Der Luzerner Stadtrat erteilt der Metro-Initiative eine Abfuhr

«Unrealistisch, unverhältnismässig und unnötig» – der Luzerner Stadtrat empfiehlt ein Nein zur Metro-Initiative. Für ihn hat der Durchgangsbahnhof Priorität – und der Strategieprozess Carregime. Die Initianten sind enttäuscht, aber nicht überrascht.

Roman Hodel
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Eine Metro ist für den Luzerner Stadtrat keine Option – nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. (Visualisierung: PD)

Eine Metro ist für den Luzerner Stadtrat keine Option – nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. (Visualisierung: PD)

«Die Metro verdient eine Chance» - so beginnt der Text jener Initiative, die vor einem Jahr in Form einer Anregung von einem überparteilichen Komitee bei der Stadt Luzern eingereicht wurde - mit 1388 Unterschriften. Der Stadtrat soll demnach eine Analyse zu Kosten, Nutzen und Nachhaltigkeit einer Metro vom Gebiet Reussegg/Ibach übers Kantonsspital zum Schwanenplatz ausarbeiten. Nur so könne man diese Idee hernach anderen Projekten zur Lösung des Carproblems gegenüber stellen. Hinzu kommen weitere Forderungen wie etwa vorsorgliche Grundstücksicherungen im Gebiet Ibach und die Vision einer Metro mit mehreren Linien.

Propagiert wird das Projekt von der IG Metro Luzern - sie schätzt die Baukosten auf rund 400 Millionen Franken. Dahinter stehen Luzerner Unternehmer. Support erhält die Idee politisch vor allem von der GLP, aber auch von BDP und SVP. Erst kürzlich wurde bekannt, dass die IG weitere Befürworter ins Boot holen konnte, aus CVP-Kreisen (wir berichteten). Der Luzerner Stadtrat gehört jedoch nicht dazu. Geht es nach ihm, verdient die Metro-Idee keine Chance. Das hat er am Montagmorgen vor den Medien erklärt und empfiehlt den Stimmberechtigten die Initiative zur Ablehnung, wie er in einem Bericht und Antrag ans Parlament schreibt. Sein Fazit lautet:

  • Unrealistisch - sowohl in Form einer einzigen Metrolinie als auch als Metrosystem mit mehreren Linien sei das Projekt für Luzern nicht finanzierbar.
  • Unpassend - weil als zusätzliches Verkehrsmittel isoliert von den bestehenden S-Bahn- und Buslinien, insbesondere bei nur einer Linie.
  • Unverhältnismässig - weil primär als Verbindung für den Transport von Carreisenden vorgesehen.
  • Unnötig - sowohl für die Erschliessung des Kantonsspitals wie auch zur Aufwertung der Innenstadt.

Der Stadtrat anerkennt zwar die Anliegen der Initianten, wonach diese mit der Initiative «wichtige Handlungsfelder» ansprächen. Auch er strebe in den Bereichen Carregime, öffentlicher Nahverkehr, Aufwertung der Innenstadt und Erschliessung des Kantonsspitals Verbesserungen an. «Wir sind uns auch bewusst, dass eine Metro auf den ersten Blick reizvoll erscheint», sagte Umwelt- und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (Grüne). «Etwa das Gefühl, die Cars damit aus der Stadt zu bringen und auch der Reiz des Visionären.» Aber: Aus seiner Sicht birgt das Projekt bei hohen Kosten und relativ geringem Nutzen zu hohe Risiken. «Wen sprechen wir mit der Metro an, primär Touristen?» sagte Borgula und fügte an: «Würden wir nicht vor allem das bestehende Bus- und S-Bahnnetz konkurrenzieren?»

Deshalb verwies er auf den geplanten Durchgangsbahnhof, der für den «Quantensprung» bei der Weiterentwicklung des ÖV-Systems sorgen werde. Abgesehen davon nähmen auch die wichtigsten Partner wie der Verkehrsverbund, der Kanton Luzern und LuzernPlus eine kritische Haltung zur Metro-Idee ein. Dies nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. Aufgrund hoher Kosten seien Metrosysteme in der Regel für Grossstädte mit entsprechender Frequenz wie Paris oder London geeignet. Selbst Zürich habe eine U-Bahn in den 1970er Jahren abgelehnt. Das Beispiel Lausanne bezeichnet der Stadtrat als Sonderfall, da diese Metro ursprünglich auf einer Stand-, respektive Zahnradseilbahn basiert und zu einem guten Teil oberirdisch verläuft.

