Der Verteidiger sieht den falschen Taxifahrer wegen sexueller Nötigung vor dem Luzerner Kriminalgericht

Entführung? Sexuelle Nötigung? Die Zeugin erkennt ihren Peiniger – der Beschuldigte streitet alles ab.

Sandra Monika Ziegler
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Der wegen Vergewaltigung verurteilte, pakistanische Taxifahrer und die Frau, die ihn als Peiniger erkannt hat, waren gestern vor dem Luzerner Kriminalgericht. Er als Beschuldigter, sie als Zeugin. Die heute 32-jährige Frau erzählt, was sich bei der Taxifahrt im Frühjahr 2014 ereignet hatte.

Mit Blick zum Beschuldigten ist sie sich zu 90 Prozent sicher, dass dieser Mann sie damals sexuell belästigt hat. Sie schildert die Übergriffe und ihre Angst, die sie damals hatte. Dass sie sich erst vier Jahre später gemeldet hat, begründet sie damit, dass ja nichts Gravierendes geschehen sei, sie hätte es verdrängt: «Als ich aber die Berichte las und sein Bild sah, merkte ich: Das ist auch meine Geschichte.»

Zeugin spricht von zweiter Taxifahrt

Sie erzählt auch von einer zweiten Taxifahrt. Dort sei sie aber mit einem jungen Mann eingestiegen. Als sie vom Rücksitz aus den Fahrer betrachtete, war sie sich sicher: Das ist der gleiche. Sie bat den Mitfahrer, mit ihr bis Sempach zu Fahren und dann erst weiter nach Hildisrieden. Sie habe den Fahrer auch beschimpft, er hätte jedoch nicht reagiert. «Es war eine schräge Situation.»

Für den Staatsanwalt ist der Mann im Gericht der Fahrer, der die Frau sexuell nötigte. Er sieht im von der Zeugin geschilderten Tatverlauf das gleiche Muster, das der Beschuldigte bereits in anderen Fällen angewendet hatte und für das er vom Kantonsgericht zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde. Er fordert wegen sexueller Nötigung und Entführung weitere 7 Moate Haft.

Taxifahrer streitet alles ab

Auf die Frage der Einzelrichterin, ob er die Zeugin schon mal gesehen hat, sagt er nein. «Ich habe die Frau noch nie gesehen, auch nicht als Taxifahrer.» Auch hätte er selten Fahrgäste vom Südpol gefahren und wenn er nach Sempach fuhr, dann seien mindestens drei bis vier Fahrgäste im Auto gewesen. Ob er auf den Parkplatz gefahren sei, wollte die Einzelrichterin wissen. «Nein, bis 2018 wusste ich nicht einmal, dass es dort einen Parkplatz hat.»

Haben Sie der Frau an die Brüste und Beine gefasst? «Nein, wie sollte ich? Ich kenne die Frau nicht», antwortet er. «Sehen Sie keine Ähnlichkeit zu den Straftaten, für die Sie verurteilt wurden?» «Was geschehen ist, ist geschen», antwortet er. «Warum sollte diese Frau sie belasten?», fragt die Richterin nach. «Ich weiss es nicht.» Der Angeklagte beteuert seine Unschuld, streitet alles ab.

Für den Verteidiger ist diese Verhandlung ein Déjà-vu. Wäre sein Mandant nicht vorbestraft, dann würde er nicht hier sitzen: «Er ist ein Bauernopfer.» Der Zeugin spricht er sein Beileid aus, doch sie belaste den Falschen, habe den Taxifahrer verwechselt. «Nur schon in der Stadt Luzern gibt es an die 30 indisch aussehende Taxifahrer, auf die das Profil passen würde», sagt der Verteidiger.

An die Staatsanwaltschaft adressiert er schwere Vorwürfe, unter anderem ungenügende Beweisermittlung. Der Verteidiger sagt:

«Wegen der Vorstrafen hatte sie ja ihren Täter, musste keinen suchen. Man will meinem Mandanten die Tat unterjubeln.»

Weder sei der Mitfahrer ausfindig gemacht, noch sei der Fahrtenschreiber ausgewertet worden. Alles, was entlaste, sei ausgelassen worden. So stimme weder die Beschreibung des Taxis noch die Farbe oder Grösse mit dem Taxi des Beschuldigten überein.

Und Fotos am tatrelevanten Zeitpunkt zeigten einen anderen Mann. «Mein Mandant ist nicht der Taxifahrer, den die Zeugin beschreibt. Er muss vollumfänglich freigesprochen werden.»