Der neue Direktor der Polizeischule in Hitzkirch war am Kollegium in Sarnen Mathematiklehrer und Prorektor

Alex Birrer leitet neu die Interkantonale Polizeischule Hitzkirch. Hier kann er seine Steckenpferde Bildung und Sicherheit verbinden.

Roseline Troxler
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Alex Birrer, leitet neu die Interkantonale Polizeischule Hitzkirch IPH. (Bild: Corinne Glanzmann, 7. August 2019)

Alex Birrer, leitet neu die Interkantonale Polizeischule Hitzkirch IPH. (Bild: Corinne Glanzmann, 7. August 2019)

Seit Montag ist Alex Birrer, der seit 25 Jahren in Obwalden lebt, Direktor der Interkantonalen Polizeischule Hitzkirch (IPH). Die neue Tätigkeit führt den 53-Jährigen zurück in seinen Heimatkanton. Birrer ist in Weggis aufgewachsen. Hitzkirch kenne er hingegen noch kaum, wie er gesteht. Dennoch gibt es eine Verbindung zur Seetaler Gemeinde. «Mein Vater hat hier die Ausbildung zum Primarlehrer am einstigen Lehrerseminar abgeschlossen», erzählt Birrer. 2007 wurde die IPH gegründet und in den Räumen des früheren Lehrersemis eingerichtet. «Mein Vater hat sich sehr gefreut, als ich im erzählt habe, wohin es mich verschlägt.»

An seinem dritten Arbeitstag meint Alex Birrer: «Ich habe mich eingenistet, das Einleben kommt erst noch.» Nun will er die Mitarbeiter und die Abläufe an der IPH besser kennen lernen und sich bei allen Polizeikorps der elf Konkordatskantone vorstellen, in Luzern, Nid- und Obwalden, Schwyz, Uri, Zug, Aargau, Bern, Basel-Land und Basel-Stadt sowie Solothurn.

In seiner neuen Führungsfunktion sieht sich Birrer als CEO, während die Strategie und die Schwerpunkte der Ausbildung durch die Regierungsräte und Polizeikommandanten bestimmt würden. Mit den Gremien werde er sich regelmässig austauschen.

Zahl der Polizeianwärter steigt wieder an

Die IPH bildet jährlich rund 250 Aspiranten für den Polizeiberuf aus. Das Auswahlverfahren nehmen die Konkordatskantone selber vor. «Während die Zahl der Anwärter bei der Gründung der Schule bei rund 300 lag, war sie in den letzten Jahren rückläufig. Nun können wieder mehr Anwärter ausgebildet werden», sagt Birrer. Den zwischenzeitlichen Rückgang begründet er mit Sparmassnahmen in diversen Kantonen und geringerem Bedarf in den Korps. Eine Zunahme gab es in den letzten Jahren beim Frauenanteil und liegt bei rund 30 Prozent. Dieses Jahr starten die ersten Anwärter mit dem zweijährigen Lehrgang, bisher dauerte er ein Jahr. «Für die IPH ändert sich dadurch wenig, aber die praktische Ausbildung in den Korps verlängert sich.» Birrer ist überzeugt, dass die gute Arbeit der Polizei bei der Bevölkerung ankommt. «Die Polizei hat ein gutes Image.»

Als Führungsperson sind Birrer vor allem die Werte Offenheit, Zielorientierung und Pragmatismus wichtig. Eigenschaften, welche auch für Polizisten gelten würden. «Der Beruf des Polizisten ist eine Herausforderung. Man muss den Beruf leben», betont er. Ausserdem habe man als Polizist stets eine Vorbildfunktion. «Wichtig sind zudem Eigenschaften wie Loyalität, Kritikfähigkeit und eine gewisse Gelassenheit.» Hier setzte auch die Ausbildung an, bei welcher Fächer wie Ethik und Psychologie eine Rolle spielen.

Von der Informatik über den Lehrerberuf zur Polizei

Dass es Alex Birrer zur IPH verschlug, erstaunt zunächst, absolvierte er doch an der ETH in Zürich das Studium zum Informatikingenieur. Nach wenigen Jahren in der Privatwirtschaft trat er in die Fussstapfen seines Vaters. Er begann als Mathematiklehrer am Kollegi in Sarnen. Alex Birrer ist dem Lehrerberuf während eines Vierteljahrhunderts treu geblieben, hat noch eine Schulleiterausbildung absolviert und war während sieben Jahren auch als Prorektor tätig.

Doch wie kommt ein Pädagoge zur Polizei? «Mit der Direktorenstelle an der IPH kann ich meine zwei Interessensgebiete, jenes der Bildung und jenes der Sicherheit, verbinden.» Das Stelleninserat sei für ihn zum idealen Zeitpunkt gekommen. Birrer hat eine militärische Laufbahn absolviert und sich immer für Sicherheitsthemen interessiert.

Seit 2008 leitet er in einem kleinen Pensum den Führungsstab Obwalden, der bei Ernstfällen von der Regierung aktiviert werden kann. Diese Tätigkeit wird er weiterführen. Der Führungsstab sei in den letzten zehn Jahren nur einmal im grösseren Stil aktiv geworden – als es Befürchtungen einer Pandemie wegen der Schweinegrippe gab. Dennoch sagt Birrer: «Wir treffen uns sporadisch, etwa wenn aufgrund hoher Pegelstände ein Hochwasser droht.» Im Führungsstab habe er vielfältigen Einblick in die Arbeit der Polizei erhalten.

Immobilien werden ihn beschäftigen

Zurück zur neuen Stelle: Gewählt wurde der 53-Jährige von den Justiz- und Sicherheitsdirektoren auf Antrag der Polizeikommandanten. «Sie wussten, dass ich den Polizeiberuf nicht von der Pike auf gelernt habe. Dafür kann ich mein Wissen im Bereich Bildung und Informatik nutzen.» Gerade dem Thema Digitalisierung räumt Birrer ein grosses Gewicht ein. Beschäftigen werden ihn auch Sanierungsprojekte der Immobilien.

Obwohl Birrer im Kanton Luzern aufgewachsen ist, wollen er und seine Frau Obwalden, wo auch seine erwachsenen Kinder leben, treu bleiben. «Trotz Stau am Lopper und Baustelle bin ich schneller im Seetal als erwartet.»