Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Der neuste Streich des Luzerner Hoteliers Afrim Baftiri

Schuldspruch, Konkurs, Kündigungsandrohung: In turbulenten Zeiten hält der Hotelbetreiber Afrim Baftiri sein Schiff mit einem Trick auf Kurs.
Kilian Küttel
Das Hotel Albana in Weggis. (Bild: Pius Amrein, 24. Oktober 2018)

Das Hotel Albana in Weggis. (Bild: Pius Amrein, 24. Oktober 2018)

Afrim Baftiri ist ein freundlicher Mann. Einer, der anderen die Tür aufhält, wenn sie das Gerichtsgebäude verlassen. Und das, obwohl er eben noch auf der Anklagebank gesessen hat.

So wie am 26. Juni 2019: Vor dem Bezirksgericht Luzern will Baftiri den Vorwurf entkräften, 20 000 Franken Mietkaution veruntreut zu haben (Artikel vom 26. Juni). Wieso er vor Gericht stehe, könne er nicht nachvollziehen. Er habe einem Freund einen Gefallen tun wollen, es nur gut gemeint – so in etwa der Wortlaut von Baftiris Ausführungen, die er im stickigen Saal vorträgt. Er argumentiert mit einer Mischung aus angeblicher Unwissenheit, Pech und Gutmenschentum.

Baftiri – 46 Jahre alt, dunkle Hose, helles Hemd, schwarze Turnschuhe – hinterlässt an jenem Donnerstagnachmittag keinen schlechten Eindruck. Obwohl er bei fast allen Fragen zu seiner Person die Auskunft verweigert. Doch wenn er etwas sagt, klingt es glaubhaft. Jedenfalls für den Zuhörer im Publikum. Anders sieht es das Bezirksgericht Luzern: Es gibt der Staatsanwaltschaft Recht und verurteilt Baftiri wegen Veruntreuung zu 6000 Franken Geldstrafe. Das Urteil ist seit Kurzem öffentlich, wenn auch nicht rechtskräftig.

Baftiris anständiges Auftreten kann nicht darüber hinwegtäuschen: Wenn der umstrittene Gastronom etwas will, dann nimmt er es sich. Auch wenn er dafür immer wieder vor Gericht antraben muss – und auch, wenn immer wieder Firmen Pleite gehen.

Weggiser Behörden
 wollten «Albana» schliessen

Zum Beispiel die LH Gastro GmbH, über die im Mai der Konkurs eröffnet wurde. Bereits am 12. Februar hatte unsere Zeitung berichtet, dass fast 50 Gläubiger gut eine Million Franken von der Firma forderten. Mit der LH Gastro GmbH betrieb Baftiri in Weggis drei Hotels: das «Graziella», das «Post Hotel» und das «Albana». Obwohl er öffentlich nicht in Erscheinung trat, die Geschicke nur aus dem Hintergrund lenkte.

Im «Albana» wollten die Weggiser Behörden unlängst mit harter Hand durchgreifen, das Hotel schliessen. Am 29. Mai erlassen die Behörden ein Nutzungsverbot; wegen Verstössen gegen Brandschutzvorschriften, Schimmelpilzbefall und Einsturzgefahr. Zur Schliessung aber kommt es nicht, wie Gemeindepräsident Roger Dähler auf Anfrage sagt:

«Ein Grossteil der Mängel wurde behoben. Das zeigte sich an einem letzten Augenschein vor Ort. Eine Schliessung wäre unverhältnismässig gewesen.»

Bis Ende Saison haben die Betreiber nun Zeit, alle Missstände aus der Welt zu schaffen – unter Einhaltung von Plan- und Bewilligungsauflagen. Ein Teil der baulichen Veränderungen hatten die Betreiber ohne Bewilligungen vorgenommen.

All diese Vorgänge belasten auch Daniele Obino. Er ist der Eigentümer des Hotels Albana und hat seine Liegenschaft verpachtet. Den Mietvertrag vom 10. Oktober 2017 schloss er allerdings nicht mit Baftiri oder einer Person aus dessen Umfeld ab, sondern mit der ZB Investment AG des Chinesen Wei Geng (siehe unten).

Obino enerviert sich: «Mein Name wird im Zusammenhang mit Leuten genannt, mit denen ich gar nichts zu tun habe und mit denen ich noch nie Geschäftsbeziehungen pflegte. Künftig verlange ich aber auch von meinem Pächter Wei Geng, den sicherlich eine Mitschuld trifft, sich bedingungslos an die Regeln zu halten.» Gelingt dies nicht, will Obino den Vertrag kündigen. Am 1. Juli wurde die Kündigungsandrohung verschickt: «Sollte die Mieterin noch einmal bauliche Massnahmen ohne Bewilligungen realisieren, Auflagen der Denkmalpflege verletzen oder den Hotelbetrieb gesundheitsgefährdend führen, werden wir vom ausserordentlichen Kündigungsrecht (...) Gebrauch machen.» Eine Kündigung, die auch Afrim Baftiri treffen würde, da er den Betrieb im «Albana» führt – unter der «Weisungsbefugnis» von Wei Gengs Firma. Gerne hätten wir gewusst, was die ZB Investment AG zu den neusten Zwischenfällen sagt. Doch die Pächterin liess unsere Fragen unbeantwortet.

