Der Samichlaus und seine treuen Helfer

Der Samichlaus und seine treuen Helfer

In der Dämmerung kündigen Trychler und Geislechlöpfer landauf landab den Samichlaus an. Wir haben ihn in Willisau in Begleitung von zwei Schmutzli, drei Dienern und einem Esel getroffen.

Roger Rüegger (Text)
und Philipp Schmidli (Foto)
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Man kann sich ihm nicht entziehen. Anfang Dezember taucht der Samichlaus in Dörfern und Städten wie aus dem Nichts auf und schreitet mit seinem Gefolge von Haus zu Haus. Wir haben ihn auf seiner Tour getroffen. Allein in Willisau besucht er jeweils rund 150 Familien mit insgesamt 340 Kindern.

Derzeit ist er überall anzutreffen – vor allem am 6. Dezember, dem Gedenktag an Sankt Nikolaus, den wir in der Deutschschweiz eben Samichlaus nennen. Nikolaus ist einer der bekanntesten Heiligen der Römisch-Katholischen Kirche (aber auch der Ostkirchen).

Nicht zu verwechseln ist der Samichlaus mit dem Weihnachtsmann, der vor allem in evangelisch geprägten Regionen populär ist und eine Symbolfigur weihnachtlichen Schenkens darstellt. Anstelle des Bischofsgewands und der Mitra trägt der Weihnachtsmann einen roten Mantel mit weissem Pelz.

Einer, der den Samichlaus sehr gut kennt, ist der Willisauer Maurus Hurschler. Er hat ihn während mehr als 20 Jahren begleitet und ist selber sehr oft in diese Rolle geschlüpft. Bei derart vielen Kindern, die besucht werden wollen, muss der Samichlaus wahnsinnig flink unterwegs sein. Deshalb hat so manches Kind das Gefühl, es hätte mehrere Samichläuse gesehen. Nun traten am Samichlauseinzug vom Samstag und Sonntag in Willisau tatsächlich gleichzeitig mehrere Figuren auf, die wie der Samichlaus gekleidet waren. Der Einzug wird vom Turnverein STV Willisau zusammen mit dem Jugendkreis Willisau organisiert. Aber gemach: Natürlich war nur einer der echte. Und jedes Kind weiss, welcher es ist – nämlich derjenige, der bei ihm zu Besuch kommt. Hurschler betont: «Noch nie hat ein Kind die Frage gestellt, warum eigentlich mehrere Samichläuse am Einzug zugegen sind.»

Die Kinder erkennen ihren Samichlaus unter den acht in Willisau in jedem Fall wieder, weiss Hurschler. Die Möglichkeit, dass sich unter der Mitra und dem Gewand ihres Samichlauses ein gewöhnlicher Mann verbergen könnte, zieht dabei kaum eines in Erwägung. Als Hurschler einmal seine Schwester – sie unterrichtet an der Primarschule in Willisau – in der Klasse besuchte, sagte ein Schüler: «Frau Hurschler, Ihr Bruder hat dieselben Schuhe wie der Samichlaus.» Tatsächlich trug Hurschler jene Militärschuhe, die er auch beim Besuch des Buben anhatte. Dass der Bruder der Lehrerin und der Samichlaus ein und dieselbe Person sind, war für den Buben ausgeschlossen.

Anders ist der Stellenwert des Schmutzlis. Maurus Hurschler schlüpfte ab und zu auch in dessen Rolle. «Als solcher wurde ich tatsächlich einmal erkannt.» Und so sieht die «Familie» des Samichlaus aus:

Der Samichlaus

Der heilige Nikolaus, also Sankt Nikolaus, war Bischof von Myra. Deshalb trägt der Samichlaus heutzutage eine Mitra, die Kopfbedeckung des Bischofs, und einen bischöflichen Krummstab. Immer dabei hat er auch sein grosses Buch.

Der Esel

Esel waren in der Region, in der der Nikolaus in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts wirkte, also der heutigen Türkei, ein gängiges Lasttier. Wohl deshalb tritt der Samichlaus bei uns oft mit einem Esel auf. Hier mit dem 33 Jahre alten Bingo, einem Wallach.

Die Diener

Sie begleiten den Samichlaus auf den Besuchen. Sie nehmen ihm in den Häusern den Krummstab oder das Buch ab und legen Hand an, wo nötig. Ihre Gewänder erinnern an jene von Ministranten, welche in katholischen Gottesdiensten verschiedene Dienste übernehmen.

Die Schmutzli

Sie sind ebenfalls Helfer des Samichlauses. Durchs Jahr hindurch beobachten sie die Kinder und schreiben ins Buch, was sie anstellen: Mit goldenen Buchstaben die gute Taten, schwarz werden Streiche notiert. In Willisau gehören zwei Schmutzli zum Gefolge. Ruten haben sie keine mehr dabei.

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