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Der Retter der Gotthard-Bahn aus Meggen, den fast keiner kennt: Josef Zingg – Vize von Alfred Escher

Alfred Escher war die treibende Kraft hinter dem Bau der Gotthard-Bahn. Kaum ein Begriff ist indes sein Mitstreiter Josef Zingg aus Meggen. Am Ostermontag jährt sich ein Meilenstein seiner Arbeit zum 150. Mal.
Stephan Santschi
Ein rastloser Mann: Josef Zingg-Kopp, 1828–1891. Bild: PD

Ein rastloser Mann: Josef Zingg-Kopp, 1828–1891. Bild: PD

Es ist eine Anekdote der Sorte «wie klein die Welt doch ist»: Im Jahr 2004 engagierte Christian Zingg in der Luzerner Franziskanerkirche die Dagmerseller Sängerin Cécile Zemp-Sigrist für das Begräbnis seiner Tante Martha. Wie sich dann herausstellte, waren die beiden entfernte Verwandte – Cousin und Cousine dritten Grades, um genau zu sein. Christians Urgrossvater und Céciles Urgrossonkel waren offensichtlich ein und derselbe Mann.

Mehr noch: Es war Josef Zingg-Kopp, der einer der Pioniere beim Bau der Gotthard-Bahn (1872 bis 1882) gewesen war. «Wenn ich das jemanden erzähle, heisst es oft: Du spinnst ja, das kann ja gar nicht sein», sagt Christian Zingg aus Küsnacht ZH und lacht. 65-jährig ist er nämlich erst, «man könnte meinen, es fehlt eine Generation. Das liegt daran, dass mein Vater sehr spät Kinder hatte.»

Das zufällige Treffen der Nachfahren von Josef Zingg und dessen Bruder Gottlieb hauchte der Familiengeschichte neues Leben ein. Bemerkenswert: Während der Name des Zürchers Alfred Escher als treibende Kraft hinter der Realisierung der Gotthard-Bahn wohl bekannt ist, kennt Josef Zingg kaum jemand. Dabei war dessen Rolle alles andere als unbedeutend.

«Mit Otto von Bismarck an einem Tisch»

1828 geboren und aufgewachsen ist Josef Zingg in Meggen. Der studierte Rechtswissenschaftler wurde später als Liberaler in den Luzerner Regierungsrat gewählt und war 1863 Mitbegründer der Gotthard-Vereinigung. Fortan war er Eschers Mann in Luzern, über 500 Briefe zwischen den beiden sind überliefert, die Beziehung war geschäftlicher, aber nie freundschaftlicher Natur.

Am 22. April 1869, am Ostermontag vor 150 Jahren also, gelangte Zingg mit einer Vorlage an den Bundesrat, in der er sich für das Zustandekommen der Gotthard-Bahn starkmachte. In der 1871 gegründeten Gotthard-Bahngesellschaft war Zingg der Vize von Direktor Escher, und als dieser wegen des drohenden Konkurses und auf Druck des Bundesrats 1878 zurücktrat, übernahm der Luzerner sogar die Federführung. Zingg, mittlerweile Nationalrat, war über zehn Jahre lang Direktor der Gotthard-Bahngesellschaft, kontrollierte die Finanzen, bewies beim Abschluss von Bauverträgen Verhandlungsgeschick und sorgte dafür, dass der Verwaltungssitz in Luzern errichtet wurde. «Er ging beim Bundesrat ein und aus. Auch bei den Verhandlungen mit dem preussischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck sass er am Tisch», weiss Christian Zingg zu berichten.

Sein Zuhause ist heute ein Restaurant

In der Bauchronik wird Josef Zingg als «unermüdlicher Beschaffer der notwendigen Fi­nanzen» hervorgehoben. Er habe jede Krise gemeistert und allen Schwierigkeiten die Stirn geboten. «Allen Beamten war er ein leuchtendes Vorbild von rastlosem Fleiss und strenger Pflichttreue.» Kurz: Er trat als Retter der Gotthard-Bahn auf. Für seine Verdienste wurde er später von der Stadt Luzern sogar zum Ehrenbürger ernannt.

Gelebt hat Josef Zingg in der Villa an der Halde in Luzern, die er für seine Familie bauen liess. Heute ist sie im Besitz der Familie Hauser, heisst Villa Schweizerhof und dient an der Haldenstrasse als Restaurant. Zingg hatte drei Söhne – den späteren Oberrichter Robert Zingg-Segesser, den Bankdirektor Karl Zingg-Häfliger und SBB-Generaldirektor Josef Zingg-Blankart, welcher der Grossvater von Christian war. Ausgelaugt von der Arbeit starb Josef Zingg 1891 in der Kur in Locarno im Alter von knapp 63 Jahren an einem Herzleiden.

Ein Kupferstich vom Bau des Gotthardtunnels in der Nähe von Göschenen aus dem Jahre 1882. Bild: Getty

Ein Kupferstich vom Bau des Gotthardtunnels in der Nähe von Göschenen aus dem Jahre 1882. Bild: Getty

Der Kunsthistoriker stellt eigene Recherchen an

Zur Geschichte seiner Vorfahren beabsichtigt der pensionierte Kunsthistoriker Christian Zingg nun eigene Recherchen anzustellen und sie 2028 zu veröffentlichen – 200 Jahre nach der Geburt von Josef Zingg. «Es scheint, dass mein Urgrossvater ein fleissiger, aber bescheidener Schaffer war.»

1978, zum 150. Jahrestag von Zinggs Geburt, scheiterte übrigens das Ansinnen, den heutigen Luzernerquai als «Josef-Zingg-Promenade» zu benennen. «Es ist zwar bedauerlich, aber offenbar haben seine Dienste nicht die Würdigung erfahren, die sie möglicherweise Wert waren», erklärte der Stadtschreiber damals. Josef Zingg sei in den weitesten Teilen der Bevölkerung unbekannt.

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