Neue Betreiber, 
neue Firma, keine Probleme

Firmenkonkurs, Verurteilung, vielleicht sogar eine Kündigung. Entgleitet Baftiri die Kontrolle? Nein. Seinen Geschäften geht er ungehindert nach, der Firmenkonkurs trifft ihn nicht im Ansatz – auch wenn die konkursite LH Gastro GmbH die Betriebsgesellschaft für das «Albana» war. Weil die Betriebsbewilligung immer auf eine natürliche Person lautet: «Die Betreiberfirma ist deshalb irrelevant», so Polizeisprecher Urs Wigger.

Darüber hinaus hat die Betriebsgesellschaft für das «Albana» ganz einfach gewechselt. Gleich wie für das «Graziella» und das «Post Hotel» auch, wie Recherchen zeigen. Zwei der drei neu eingetragenen Firmen haben ihren Sitz im Hotel Himmelrich in Kriens, das dem Baftiri-Clan gehört. Das andere Unternehmen ist an Baftiris Wohnadresse domiziliert. Er selber ist wie immer an keiner Firma beteiligt, dafür seine Töchter und die Geschäftsführerin der LH Gastro GmbH. Laut Aussagen seiner Tochter ist sie die Chefin im «Albana». Item: Die Übertragungen im Handelsregister datieren entweder auf Ende 2018 oder auf Frühling 2019 – also zu einer Zeit, in der die LH Gastro GmbH schon hoch verschuldet war.

Dieses Verhalten kann für Rodrigo Rodriguez, Professor für Schuld- und Konkursrecht an der Universität Luzern, ein Indiz für Konkursreiterei sein: «Man darf scheitern. Aber wenn das vermehrt geschieht, das Ganze System hat, kann das den Verdacht der Justiz auf einen lenken.» Das System Baftiris bewertet der Professor als geschickt: «So bewegen sich Personen in einem Bereich, in dem sie für allfällige Verfehlungen meist nicht empfindlich belangt werden.» Wenn zum Beispiel Lieferanten nicht bezahlt werden – wie dies bei der LH Gastro GmbH der Fall war: «Privatpersonen werden sich sehr gut überlegen, ob sie sich auf einen langwierigen Rechtsstreit einlassen. Meistens wird ihnen der Aufwand zu gross sein, auch finanziell – und am Ende ist beim Schuldner oft nichts zu holen.»

Der Staat hätte zwar die Mittel gegen Konkursreiter vorzugehen, ob auch der Wille da sei, stehe auf einem anderen Blatt Papier. Rodrigo Rodriguez: «Die Zürcher Strafverfolgungsbehörden haben einen Schwerpunkt auf die Bekämpfung von Konkursreiterei gesetzt. Es wäre sicher zu wünschen, dass auch andere Kantone diesem Beispiel folgen.»

Staatsanwaltschaft stellt weiteren Strafbefehl aus

In ihrem Selbstverständnis kommen die Luzerner Strafverfolger diesem Wunsch nach. In der Vergangenheit haben sie mehrmals öffentlich kommuniziert, gezielter gegen Wirtschaftsdelikte vorzugehen. Gegen den Vorwurf, sie würden nichts gegen die Zustände in Weggis unternehmen, wehrt sich Staatsanwaltschaftssprecher Simon Kopp daher dezidiert:

«Wir distanzieren uns klar und deutlich von der Aussage, dass wir kein Verfahren gegen diese Person geführt haben.»

Der letzte Strafbefehl sei im Mai ausgestellt worden. Mit der Verhandlung am Luzerner Bezirksgericht vom 29. Juni hat dieser Strafbefehl nichts zu tun.

Auf das Urteil wegen Veruntreuung angesprochen, äussert sich Baftiris Anwalt nicht. Und auf Fragen zum Konkurs der LH Gastro GmbH, seinen Beteiligungen an den drei Weggiser Hotels und den neuen Firmen reagiert Afrim Baftiri nicht. Es ist, wie vor Gericht: Fragen zu seiner Person und seinen Geschäften beantwortet er ungern.

Der Eigentümer wehrt sich gegen mögliche Verbindung

(kük) Wer hält die Fäden beim Weggiser Hotel Albana in den Händen? Die Faktenlagen ist einigermassen verwirrend, doch sie lässt sich aufgrund der Dokumente, die uns vorliegen, so erklären:

- Afrim Baftiri verantwortet mit Familienmitgliedern und Bekannten, die er gezielt in seinen Betriebsgesellschaften platziert, das Hotelgeschäft. -- Gepachtet hat das 1886 erbaute Haus aber die ZB Investment AG, eingetragen auf den Chinesen Wei Geng.
- Eigentümerin des Hotels mit 86 Zimmern ist die Novoreal AG. Firmeninhaber Daniele Obino hat sich in Vergangenheit mehrmals öffentlich von Afrim Baftiri distanziert und tut es auch jetzt wieder. «Ich pflege ausschliesslich eine Geschäftsbeziehung mit Wei Geng und will mit sonst niemandem in Verbindung gebracht werden.» Das belegt Obino mit dem Mietvertrag zwischen ihm und der ZB Investment AG, unterschrieben am 10. Oktober 2017. Er könne seinem Pächter nicht vorschreiben, wen er im «Albana» für sich arbeiten liesse. Oder an wen er Aufträge auslagere. Ein Treffen mit Obino zeigt, dass ihm die Situation sichtlich unangenehm ist, er am liebsten auf die schlechte Presse der letzten Wochen und Monate verzichtet hätte – nicht nur unsere Zeitung hat über den Fall berichtet, sondern unlängst auch die «NZZ am Sonntag».

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.