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Spital Sursee: Nicht-Entscheid enttäuscht Sursee und Schenkon

Wohin mit dem Neubau des Spitals Sursee? Obwohl die Ausgangslage nun geklärt ist, hat der Spitalrat keinen Entscheid getroffen – im Gegenteil: Der Ball wird der Stadt Sursee zugespielt.
Yasmin Kunz und Ernesto Piazza
Wo das Spital Sursee (im Bild) neu gebaut wird, ist nach wie vor unklar. (Bild: Pius Amrein (Sursee, 4. Juni 2018))

Wo das Spital Sursee (im Bild) neu gebaut wird, ist nach wie vor unklar. (Bild: Pius Amrein (Sursee, 4. Juni 2018))

Jetzt ist es offiziell: Für den Neubau des Spitals Sursee – ein Aussenstandort des Luzerner Kantonsspitals – stehen noch zwei mögliche Varianten zur Auswahl. Zum einen ist das der jetzige Standort an der Spitalstrasse in Sursee, zum anderen die «Schwyzermatte» auf Schenkoner Boden. Dies teilte das Luzerner Kantonsspital (Luks) am Mittwoch mit. Von 23 potenziellen Standorten bleiben zwei übrig. Dass die «Sandgruebe» in Sursee nicht zum Zug kommt, ist wenig überraschend, weil die Hürden für einen Neubau hoch gewesen wären: verkehrstechnisch ungünstig gelegen, Umzonung sowie die Zustimmung der Grundeigentümer nötig. Dagegen sprach auch die Ausrichtung des Spitals Richtung Süden. Das entspricht nicht der gängigen Praxis bei Spitalbauten, wie unsere Zeitung berichtete.

Diese Recherchen bestätigt nun das Luks. «Die betrieblichen und bewilligungstechnischen Hürden erwiesen sich als zu hoch.» Der Spitalrat beurteilt die Variante in Schenkon aus betrieblicher Sicht als «Optimalvariante», wie er in der Mitteilung schreibt. Die «Schwyzermatte» punktet mit der zentralen Lage an der Autobahn, guter verkehrstechnischer Erschliessung und grosser Flexibilität, da das Areal unbebaut ist. Ebenso für Schenkon spricht die Möglichkeit einer Erweiterung und das Nicht-Tangieren des Spitalbetriebs während eines Baus. Hürden gibt es aber auf der politischen Ebene: Der Bau eines Spitals in Schenkon bräuchte sowohl einen Kantonsratsbeschluss mit der Möglichkeit des Referendums als auch die Zustimmung der Schenkoner Stimmbürger zu einer Umzonung. Nichtsdestotrotz: Die positiven Faktoren überwiegen. Darum hat sich das Luks das Land für einen allfälligen Kauf «unter gewissen Rahmenbedingungen gesichert».

Der aktuelle Standort an der Spitalstrasse in Sursee ist aus betrieblicher Sicht nicht ganz so ideal wie Schenkon. Besonders die mangelhafte Verkehrserschliessung spricht gegen diese Variante. Wichtige Zufahrtsstrassen und ihre Knoten sind schon heute teilweise überlastet. In Zukunft dürfte sich die verkehrstechnische Lage noch zuspitzen. Die Lage an und für sich – mit Seeblick – hingegen werte den Standort auf, heisst es. Sowohl planungsrechtlich als auch politisch dürfte der Umsetzung nicht viel im Weg stehen. Es wäre weder ein referendumsfähiger Kantonsratsbeschluss noch eine Ein- oder Umzonung nötig.

Diese Ausgangslage veranlasst den Spitalrat, beide Optionen weiterzuverfolgen. Spitalratspräsident Ulrich Fricker sagt: «Es handelt sich um ein komplexes Planungsverfahren, das mit verschiedensten Risiken behaftet ist.» Sie seien dem Kanton Luzern als Eigentümer des Spitals und der Bevölkerung gegenüber verpflichtet, diese Risiken zu minimieren, um zu einer betrieblich effizienten, finanziell tragbaren und politisch akzeptierten Lösung für den Neubau zu gelangen. «Wir setzen deshalb nun alles daran, zusammen mit den Behörden eine gute Grundlage für den definitiven Standortentscheid zu erarbeiten.»

Happige Hausaufgaben für die Surseer Behörden

Sursee hat nun Hausaufgaben, wie das Luks mitteilt. Der Stadtrat hat die Möglichkeit, «zur Behebung der betrieblichen Schwächen am Standort Spitalstrasse Stellung zu nehmen». Konkret: In den nächsten drei Monaten soll geklärt werden, wie sich die Erschliessung des bestehenden Areals für Rettungsfahrzeuge, Privatfahrzeuge und den öffentlichen Verkehr verbessern lässt. Ferner muss geprüft werden, wie sich der Neubau unter laufendem Betrieb lösen lässt und wie für den Bau des Pflegeheims Seeblick eine Ersatzlösung realisiert werden kann. Zu eruieren gilt es auch Parkplatzsituation.

Die Vertagung des Entscheids kommt bei den Betroffenen schlecht an. Der Surseer Stadtpräsident Beat Leu findet klare Worte:

«Wir sind vom Ergebnis überrascht und zugleich enttäuscht.»

