Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Der Rontaler Spitex laufen die Gemeinden davon

Aderlass bei der Spitex Rontal plus: Inwil tritt per Ende Jahr aus, Adligenswil per Ende 2019 und diesen Sommer drohte mit Ebikon gar die grösste Gemeinde mit diesem Schritt. In den Teams herrscht Verunsicherung.
Roman Hodel
Eine Spitex-Mitarbeiterin hilft einer Klientin beim Kochen. (Symbolbild: Gaetan Bally/Keystone)

Eine Spitex-Mitarbeiterin hilft einer Klientin beim Kochen. (Symbolbild: Gaetan Bally/Keystone)

Die Spitex Rontal plus steht wegen ihrer Hauswirtschafts-Tarife in der Kritik. In 5 von 10 angeschlossenen Gemeinden bezahlen Klienten je nach Einkommen bis zu 74.50 Franken pro Stunde für Hilfe beim Kochen oder Putzen. In Ebikon läuft eine Gemeindeinitiative der SP, die dieses Tarifsystem rückgängig machen will (wir berichteten). Zumindest für Inwil gilt es ab Anfang 2019 sowieso nicht mehr – die Gemeinde wechselt zur Spitex Hochdorf (Ausgabe vom 7. Dezember 2017). Und sie ist nicht die Einzige: Auch Adligenswil, das zwar immer noch den Einheitstarif kennt, tritt aus. Allerdings erst per Ende 2019.

Der Adligenswiler Sozialvorsteher Ferdinand Huber (SVP) bestätigt dies auf Anfrage und begründet den Schritt mit dem Bau ihres neuen Alters- und Gesundheitszentrums: «Dadurch ergibt sich die historisch einmalige Gelegenheit, den gesamten öffentlichen Auftrag im Gesundheitsbereich aus einer Hand anbieten zu können.» Man sei überzeugt, dass die Gemeinde dieses Angebot in eigener Regie «qualitativ hochstehend» erbringen und rentabel betreiben könne. Mit den Leistungen der Spitex Rontal ist man gemäss Gemeinderat Huber zufrieden und kann sich deshalb vorstellen, den Bereich ambulante Psychiatrie trotz Austritt weiterhin zu beanspruchen.

«Bei gewissen Tarifen ist Hochdorf günstiger»

Die Inwiler Sozialvorsteherin Heidi Rohrer (CVP) betont, dass die Hauswirtschafts-Tarife nicht der Austrittsgrund seien: «Unser Wechsel war bereits vor der Tarifsystemänderung beschlossen worden.» Inwil sei im Sozial-, Pflege- und Gesundheitsbereich zunehmend Richtung Seetal ausgerichtet, daher der Spitex-Wechsel nur logisch. «Wir gehen im Guten auseinander und waren mit den Leistungen stets zufrieden», sagt Rohrer. Auf die Frage, ob Inwil bei der Spitex Hochdorf weniger Geld ausgeben werde, sagt sie: «Bei gewissen Tarifen ist Hochdorf tatsächlich günstiger.»

Dass gleich zwei Gemeinden wegfallen und mit Ebikon die dritte und noch dazu grösste diesen Sommer mit dem Austritt drohte, ist laut Ruedi Maurer, Präsident der Spitex Rontal plus, alles andere als angenehm. Jede wegfallende Gemeinde habe Auswirkungen auf bestehende Prozesse und Ressourcen. «In den Teams herrscht deswegen auch eine gewisse Verunsicherung.»

«Nach Möglichkeit wollen wir unseren Satz ebenfalls drastisch reduzieren, bei nach wie vor guter Qualität unserer Dienstleistungen.»

Im Rontal wird nicht erst seit Lancierung der SP-Initiative da und dort moniert, die Spitex-Preise für die Hauswirtschaft seien zu hoch – gerade im Vergleich mit privaten Anbietern. Zu Letzteren gehört etwa die Spitex Rotsee. Hier bezahlt ein Klient für die Haushaltshilfe einen Grund-Stundentarif von 45 Franken – unabhängig vom Einkommen. «Es ist uns bewusst, dass die Konkurrenz der Privaten dank tieferer Strukturkosten um einiges kleinere Vollkostensätze ausweisen kann», sagt Maurer. «Nach Möglichkeit wollen wir unseren Satz ebenfalls drastisch reduzieren, bei nach wie vor guter Qualität unserer Dienstleistungen.» Denn der finanzielle Druck der Gemeinden werde immer grösser. Maurer geht davon aus, dass die Tarif-Diskussionen bei den Gemeindeaustritten sehr wohl eine Rolle spielen könnten, auch wenn von offizieller Seite andere, etwa strategische Gründe genannt werden. «Der Vorstand fordert bereits seit Längerem, dass die Prozesse optimiert und die Leistungen kostengünstiger angeboten werden sollen», sagt Maurer. «Nun muss dies konsequent umgesetzt werden.» So wolle man den angeschlossenen Gemeinden keinen Grund für einen Alleingang oder für die Suche nach einer anderen Anschlusslösung geben.

Maurer ist selber erst seit Ende Juni Präsident (wir berichteten). Zudem startet am 1. Oktober mit Urs Knüsel auch gleich noch ein neuer Geschäftsführer. Die bisherige Chefin Martina Egli hat die Spitex Rontal plus nach 17-jähriger Tätigkeit in verschiedenen Funktionen per Ende Juni verlassen. Zum Grund sagt Maurer: «Frau Egli hatte den Wunsch, ihr Arbeitspensum zu reduzieren, um ihrer Familie mehr Zeit zu widmen.»

Laut Spitex-Präsident ist die Wende «eingeläutet»

Gut möglich, dass die Wechsel an der Spitze im Zuge der Tarif-Diskussionen und Austritte nicht von ungefähr kommen. Ruedi Maurer sagt: «Der neue Geschäftsführer ist sich gewohnt, einen Betrieb nach Zahlen zu führen.» Mit ihm werde er in den kommenden Monaten alle Gemeinden besuchen. Er sagt: «Die Wende ist eingeläutet, damit wir die Spitex Rontal plus in eine sichere Zukunft führen können.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.