Lucerne Festival: Der Mobbing-Vorwurf gegen Michael Haefliger soll schon in wenigen Tagen geklärt sein

Mit den Turbulenzen beim Lucerne Festival beschäftigt sich nun eine unabhängige Anwaltskanzlei.

Urs Mattenberger
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Lucerne Festival will die Mobbing-Vorwürfe gegenüber dem Intendanten Michael Haefliger so rasch wie möglich aus der Welt schaffen. So hat der Stiftungsrat laut Mediensprecherin Nina Steinhart den Auftrag zur Abklärung der Vorwürfe bereits an eine unabhängige Anwaltskanzlei erteilt. Die Resultate sollen in wenigen Tagen vorliegen. Am Sonntag hatte der Stiftungsrat von Lucerne Festival einen Bericht der «NZZ am Sonntag» bestätigt, wonach der Leiter der «Nachwuchssektion» sich an den Stiftungsratsausschuss gewandt habe, weil er sich vom Intendanten «gemobbt» fühle. Haefliger habe seine Befugnisse missbräuchlich beschnitten.

Beim Beschwerdeführer muss es sich um Dominik Deuber handeln, der die Nachwuchssektion der Lucerne Festival Academy leitet. Er habe «am Wochenende die Pressemitteilungen über betriebsinterne Vorgänge bei Lucerne Festival überrascht zur Kenntnis genommen», sagt Deuber auf Anfrage und weiter: «Von einer Stellungnahme möchte ich momentan absehen.»

Liegen die Gründe im Sparprogramm?

Einen Hintergrund des Konflikts könnten die im Frühling bekanntgegebenen Umstrukturierungen bilden, die das Sommer-Festival wirtschaftlich für die Zukunft besser absichern sollen. Dazu gehört die Ersetzung der Nebenfestivals durch zwei Wochenenden im Frühling und Herbst. Wieweit davon auch die Academy für zeitgenössische Musik betroffen sein könnte, ist von aussen schwer zu beurteilen. Aber ein Indiz ist, dass die Stelle des Hauptdirigenten der Academy nach dessen schlagartigen Abgang im letzten Sommer nicht ersetzt wurde.

Ausserdem bestätigen Stimmen aus dem Academy-Umfeld, dass sich Dominik Deuber über zu knappe Mittel für seine ambitionierten und immer mehr international vernetzten Academy-Projekte beklagte. Von einer Beschneidung finanzieller Mittel und – damit einhergehend– allenfalls der Einschränkung von Befugnissen bis zum Mobbing-Vorwurf wäre freilich ein sehr weiter Weg.

Dass das Festival hier, anders als nach dem bis heute nicht geklärten Abgang von Matthias Pintscher im letzten Sommer, eine rasche öffentliche Klärung anstrebt, ist deshalb in jeder Hinsicht begrüssenswert.