Ausbau Busangebot zum Kantonsspital

Weiter seien die grossen Städte in der Schweiz davon abgekommen, an der Stadtgrenze Park-and-Ride-Anlagen zu schaffen. Dank gut ausgebauter S-Bahn-Netze sollen Leute, die in die Stadt möchten, möglichst nahe bei ihrem Wohnort auf den ÖV wechseln. Schliesslich hält der Stadtrat auch nichts von der laut Initiative besseren Erschliessung des Kantonsspitals durch die Metro. Diese sei durch das bestehende und geplante Busangebot grossräumiger und direkter gewährleistet.

Aus all diesen Gründen ist der Stadtrat nicht bereit, Ressourcen zur Weiterentwicklung des Projekts bereitzustellen. Die Rede wäre wohl von mehreren 100'000 Franken. «Eine Metro als zusätzliches ÖV-System passt nicht zu Luzern», sagte Borgula. Als zielführender erachtet der Stadtrat die folgenden, bereits eingeleiteten Massnahmen: 

  • Entwicklung einer mehrheitsfähigen Lösung für das Carregime.
  • Ausbau des S-Bahn- und Busnetzes in Kombination mit dem Durchgangsbahnhof.
  • Konsequente Weiterverfolgung der Raumentwicklungs- und Mobilitätsstrategie zur Entlastung und Aufwertung der Innenstadt.
  • Verbesserung der Erschliessung des Kantonsspitals. Unter anderem mit einer Tangentiallinie nach Hirtenhof-Emmenbrücke.

Was das Carregime betrifft, so läuft der Strategieprozess ab diesem Herbst. Nächstes Jahr soll zumindest feststehen, in welche Richtung es gehen soll. Dabei betonte Borgula am Montag die «Ergebnisoffenheit» als zentrales Element. Will heissen: Keine projektbezogenen Vorentscheide. Dass der Stadtrat nun bei der Metro quasi schon die Türe zuschlägt, sei aber kein Widerspruch zur Ergebnisoffenheit: «Die Metro ist als mehrheitsfähige Lösung einfach unwahrscheinlich und deshalb wollen wir kein Geld für weitere Vorabklärungen ausgeben.» Es sei möglich, dass die Idee im Rahmen des Strategieprozesses nochmals aufs Tapet kommen könne. Unabhängig davon wird der Bericht und Antrag zur Metro-Initiative am 19. September im Grossen Stadtrat behandelt, die Volksabstimmung findet am 9. Februar 2020 statt.

Jenem Tag schaut Hans-Niklaus Müller vom Initiativkomitee positiv entgegen – trotz ablehnender Haltung des Stadtrats:

«Wir haben nichts anderes erwartet – der Stadtrat hatte von Anfang an etwas gegen die Idee, warum ist uns nicht klar.»

Jetzt argumentiere er mit Schlagwörtern wie «unnötig» oder verkünde, das Ganze sei nicht finanzierbar. «Das sind bloss Schutzbehauptungen», so Müller. «Konkrete Beweise fehlen und diese will der Stadtrat offensichtlich auch nicht liefern.» Man könne doch nicht die ganze Zeit von einem ergebnisoffenen Prozess sprechen und dann eine mögliche Lösung schon zu Beginn abwürgen. Müller sagt: «Wir kämpfen weiter für unsere Idee. Die Metro ist ein zukunftsfähiges ÖV-Projekt, das ins bestehende Gesamtverkehrssystem integriert werden muss.»

Das private Projekt Metro steht seit inzwischen sechs Jahren im Raum. Die ursprüngliche Idee wurde 2014 bezüglich Parkplatzangebot reduziert und um die Vision mit mehreren Linien erweitert. Doch schon damals beurteilte der Stadtrat das Ganze als unverhältnismässig. Weil er im vergangenen Jahr bei den möglichen Lösungsansätzen für das Carparking-Regime die Metro-Idee mit keinem Wort erwähnt hat, wurde in der Folge die Initiative eingereicht.

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Robert Knobel