Der Luzerner Reformator Myconius wurde 1522 aus Luzern weggewiesen

Merken
Drucken
Teilen

Aushängeschild der Luzerner Reformierten ist Oswald Geisshüsler («Myconius») (1488–1552). Er unterrichtete zunächst an der Grossmünsterschule in Zürich und wurde 1519 Lateinlehrer in seiner Heimatstadt Luzern. 1522 sorgte er für Aufsehen, als er den Zürcher Prediger Conrad Schmid zum traditionellen Musegger Umgang einlud. Dieser predigte auf Deutsch statt Latein und legte das Evangelium nach reformatorischem Verständnis aus. Das passte den Luzerner Behörden gar nicht, die in der Ablehnung der katholischen Kirche eine Gefahr für Luzerns Handelsbeziehungen sahen. Im selben Jahr 1522 musste Myconius Luzern verlassen – er ging nach Zürich, wo er am Fraumünster wirkte. 1532 wurde er Münsterpfarrer in Basel. Die Luzerner Regierung kämpfte derweil immer erbitterter gegen jegliches Aufkeimen evangelischer Strömungen, die es insbesondere im Entlebuch und im Rontal gab. Auch die Täuferbewegung versuchte immer wieder, in Luzern Fuss zu fassen. 1747 erliess die Regierung sogar ein allgemeines Bibelverbot aus Angst, die Leute könnten beginnen, das Evangelium selber auszulegen.

Als Luzern 1798 vorübergehend zur Hauptstadt der Helvetischen Republik wurde, war die Unterdrückung der Reformierten nicht mehr haltbar. 1826 richteten Protestanten ein Gesuch an die Luzerner Regierung zur Gründung einer Gemeinde. Der Grosse Rat stimmte dem Anliegen mit 52 zu 39 Stimmen zu. Die Regierung bestimmte dann aber selber, wen sie zum Pfarrer dieser ersten evangelischen Gemeinde machen wollte. Es handelte sich um Karl Rickli, der zuvor Prediger in Bern war. Am Ostersonntag 1827 wurde er in einer eigens zur Verfügung gestellten Kapelle an der Rössligasse in sein Amt eingesetzt. Auf eine richtige Kirche mussten die Luzerner Reformierten aber bis 1861 warten: Dank Spenden konnte die Matthäus­kirche in der Altstadt eröffnet ­werden. (rk)