minder auffallende Gestalt: Ein kräftiger Mann mit langen Haaren, dicker Felljacke und einer markanten Stimme, die auch mal über die Oberflächlichkeiten des gemeinen Alltags wettern konnte. Oder einen seiner Witze zum Besten gab, denen ein schallendes Lachen folgte.

Hinter seinen imposanten Auftritten verbarg sich ein feinfühliger und empathischer Mensch. Er hatte Schalk und ein grosses Herz. Er war der Paradiesvogel unter den grauen Mäusen der Kunstszene.

Thurry Schläpfer, der im August 60 Jahre alt wurde, gehörte zu jener selten gewordenen Sorte von Künstlern, die ausserhalb des Szene-Getöses ihr Ding machten. Unbeirrt von Trends zeichnete er seine kosmischen Bilder, schrieb Texte, fotografierte. Seine Zeichnungen in winzigen bis grossen Formaten – es müssen Tausende sein – sind sofort erkennbar. Mit wenigen Elementen, Figuren und Symbolen erschaffen sie traumhafte Welten mit seltsamen Wesen und Stimmungen in lyrischer Schönheit. Irdisches und Transzendentes verschmelzen in phantastischen Szenerien. Aber Thurry war kein Phantast. Eher berichtete er von einer Wirklichkeit, die noch nicht zu uns vorgedrungen ist.

Im herkömmlichen Kunstbetrieb mit seinen Kriterien und Gepflogenheiten hatte Thurry wenig Chancen. Trotzdem war sein Werk weit verbreitet. Auf dem Gepäckträger seines Velos hatte er immer eine Tasche mit Bildern dabei.

Thurry ging zu den Leuten und verkaufte seine Bilder in Restaurants und auf den Strassen Luzerns. Oder man begegnete ihnen an den Wänden im «Houdini», im «Meyer», im «Kaffee Kind». Daneben hat er regelmässig Ausstellungen in Galerien und öffentlichen Institutionen realisiert. Die grosse Einzelausstellung in der Kornschütte, die am 7. November Vernissage hat, wird nun wider Erwarten zu einer posthumen Würdigung.

Wer Thurry nur oberflächlich als Gestalt in den Beizen kannte, hatte womöglich ein schiefes Bild von ihm. Viele dachten, er sei ein Alki oder ein Kiffer. Thurry trank keinen Alkohol und mit Drogen hatte er nichts am Hut. Thurry war absolut nüchtern. Nur sein Hirn flackerte ab und zu und beflügelte die Erregungskurven seiner Intuition.

Als Mensch und als Künstler wurde er gewaltig unterschätzt. Thurry war ein Menschenkenner. Die Gespräche mit ihm waren erhellend, seine Empathie war wärmend. Eine seiner letzten WhatsApp-Meldungen lautete: «Mit Klarheit bin ich in Stille tauchend. Entdecke die Mitte, wo die Bäume zum Himmel wachsen.» Thurry, Amigo, du wirst extrem fehlen.

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