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DER VERGLEICH: «Basel isch Wältglass!» – «Lozärn esch no besser»

Die Basler Fasnacht als Weltkulturerbe – und Luzern geht leer aus. Feiert man am Rhein tatsächlich origineller, traditioneller, kreativer, rüüdiger?
Jérôme Martinu
Ein Basler Waggis auf dem Rathaussteg in Luzern? Da geben die fünf Stadtluzerner Fasnachtsmeister (von links) Thomas Bucher, Stephan Furrer, Bernhard Matter, Jürg Weber und Rolf Sainsbury dem Basler Waggis so richtig Saures - in Konfettiform. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Ein Basler Waggis auf dem Rathaussteg in Luzern? Da geben die fünf Stadtluzerner Fasnachtsmeister (von links) Thomas Bucher, Stephan Furrer, Bernhard Matter, Jürg Weber und Rolf Sainsbury dem Basler Waggis so richtig Saures - in Konfettiform. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Jérôme Martinu

Die «drey scheenschte Dääg» haben es auf die Liste der Bundesrats-Vorschläge für das Unesco-Weltkulturerbe geschafft. Acht Schweizer Traditionen sollen als immaterielles Weltkulturerbe gelten, so hat es der Bundesrat im vergangenen Oktober entschieden: Uhrmacherhandwerk, Schweizer Grafik­design und Typografie, der Umgang mit der Lawinengefahr, die Schweizer Alpsaison, der Jodel, die historischen Prozessionen in Mendrisio, das Winzerfest in Vevey – und eben die Basler Fasnacht. Aus Lozärner Sicht riecht das – mit Verlaub – etwas faulig. Oder auf den Punkt formuliert: Das ist ein Fall von krasser bundesrätlicher Fehleinschätzung.

Die weltbeste Fasnacht findet – ab heute, Schmotzige Donschtig – selbstverständlich in Lozärn statt! Oder etwa doch nicht? Sind uns die Basler um Längen, richtiggehend global voraus? Wir wollen es wissen. Und wagen hier den ultimativen, blau-weiss-subjektiven Vergleich Basel–Luzern.

Der Start

  • Basel: «Morgestraich – vorwärts, Marsch!» Punkt 4Uhr löschen praktisch sämtliche Lichter in der Basler Innenstadt, die Trommler und Pfeifer legen los, der riesige Laternenzug setzt sich gemächlich in Bewegung. Langsam. Feierlich. Farbenprächtig. Und was da alles auf den Beinen ist am frühen Morgen: Eine gewaltige Menschenmenge säumtStrassen und Gassen. Wie in Luzern bebt die Innenstadt, bis es eine erste Pause bei Mehlsuppe, Zwiebel-, Käsewähe und Weisswein gibt.
  • Luzern: Ohalätz! Die Basler sind Noch-früher-Aufsteher als die Luzerner. Und sie schaffen es tatsächlich, massiv mehr Morgenmuffel aus den Federn oder Unentschlossene aus den Ski­ferien zu holen. Damit Blau-Weiss hier aber nicht gleich den Kürzeren zieht: Die schränzende Eruption zum Start, der Urknall mit dem Fötzeliregen auf dem Kapellplatz – die Luzerner legen an der Tagwache ungehemmt los. Hier brauchts keine gemächliche Aufwärmrunde.

Die Regeln

  • Basel: Man mags geordnet am Rhein.«Militärisch», nennen das manche. Entsprechend hält man auch mit Regeln nicht zurück: «Halten Sie sich an die ungeschriebenen Gesetze: geschminkte Gesichter, Pappnasen, Narrenkappen, Schunkeln, Grölen, aber auch Betrunkenheit an der Basler Fasnacht sind verpönt. Nehmen Sie Rücksicht auf die Aktiven. Bewerfen Sie sie nicht mit Räppli. Lassen Sie den Aktiven in den Restaurants den Vortritt», heisst es etwa auf einer Liste mit Tipps. Und was den Plakettenkauf betrifft, so geht es hier gar nicht erst um die Frage Ja oder Nein. Es heisst ganz einfach: «Tragen Sie die Fasnachtsplakette gut sichtbar.»
  • Luzern: Regeln? Welche Regeln? Lozärner Fasnacht ist wild, archaisch, chaotisch. Klar, das Lozärner Fasnachtskomitee (LFK), die Vereinigten Guuggenmusigen oder die Kult-Ur-Fasnächtler organisieren Fixpunkte wie die Umzüge. Aber insgesamt: anything goes, alles ist möglich. Das macht die Luzerner Fasnacht ebenso unberechenbar wie faszinierend. Und wer mag es dem Göiggu oder der Göiggelin verargen, wenn er/sie ein Holdrio, ein Kafi Huerenaff oder en Wiisse mehr als üblich trinkt?

