Der Verbund Aquaregio investiert rund um den Sempachersee 40 Millionen Franken

Der Verbund Aquaregio AG Wasser Sursee-Mittelland rüstet auf. Der Fokus soll auch auf sauberem Trinkwasser liegen.

Ernesto Piazza
Drucken
Teilen

Zirka ein Jahr ist seit der Gründung der Aquaregio AG Wasser Sursee-Mittelland vergangen. Die Gesellschaft stellt in acht Gemeinden rund um den Sempachersee den Bedarf bei Wasserversorgungsengpässen sicher. Dem Verbund gehören Sursee, Sempach, Beromünster, Hildisrieden, Oberkirch, Eich, Nottwil und Schenkon an.

Nach den ersten 12 Monaten zieht Sacha Heller, Verwaltungsratspräsident der Gesellschaft, eine positive Zwischenbilanz. «Das Ganze hat sich gut eingespielt». Das Konstrukt ist das erste dieser Art in der Zentralschweiz. Und die Aquaregio setzt die persönliche Messlatte hoch an. Will sie doch in den kommenden zehn Jahren etwa 43 Millionen Franken – vor allem in den Ausbau der Netzinfrastruktur investieren. Davon sind unlängst erste Kredite von 14 Millionen bewilligt worden.

Optimalster Baubeginn mit drei Projekten im Sommer

Ein Kernstück auf der Prioritätenliste ist die Seeleitung. Sie ist zwischen den beiden Hauptwasserversorgern der Region – dem Seewasserwerk in Sempach und den auf Surseer und Schenkoner Boden liegenden Grundwasserwerken im Zellmoos – geplant. Der dafür gesprochene Bruttokredit beträgt 5,4 Millionen Franken.

Auch beschlossen ist ein Betrag von 5,9 Millionen für die Erstellung einer Verbindungsleitung von Rippertschwand nach Sempach. Von diesem Emmer Reservoir können aufgrund einer Vereinbarung pro Tag maximal 5000 Kubikmeter Wasser bezogen werden. Ein weiterer Kreditbeschluss betrifft 900 000 Franken für den Bau des Pumpwerks Sempach. «Im Sommer erwarten wir für alle drei Projekte die Baubewilligung und hoffen im optimalsten Fall mit diesen noch im 2020 beginnen zu können», sagt Heller.

Grundwasserbestände noch nicht normalisiert

Das technische Aquaregio-Konzept sieht vor, dass sämtliche Wasserversorgungen im Ring erschlossen sowie hydraulisch und elektrisch redundant sind. Das heisst konkret: Offene Lücken im Verbindungsnetz will man schliessen. Dazu gehört auch die Verbindungsleitung Neudorf–Beromünster. Sie erhöht ab dem Grundwasserwerk in Neudorf die Versorgungssicherheit im Michelsamt. Die aktuellen Investitionen belaufen sich auf 1,2 Millionen Franken.

Ein weiteres, gleich gelagertes Projekt ist die sich ebenfalls im Bau befindende Verbindungsleitung von Schwarzenbach nach Beromünster. Dort liegt das Investitionsvolumen bei 600'000 Franken. Damit kann über eine separate Leitung Wasser von Mosen bezogen werden. Heller rechnet damit, dass im Sommer 2021 zirka 80 Prozent der Abonnentenanschlüsse redundant sind. «Auf diese Versorgungssicherheit legen wir grossen Wert», so der Verwaltungsratspräsident.

Und dies nicht zuletzt, weil nach teilweisen Wasserengpässen im vergangenen Sommer die Grundwasserbestände sich noch nicht wirklich normalisiert haben. «Sie liegen rund einen Meter unter dem mittleren Wert und somit unter dem langjährigen Durchschnitt.» Heller geht aber davon aus, dass sich die Stände sukzessive erholen.