Und weiter: «Wir haben mit einem Entscheid gerechnet und nicht damit, dass eine Schlaufe eingelegt wird.» Der Stadtrat steht in den nächsten drei Monaten vor einer Herkulesaufgabe, muss er doch dem Spitalrat Antworten auf einen umfangreichen Forderungskatalog liefern. Entsprechend hoch gewichtet Leu die Priorität dieser Aufgabe. Über das Resultat der Auswertungen kann er derzeit nur mutmassen. Was er aber sagen kann: «Es wird kaum möglich sein, alle Forderungen wie gewünscht zu erfüllen.» Der Stadtrat sei nach wie vor überzeugt, dass der jetzige Standort eine gute Variante für den Neubau ist, welche sich auch die Surseer Bevölkerung wünsche.

«Die Chancen für Schenkon stehen besser als für Sursee»

Roger Wicki, Co-Geschäftsleiter beim Pflegeheim Seeblick in Sursee, ist «enttäuscht» über den ausstehenden Entscheid. Der «Seeblick» ist Nachbar des Spitals Sursee, und die Institutionen nutzen Synergien. Wicki betont, dass jede Verzögerung die Inbetriebnahme des neuen Spitals nach hinten verschiebe. Und auch die Ungewissheit für das Pflegeheim würde nun weiter bestehen. Ihm sei allerdings aufgrund der Mitteilung des Spitalrats ziemlich klar, wo das Spital gebaut wird: «Die Chancen für Schenkon stehen besser als für Sursee.» Sollte dieses Szenario eintreffen, kann sich Wicki vorstellen, mit dem Alters- und Pflegeheim am jetzigen Standort zu bleiben. «Zumindest für die Langzeitpatienten wäre das die bessere Option als die Schwyzermatte in Schenkon.» Die Lage an der Spitalstrasse in Sursee sei schöner und zentraler. Eine Möglichkeit wäre es dann, die Kurzzeitpflege nach Schenkon zu verlegen. Nach wie vor sei der «Seeblick» an Synergien mit dem Spital interessiert. Der Baurechtsvertrag für das Areal, wo das Spital und der «Seeblick» stehen, läuft laut Wicki 2046 aus.

Ortsplanungsrevision wohl ohne «Schwyermatte»

Die Variante «Schwyzermatte» besitzt also zweifellos die besseren Karten. Doch wer nun glaubt, diese Ausgangslage löse beim Schenkoner Gemeindepräsidenten viel Freude aus, irrt. Patrick Ineichen sagt:

«Ich bin frustriert und enttäuscht, dass der Spitalrat den Entscheid vertagt hat.»

Grundsätzlich spiele es für ihn keine Rolle, ob das Spital in Schenkon oder Sursee gebaut wird. «Wichtig ist, dass es in unserer Region bleibt.» Stellt sich die Frage, warum Ineichen dennoch frustriert ist. «Es ist eine Hinhaltetaktik.» Er habe sich einen definitiven Entscheid gewünscht, um an der nächsten Gemeindeversammlung im Juni die Schenkoner Bevölkerung entsprechend informieren zu können. Zudem läuft in Schenkon derzeit die Ortsplanungsrevision. Der Gemeinderat hofft, diese noch vor den Sommerferien zu präsentieren. Weil der Entscheid über den Spitalstandort bis dann nicht gefällt ist, dürfte das zur Diskussion stehende Gebiet «Schwyzermatte» ausgeklammert bleiben. Schenkon hat vom Spitalrat – im Gegensatz zu Sursee – keine Auflagen erhalten. Und Ineichen sagt auch: «Wenn der Entscheid auf die ‹Schwyzermatte› fällt, wird der Gemeinderat diese Variante selbstverständlich unterstützen.»

Ulrich Fricker, Spitalratspräsident des Luzerner Kantonsspitals, sagt: «Wir haben Verständnis für den Stadtrat Sursee und den Gemeinderat Schenkon.» Es handle sich aber um ein komplexes Planungsverfahren und ein grosses und wichtiges Bauvorhaben.

200 Millionen Franken für Sursee

Das neue Spital Sursee soll dereinst 172 Betten umfassen. Derzeit zählt die Klinik, welche mittlerweile mehr als 40 Jahre alt ist, rund 130 Betten auf einem Areal von 31000 Quadratmeter Grösse. Der Baustart ist auf 2026 terminiert; bezugsbereit soll der Neubau 2028 sein. Im Finanzplan 2025 bis 2028 sind pauschal 200 Millionen Franken für Gesamtinvestitionen am Standort Sursee eingestellt.
Sursee ist nicht das einzige Neubauprojekt des Luzerner Kantonsspitals. So werden in den kommenden Jahren das Spital Wolhusen und das Kinderspital in Luzern neu gebaut (wir berichteten). Für Wolhusen besteht ein Kostendach von 110 Millionen Franken. Für das Kinderspital, welches ab 2025 Tür an Tür mit der Frauenklinik sein wird, belaufen sich die Kosten gemäss Spital auf 170 bis 200 Millionen Franken.

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