Die Musik

  • Basel: Liebe Basler, alles was recht ist. Aber wie Ihr mit Euren Guuggenmusigen umgeht, das geht auf keine Kuhhaut. Guugger-Verbot an der Tagwache!Der «Morgestraich»ist Euren Cliquen mit Trommlern und Piccolospielern vorbehalten. In der Tat, diese «Schyssdräggzyygli»mit Räbädäbäm und Pfeifermelodien haben etwas Spezielles, fast schon Poetisches. Ein tragender Sound in den Gassen der alten Stadt Basel. Aber letztlich reisst das keinen vom Hocker.
  • Luzern: Wir geben gerne zu: Die Guug­­genmusig-Idee haben wir damals in den 1940er-Jahren aus Basel importiert. Aber wir Luzerner haben das Guuggen und Schränzen zur Weltklasse kultiviert. Und dafür müssen wir auch keine offiziell vom Fasnachtskomitee terminierten Daten für Marschübungen ansetzen.

Die Masken

  • Basel: Prächtig sind sie, die Waggismit ihren riesigen Nasen und der Explosionsfigur. Nebst der Karikatur eines Elsässer Bauern sind diesweitere traditionelle Basler Fasnachtsfiguren: Alti Dante, Blätzlibajass Harlekin, Pierrot oder Ueli. «Larven» nennt Ihr Eure Masken, die grossmehrheitlich im gleichen Stil hergestellt werden.
  • Luzern: Auch Luzern kennt traditionelle Figuren: Bruder Fritschi, Königsböögg, Weyfrosch – oder dann die Krienser Holzmasken Wöschwyb, Bärnerwyb und Chrienser Deckel. Aber anders als in Basel gehört es bei uns zum guten Ton, Sujets nicht einfach zu variieren, sondern von Jahr zu Jahr einen neuen Grend zu basteln. Eine unglaubliche Vielfalt von einfachen bis hoch-aufwendigen Masken, insbesondere auch düstere, gespenstische Sujets, gibt es in Luzern zu bestaunen.

Die Umzüge

  • Basel: Cortège nennt man die grossen Umzüge vomMontag und Mittwoch. Speziell: Der Cortège führt nicht von A nach B, sondern entlang einer Rundstrecke – und beginnt überall gleichzeitig. Als Luzerner Zuschauer kommt man ins grosse Staunen: Das Mass an Interaktion zwischen Akteuren und Publikum ist rüüdig gross. Und was da alles in gewaltigen Mengen von den Wagen fliegt: nicht bloss tonnenweise Räppli (Konfetti) und Spreu, nein. Auch Süssigkeiten, Obst, Gemüse, Blumen und allerlei Klimbim wird verteilt, sodass es einem fast sturm wird.
  • Luzern:Beeindruckend, was in der Stadt jeweils am Schmutzigen Donnerstag und Güdismontag zwischen Hofkirche und Hirschmattstrasse unterwegs ist. Insbesondere die gewaltigenWagen. Bunt, laut, stimmungsvoll – aber manchmal auch etwas brav sind unsere Umzüge.

Das Publikum

  • Basel: Basel trennt scharf. Es gibt Fasnächtler, und es gibt Zuschauer. Das Comité formuliert es so: «Besucherinnen und Besucher können sich von der eigenartigen Mischung aus Lebens­freude und Melancholie, aus Totentanz und Mummenschanz anstecken und mitreissen lassen; aktiv an der Fasnacht mitzumachen, ist für Auswärtige allerdings nicht möglich.»
  • Luzern: Mitschunkeln, mittanzen, mitlachen, mitprosten. Hauptsache, dabei! Auch wenns nur mit einem bunten Hut oder einem Tupfer Schminke zum Ausdruck gebracht wird. Natürlich, mit Grend ists am «originalsten». Aber wir Luzerner nehmen alle. Auch Zürcher.

Die Schnitzelbänke

  • Basel: Das muss man neidlos anerkennen: In Sachen Wortfasnacht sind uns die Basler überlegen. Die bissig-scharfen Sprüche und Reime, mit und ohne Lokalkolorit, werden auf «Zeedel»in grosser Menge in der Stadt verteilt. Und an den Abenden herrscht natürlich Hochbetrieb in den Lokalen, wo die «Schnitzelbängg»auftreten. Ohne Reservierung ist in den einschlägigen Lokalen meist kein Zutritt.
  • Luzern: Im Vergleich zu den Basler Schnitzelbänklern sind wir Luzerner lauwarme Värslibrünzler. Immerhin, ein paar Talente gibts auch in blau-weissen Gefilden. Hier ein Müsterchen von alt Gnagi-Landschryber Urs Liechti:

«Das mues ech öich au no verzelle:
Z’Lozärn hani welle e Marroni-Schtand ufschtelle.
Aber leider esch die Idee komplett abgsoffe,
wöu im Stadthuus hed mech das huere Los ned troffe.»

Das Resultat: Basel - Luzern 2:5.

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