Grenzwerte für Abbaustoffe von Pestiziden überschritten

Zu den Aufgaben der Aquaregio AG gehört ebenfalls, die Wasserqualität im Auge zu behalten. Dass sie im letzten Oktober in Nottwil, Oberkirch und Sempach total acht Quellen und Grundwasserpumpwerke vom Netz genommen hat, sorgte für einiges Aufsehen (wir berichteten). Das sei eine vorsorgliche Massnahme gewesen, begründet Heller den Schritt. Aufgrund von Messwertprüfungen habe man festgestellt, «dass bei den Werken die Grenzwerte für Abbaustoffe von Pestiziden überschritten wurden».

Die daraus resultierenden Fehlmengen werden über den Verbund der Aquaregio AG mit unbelastetem Trinkwasser sichergestellt. «Dass man die erheblich belasteten Standorte vom Netz genommen hat, wurde vom Verwaltungsrat gestützt», betont Heller.

Fragen aus der Bevölkerung zur Abstellung von Werken

Oberkirchs Gemeindepräsident Ernst Roth (CVP) sagt dazu: «Es ist natürlich besorgniserregend, wenn das Grundnahrungsmittel Wasser qualitativ ungenügend ist und Quellen nicht mehr genutzt werden können. Es gab Fragen – speziell an der Gemeindeversammlung.»

Zudem habe das Thema auch für Gesprächsstoff auf der Strasse gesorgt. Zum momentanen Stand informierte Oberkirch die Bevölkerung über das Gemeindeinfoblatt.

In Nottwil sind aktuell die beiden Werke in der Hochzone und eines in der Tiefzone nicht mehr am Netz. Da die Gemeinde im Verwaltungsrat der Aquaregio vertreten sei, habe sie sich zu diesen Massnahmen auch einbringen können, erklärt der für das Ressort Bau verantwortliche Gemeinderat Marcel Morf (FDP). «Natürlich gab es aus der Bevölkerung Fragen. Viele von der Umstellung Betroffene hätten aber nichts davon bemerkt.»

Die besagten Werke werden ohne Zustimmung der kantonalen Kontrollorgane nicht ans Netz zurückgeführt. Heller mutmasst:

«Bis sich die Situation reguliert hat, kann es Jahrzehnte dauern.»

Die Aquaregio AG hat von 19 Werken – also von allen ihren Wasserbezugspunkten – Proben entnommen und auf über 400 Substanzen untersuchen lassen. Zum Monitoring gehört auch, dass diese ab sofort halbjährlich geprüft werden.

Verbund spricht sich für Verbot von gewissen Substanzen aus

«Das nun grösste verbliebene Risiko bezüglich der getätigten Sofortmassnahmen» sieht Heller im Wirkstoff Chloridazon. Während das Pflanzenschutzmittel in der Schweiz noch toleriert werde, bestehe hierfür in den USA und auch in grossen Teilen Europas schon längstens ein Verbot. «Immerhin begrüssen wir den Entscheid, dass der Bund den Einsatz des aktuell fraglichsten Pestizids ‹Chlorothalonil› am 12. Dezember per sofort verboten und die Ausbringung ab 1. Januar 2020 untersagt hat.»

Neben dem jetzt verbotenen Pestizid belaste «Chloridazon-Desphenyl» das Trinkwasser «in unseren Fassungen am stärksten», betont der Verwaltungsratspräsident. Dieser Stoff werde aber aktuell vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) als «nicht relevant» geführt, erklärt Heller. Eine weitere Verbesserung sieht er im Vorschlag des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF). «So soll künftig auf eine Neubewertung in der Schweiz verzichtet werden, wenn die EU eine Bewilligung für ein Pestizid nicht erneuert.»

In diesem Zusammenhang nimmt der Verwaltungsratspräsident der Aquaregio AG vor allem die Bundesämter Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit in die Pflicht. Er sagt: «Auf dieser Stufe müsste man sich endlich klar werden, wo die Prioritäten liegen. Wobei wir uns dahingehend positionieren, dass der Fokus auf sauberes Trinkwasser gelegt werden muss.» Und das heisse wiederum auch, gewisse Substanzen müssten umgehend verboten werden. (ep)

Aktuelle Nachrichten