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Der stille «Chrampfer» hinter den Luzerner Bildungsreformen tritt ab

31 Jahre lang war Joe Bucheli (63) Abteilungsleiter Schulbetrieb bei der Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern. Er ist mitverantwortlich für viele Reformen in der Schullandschaft. Besonders eine blieb ihm in Erinnerung.
Yasmin Kunz
Joe Bucheli auf dem Balkon seines Büros an der Kellerstrasse in Luzern. (Bild: Pius Amrein, 18. Juli 2018)

Joe Bucheli auf dem Balkon seines Büros an der Kellerstrasse in Luzern. (Bild: Pius Amrein, 18. Juli 2018)

Wäre er ein Schüler, bekäme er für die Vorbereitungen die Höchstnote. Wir treffen Joe Bucheli, Abteilungsleiter Schulbetrieb 1 bei der kantonalen Dienststelle Volksschulbildung, in seinem Büro. Zu jeder Frage, die er vorab erhalten hat, schrieb er eine ausführliche Antwort. Acht Fragen, zwei Seiten. Ob er denn trotzdem noch mit uns sprechen will? «Klar», sagt er und lacht. «Ich schreibe halt sehr gerne.»

Das Büro des 63-Jährigen macht einen etwas kargen Eindruck. Graue, blaue und rote Ordner reihen sich im Regal, auf dem Pult findet sich kein Schnickschnack, sondern nur ein Computer und ein Telefon. «So ordentlich sieht es selten aus», räumt er ein. Da er nach nun 31 Jahren bald in Pension gehe, seien gewisse Sachen schon anderswo verstaut.

Von ganz wenigen zu 70 Mitarbeitern

1987 hat der in Ruswil wohnhafte Joe Bucheli diese Stelle übernommen – nur ein Jahr nachdem Charles Vincent zum Dienststellenleiter der Volksschulbildung im Kanton Luzern ernannt wurde. Seit jeher arbeiten die beiden Hand in Hand. «Wir verstehen uns ohne grosse Worte», sagt Bucheli. Damals gehörten sehr wenige Mitarbeiter der Dienststelle an, da es noch andere Abteilungen wie das Inspektorat oder die Junglehrerberatung gab. Heute zählt sie 70 Mitarbeiter, viele davon arbeiten in einem Teilzeitpensum.

Nach dem Lehrerseminar hat Bucheli an der Universität Zürich Pädagogik, Psychologie und Soziologie studiert. Anschliessend hat er mehrere Jahre auf verschiedenen Schulstufen unterrichtet, bevor er zur Schweizerischen Kreditanstalt (heute Credit Suisse) wechselte, wo er ebenfalls eine Lehrtätigkeit inne hatte.

Hundert Antworten, Tausende Zeilen

Seine Liebe zum Schreiben kam ihm als Abteilungsleiter Schulbetrieb entgegen. Denn er musste Tausende Zeilen zu Papier bringen. So hat er beispielsweise gut hundert Antworten zu parlamentarischen Vorstössen vorbereitet. Viele Gesetzesänderungen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten an den Luzerner Schulen eingeführt wurden, sind von vom ihm verfasst worden. Nebst der Schreibarbeit hat er auch immer wieder an Podien teilgenommen, Diskussionen geführt und über diverse Entwicklungen debattiert.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm die Einführung der Wochenstundentafel im Jahr 1995. Buben und Mädchen hatten fortan die gleiche Ausbildung. Das heisst konkret: Der Handarbeits- und Hauswirtschaftsunterricht, den bislang nur die Mädchen besuchen mussten, wurde gekürzt und die Buben mussten auch die eher an Mädchen ausgerichteten Fächer wie etwa Handarbeit besuchen. «Das hat damals für teils heftige Kritik gesorgt», erinnert sich Bucheli.

Nicht gut angekommen ist insbesondere die Kürzung dieser Fächer bei vielen Frauenverbänden und den betroffenen Fachlehrerinnen. Mit der Wochenstundentafel hat der Erziehungsrat – welcher dann im Jahr 1999 abgeschafft wurde – entschieden: Gleiche Bildung für Mädchen und Knaben. Bucheli musste diese Entscheidung nach aussen vertreten – und selbstverständlich dann noch schriftlich festhalten.

«Wer möchte heute wieder am Samstag in den Unterricht?»

Wie die Übertrittsprüfung für die Sekundarschule wurde auch der schulpflichtige Samstagsvormittag während seiner Amtszeit abgeschafft. Dinge, die heute schon fast in Vergessenheit geraten sind. Dennoch heisst es im Volksmund oft: Früher sei die Schule besser gewesen. Bucheli kann dem nicht zustimmen. Er sagt: «Früher war einfacher, was heute komplizierter ist.» Es sei aber falsch zu denken, nur die Schule hätte sich in den vergangenen dreissig Jahren gewandelt. «Die Schule ist diesem gesellschaftlichen Wandel unterworfen und muss sich entsprechend anpassen», sagt er und fragt rhetorisch: «Wer könnte denn heute zum Beispiel noch eine ungleiche Bildung von Buben und Mädchen befürworten? Oder wer möchte heute wieder am Samstag in den Unterricht?»

Die gesellschaftlichen Verhältnisse sind vielfältiger geworden. Darauf hat die Schule reagiert. «Die Schule war ein Ort der Lehrpersonen, die einzig für ihre Klassen verantwortlich waren. Heute ist die Schule eine geleitete pädagogische Organisation mit Gestaltungsfreiraum.»

Verbesserungspotenzial ortet der Experte im digitalen Bereich

Man könne nicht pauschal sagen, heute sei es besser oder schlechter, sagt Bucheli. «Es macht wenig Sinn, die gesellschaftlichen Verhältnisse über die Zeit in einen wertenden Vergleich zu setzen.» Heute sei es einfach anders. Aus seiner Warte gab es denn auch keine unnötigen Reformen. Er weist allerdings darauf hin, dass Neuerungen immer nur einen Teil der gehegten Erwartungen erfüllen und appelliert zugleich an die Reformkritiker: «Jeder einzelne – egal, in welcher Branche er oder sie tätig ist -, soll sich mal überlegen, von wie vielen Neuerungen er in den letzten dreissig Jahren betroffen war.»

Die Entwicklung der Schule macht mit der Pensionierung von Joe Bucheli Ende August nicht Halt. «Die Gesellschaft wandelt sich auch weiterhin. Entsprechend werden fortlaufend Anpassungen nötig sein.» Er spricht dabei die Digitalisierung und die integrative Förderung an. «In diesen Punkten haben wir noch Verbesserungspotenzial.»

Mehr reisen, mehr singen, mehr Konzerte besuchen

Doch eigentlich kann ihm das nun egal sein. Er muss nichts mehr schreiben, keine Entscheide mehr vertreten und keine Probleme mehr lösen. Doch die Schulen und deren Entwicklung sind ihm eine Herzensangelegenheit. So wird er auch künftig verfolgen, was in der Schullandschaft passiert und «ich werde auch weiterhin darüber schreiben. In welcher Form ist allerdings noch offen».

Allerdings alles in einem kleinen «Pensum». Denn er hat noch andere Pläne: So will er mit seiner Frau noch etliche europäische Städte besichtigen, fleissig an den Chorproben des Mauritius Chors Ruswil teilnehmen, klassische Konzerte besuchen und mehr Zeit mit seinen beiden erwachsenen Söhnen verbringen. Dank seiner akribischen Vorbereitungen dürfte es für ihn ein Leichtes sein, all dies unter einen Hut zu bringen.

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