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Der Luzerner Mister Baubewilligungen tritt kürzer

In 23 Jahren als Abteilungsleiter Baubewilligungen beim Kanton Luzern erlebte Mario Conca einen grossen Wandel. Er übt aber auch Kritik.
Roseline Troxler

Fast ein Vierteljahrhundert hat Mario Conca die Abteilung Baubewilligungen bei der Dienststelle Raum und Wirtschaft (Rawi) als Abteilungsleiter geprägt. Per 1. November gab er die Leitung an seinen Nachfolger Roland Emmenegger weiter. Der 63-Jährige bleibt der Dienststelle bis zu seiner Pension aber als Verantwortlicher für strategische Projekte erhalten.

Mario Conca beim Eingang zur Dienststelle Raum und Wirtschaft an der Murbacherstrasse in Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann, 8. November 2019)

Mario Conca beim Eingang zur Dienststelle Raum und Wirtschaft an der Murbacherstrasse in Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann, 8. November 2019)

Vom Einfamilienhaus über eine Erdgasleitung bis zum Skilift – die baurechtlichen Dossiers, die Mario Conca in den letzten Jahren behandelt hat, ist sehr vielfältig. «Fliessbandarbeit ist bei uns nicht denkbar.» Besonders in Erinnerung bleibt Conca der Bau der Ikea Rothenburg oder jener der Mall of Switzerland in Ebikon. Conca erzählt:

«Das Schöne an meiner Tätigkeit ist, dass etwas Sichtbares entsteht. Zuerst sieht man es auf dem Bildschirm, dann steht die Baute da.»

Selbst wenn er kein Fan von Einkaufcentern sei, habe er die Mall schon mehrmals besucht.

5000 baurechtliche Dossiers pro Jahr

Ein Projekt wie die Mall sei komplex, der Austausch mit zig kantonalen Stellen sowie Bundesstellen aber umso interessanter. Das Rawi behandelt als kantonale Bewilligungs- und Koordinationszentrale jährlich 5000 baurechtliche Dossiers. «Das sind 250 Dossiers pro Mitarbeiter.»

Vieles war anders, als Conca im Jahr 1996 zum Kanton kam. Damals traf er eine Amtsstube an. «Viele arbeiteten noch mit dem Bleistift hinter den Ohren.» Dazumal seien die Kunden teils eher als Bittsteller behandelt worden. Es gab keine Fristen für die Behandlung der Baubewilligungen. Nun habe man die strengsten Fristen in der Schweiz – ein ordentliches Verfahren muss innert vierzig Arbeitstagen erledigt sein. Trotzdem wird die Dauer der Verfahren kritisiert (wir berichteten). Die Zahl der Einsprachen stieg in den letzten Jahren stark an. Conca führt dies auf Gesetzesbestimmungen zurück, welche komplexer wurden, aber auch auf die Gesellschaft.

«Wir ‹hocken› näher aufeinander und gönnen dem Nachbar weniger.»

Seit zehn Jahren werden die Baubewilligungsverfahren digital bearbeitet. Auch 55 Gemeinden arbeiten mit derselben Lösung wie der Kanton. Beim Digitalisierungsprojekt hatte Conca die Projektleitung inne. «Immer wieder habe ich ‹gestürmt›, das Verfahren zu digitalisieren. Also hiess es, ich solle das Projekt aufgleisen. Das war extrem spannend.» Auch dank regionaler Bauämter sei der Austausch mit den Gemeinden immer besser. «Mit wenigen Gemeinden läuft es teils aber noch harzig.»

Als erschwerend bezeichnet Conca die vielen Änderungen von Gesetzen und Verordnungen in den letzten Jahren – vor allem im Raumplanungsrecht. «Es gab kaum ein Jahr ohne Anpassung. Es hiess immer, die Prozesse würden einfacher, günstiger und schneller. Doch das Gegenteil war der Fall.»

Zahl der Mitarbeiter ist stark gewachsen

Seit 1996 wuchs die Abteilung von 4 auf 19 Mitarbeiter. Das liege vor allem daran, dass die Bewilligungsverfahren koordiniert, bestehende Teams zusammengelegt und die Verfahren konzentriert wurden. «Heute erhält man nur noch einen kantonalen Entscheid, nicht diverse von verschiedenen Dienststellen», erklärt Conca.

Der 63-Jährige ist es gewohnt, negative Bescheide zu fällen. «Das macht zwar keine Freude, gehört aber zum Alltag. Ich bin überzeugt, dass wir eine Baubewilligungs- und nicht eine Bauverhinderungsbehörde sind. Wir nutzen den Ermessensspielraum zugunsten der Gesuchsteller.» Dennoch spürt er manchmal den Frust der Bürger, die ihr Projekt nicht umsetzen können. Er hat auch Drohungen erlebt.

«Ich erinnere mich an einen Fall vor zirka zwanzig Jahren, als ich auf eine Besichtigung gehen musste und infolge einer Drohung Polizeischutz erhielt.»

«Einige Gemeinden zonten zu grosszügig ein»

Zersiedelung wurde in den letzten Jahrzehnten das Schlagwort der Baupolitik. «Einige Gemeinden haben zu grosszügig eingezont. Die schlechteren Lagen blieben leer, während Einfamilienhausquartiere in Gebieten mit schöner Aussicht entstanden.» Im Kanton Luzern gebe es ausserdem nicht nur am meisten Schweine, sondern überdurchschnittlich viele Bauten ausserhalb der Bauzone. Dies führe nun oft zu Problemen, da ausserhalb der Bauzone nur beschränkt Neubauten möglich sind. Conca erinnert sich an einen Fall, als ein Umbau, nicht aber ein Neubau bewilligt wurde. «Die Eigentümer rissen das alte Gebäude doch ab. Damit hatten sie sich ein Ei gelegt. Der Neubau war nicht rechtens und wurde abgebrochen. Den Eigentümern blieb damit nur die grüne Wiese.»

Das Bauen ohne Bewilligung wird Conca nun vermehrt beschäftigen. Er entwickelt eine Strategie für den baurechtlichen Vollzug im Kanton. «Es gibt Gemeinden, die hier knüppelhart sind, andere machen die Augen zu. Wir haben die Oberaufsicht und wollen die ‹Schraube› etwas anziehen – ohne den Menschenverstand vermissen zu lassen.»

Einen Ausgleich zur Arbeit findet Conca im Tennisclub, auf der Skipiste, beim Tauchen und Schnorcheln oder auf dem Bike um und auf dem Zugerberg. Der Vater von zwei Kindern und Grossvater von zwei Enkelkindern ist zudem begeisterter aktiver Fasnächtler in der Chatzemusig Lozärn. Er lebt mit seiner Frau seit 15 Jahren in Baar.

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