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Neue Ideen: In Willisau befindet sich der «Tante-Emma-Laden 2.0»

In Willisau wird am Dorfladen der Zukunft gearbeitet. Was es dafür braucht: Mut, Innovation und neuerdings ein Verkaufssystem wie zu Gotthelfs Zeiten – ganz ohne Verpackungen.
Andreas Bättig
Einblick in Dorfladen Frischpunkt von Sandra Birrer (im Bild mit ihren beiden Kindern). (Bild: Boris Bürgisser, Willisau, 10. Mai 2019)

Einblick in Dorfladen Frischpunkt von Sandra Birrer (im Bild mit ihren beiden Kindern). (Bild: Boris Bürgisser, Willisau, 10. Mai 2019)

In einem von aussen unscheinbaren Dorfladen mitten im Städtchen Willisau wird an der Zukunft des sogenannten Tante-Emma-Ladens gearbeitet. Es ist Freitagnachmittag, Sandra Birrer, 29 Jahre alt und Geschäftsführerin des Frischpunkt, steht in ihrem Laden und hilft ihren Kundinnen. «Frau Wüest, Sie suchen die Meringues? Die sind gleich links oben im Regal vor Ihnen.» Sandra Birrer kennt ihre Kundschaft beim Namen. «Die Leute schätzen, wenn sie nicht einfach eine anonyme Nummer sind», sagt sie.

Birrer hat hier ihre Lehre als Verkäuferin absolviert und als sie 2011 die Gelegenheit bekam, ihn zu übernehmen, habe sie gleich zugeschlagen. Im Frischpunkt, der so heisst, weil hier vieles «frisch» ist – Punkt!, findet sich alles, was man für den täglichen Bedarf braucht: Waschmittel, Körperhygieneprodukte und Lebensmittel. Birrer bekommt die Waren von der Verteilerkette Spar geliefert. Den Rest, insbesondere bei den Lebensmitteln, ergänzt sie mit Produkten aus der Region.

Vieles was Birrer anbietet findet sich in solchen Glasgefässen. (Bild: Boris Bürgisser, Willisau, 10. Mai 2019)

Vieles was Birrer anbietet findet sich in solchen Glasgefässen. (Bild: Boris Bürgisser, Willisau, 10. Mai 2019)

Doch einfach nur einen Laden mit dem Grundangebot zu haben, reicht heutzutage nicht mehr, um gegen die Konkurrenz der Grossverteiler bestehen zu können. Deshalb tüftelt die vife Ladenbesitzerin Konzepte aus, die den Fortbestand des Frischpunkt sichern sollen. Wer als Dorfladen überleben will, der müsse innovativ und kreativ sein, ist Birrer überzeugt. «Die besten Ideen kommen mir immer nachts beim Stillen», sagt die Mutter von zwei Kleinkindern.

Die eigenen Kinder inspirierten Birrer dazu neue Wege zu gehen. (Bild: Boris Bürgisser, Willisau, 10. Mai 2019)

Die eigenen Kinder inspirierten Birrer dazu neue Wege zu gehen. (Bild: Boris Bürgisser, Willisau, 10. Mai 2019)

Weg mit dem Berg an Verpackungsmaterial

Das Ergebnis eines solchen Still-Brainstormings ist die «Unverpackt-Ecke». Neuerdings können im Frischpunkt gänzlich unverpackte Lebensmittel gekauft werden. In grossen Glasbehältern befinden sich unter anderem Bio-Linsen, Bio-Hafer, Bio-Cornflakes oder Bio-Pasta. Diese kann die Kundin oder der Kunde entweder in ein selbst mitgebrachtes Tupperware oder in ein Glasbehältnis, das vor Ort gekauft werden kann, abfüllen. «Mich hat immer gestört, wie viele Verpackungen sich hier im Laden ansammeln», sagt Birrer. Man wisse ja mittlerweile, wie schädlich Plastik für die Umwelt ist. Birrer sagt:

«Spätestens als ich die Kinder bekam, wusste ich, dass ich für die Zukunft Sorge tragen will. Also setzte ich die Idee um.»

Spannend an diesem System sei ja, dass früher in den kleinen Läden die Waren genau so verkauft wurden. «Eine Kundin fand es amüsant, dass das jetzt wieder Mode wird.»

Die Kunden können selbst Behälter mit nehmen oder direkt vom Laden beziehen. (Bild: Boris Bürgisser, Willisau, 10. Mai 2019)

Die Kunden können selbst Behälter mit nehmen oder direkt vom Laden beziehen. (Bild: Boris Bürgisser, Willisau, 10. Mai 2019)

Eine weitere Still-Idee befindet sich gleich beim Eingang des Ladens. Weil sie ihren Kundinnen und Kunden 24 Stunden am Tag die Gelegenheit zum Einkaufen geben will, hat Birrer zwei Automaten gekauft, die sie mit Waren aus ihrem Laden befüllt. Darin ist zum Beispiel alles, was man zu einem guten Schweizer Frühstück braucht – Milch, Anke, Joghurt. Und wer nach einem Ausgang morgens um drei noch Heisshunger hat, der findet im 24-Stunden-Automaten eine «Snack-Überlebensration» mit Pasta und passender Tomatensauce sowie Sandwiches. Im Sommer steht zudem ein Glacéautomat parat, der mittels Roboterarm die gewählte Glacé aus der Kühltruhe fischt.

Hauslieferungen für betagte Kunden

Neben Sandra Birrer arbeiten im Laden noch drei weitere Angestellte in Teilzeit. Eine davon ist ihre Mutter. Auch ihr Vater helfe mit, in dem er unter anderem Bestellungen an betagte Kunden nach Hause liefert. Eine weitere Dienstleistung, die den Dorfladen von den Grossverteilern abgrenzen und einen Mehrwert bieten soll. «Die Hilfe der Familie ist wichtig. Ohne die ginge es wohl nicht», sagt Birrer. Ihr Partner unterstütze sie zwar auch ab und zu, in dem er Holzarbeiten für den Laden anfertigt, sei als Zimmermann aber anderweitig auswärts beschäftigt.

Ein weiterer Versuch von Birrer sind die 24-Stunden-Snackautomaten. (Bild: Boris Bürgisser, Willisau, 10. Mai 2019)

Ein weiterer Versuch von Birrer sind die 24-Stunden-Snackautomaten. (Bild: Boris Bürgisser, Willisau, 10. Mai 2019)

Um den Umsatz ihrer neuen Geschäftsidee anzukurbeln, macht Sandra Birrer zeitgemäss Werbung auf sozialen Plattformen wie Facebook. Dort hat der Frischpunkt eine eigene Fanseite. Der Eintrag über die Ankündigung des Unverpackt-Ladens wurde insgesamt 52-mal geteilt – das ist für eine kleine Fanseite eine beachtliche Zahl. «Ich war selber überrascht, wie schnell sich dieses Angebot herumgesprochen hat. Offenbar habe ich einen Nerv getroffen.» Sie hoffe, dass sich das grosse Interesse auch in den Umsatzzahlen niederschlägt. Wenn nicht, sei das zwar schade, aber entmutigen lasse sie sich dadurch nicht. Irgendwas Neues käme ihr dann schon wieder in den Sinn. Denn die moderne «Tante Emma» müsse eines unbedingt vermeiden: Stillstand.

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