Der vorstädtische Charakter von Buttisholz fusst auf einem Dorfbrand

Die Dorfallee verpasst Buttisholz ein aussergewöhnliches Dorfbild und sucht weit herum ihresgleichen. Ein Augenschein vom Tag des Denkmals.

Hannes Bucher
Drucken
Teilen
Die Denkmalpfleger Mathias Steinmann und Helen Wyss vor dem Pfisterhaus in Buttisholz.

Die Denkmalpfleger Mathias Steinmann und Helen Wyss vor dem Pfisterhaus in Buttisholz.

Bilder: Boris Bürgisser
(13. September 2020)

Es war ein warmer Sommertag im Jahre 1861, als vom damaligen Pfisterhaus in Buttisholz Rauch aufstieg und das Haus in Kürze lichterloh brannte. Die Flammen griffen schnell auf die damaligen Stroh- und Schindeldächer der Nachbarhäuser über. Das ganze Dorf brannte schliesslich nieder, nur der Kirchenbereich blieb verschont.

«Ein Schicksal, wie es unzählige Städte und Dörfer einst erfuhren», sagt Mathias Steinmann, Leiter Bauinventar und Gebietsdenkmalpfleger der Luzerner Denkmalpflege den rund 20 Zuhörenden. Sie standen gestern Mittag unter der Buttisholzer Dorfallee, die mitten durchs Dorf führt, und nahmen an einer der Führungen teil, welche die Denkmalpflegen der Innerschweiz anlässlich der diesjährigen Europäischen Tage des Denkmals anboten. Diese standen ganz unter dem Zeichen des «Weiterbauens». An ausgewählten Beispielen wird aufgezeigt, wie mit dem baukulturellen Erbe verantwortungsbewusst umgegangen werden kann und wie aus dem historischen Bestand Bauten von hohem Wert entstehen können.

Die kantonale Denkmalpflege führte auch in Ruswil und Geiss ähnliche Anlässe durch. Auch diese stiessen auf grosses Interesse.

Einmalige und grosszügige Anlage

Zusammen mit Gebietsdenkmalpflegerin Helen Wyss zeigte Mathias Steinmann auf, wie das abgebrannte Dorf Buttisholz nach einem verbindlichen Bebauungsplan, den die Luzerner Behörden vorgaben, in rund zehn Jahren wieder aufgebaut wurde. Buttisholz sollte in Zukunft nicht mehr brennen und schön aussehen, dies das Ziel. Das Projekt: Der Dorfbach in der Mitte, mit einer Matte darum, rechts und links eine Baumreihe, dann die Strassen, schliesslich die eindrückliche Hauptachse aus einer Reihung von schlichten, aber qualitätsvollen spätklassizistischen Bauten.

Der Dorfbach mit der Allee, dahinter das Gasthaus Hirschen.

Der Dorfbach mit der Allee, dahinter das Gasthaus Hirschen.

Rückwärtig wurden diese stattlichen Häuser mit Anbauten versehen – die Wäscherei etwa, eine Remise oder ein Kleinviehstall waren darin untergebracht. Die eigentlichen Scheunen wurden, ebenfalls als Brandschutz, allesamt in eine eigene Reihe zurückversetzt. «Insgesamt war dies eine für die Region einmalige und grosszügige Anlage», so der Denkmalpfleger.

Die weitere Begehung zeigt: Viele Anbauten und Scheunen werden nicht mehr genutzt. «Das gibt Druck», sagt Mathias Steinmann. «Wie soll man damit umgehen? Anders nutzen, das kann eine Lösung sein. Der historische Abschluss soll beibehalten werden.» Es gibt gelungene Beispiele von Umnutzung und auch Neu- oder Erweiterungsbauten. «Die Massstablichkeit muss beibehalten werden, die Materialien müssen stimmen, der Umgebungsschutz muss miteinbezogen werden, das sind entscheidende Grundvoraussetzungen», erklären die Fachleute.

Auch die Umgebung wirkt

Buttisholz ist national wegen seiner Schlossanlage bekannt. Der spätgotische Bau wurde in barocker Manier erweitert und umgebaut. Heute ist er in die Zone A des ISOS (Inventar schützenswerter Ortsbilder der Schweiz) eingeteilt. Es stellt sich aber auch die Frage des «Umgebungsschutzes». Wie nahe an das Schloss darf gebaut werden? Wie viel erträgt es? Dies ist offensichtlich schwierig zu definieren. Darunter fällt selbst die Landschaft von der Nutzung her. «Es geht um die Wirkung als ganzes Ensemble», sagt Helen Wyss.

Das Schloss in Buttisholz.

Das Schloss in Buttisholz.

Teilnehmerin der Führung in Buttisholz ist Marianne Haas. Sie ist im heutigen Pfisterhaus aufgewachsen, im Vorgängerbau war das verhängnisvolle Feuer damals ausgebrochen. Sie lebt heute in Sempach und bedauert: «Es ist halt nicht mehr mein Buttisholz von damals. Da war fast in jedem Haus noch ein Laden untergebracht. Meine Grossmutter und später meine Tante haben bis 1978 vom Korsett bis zur Zitrone alles verkauft.»

Mehr zum Thema

Europäische Tage des Denkmals stossen auf grosses Interesse

Die 27. Europäischen Tage des Denkmals haben am Wochenende in der Schweiz in einer abgespeckten Version stattgefunden. Schweizweit fanden rund 250 Veranstaltungen zum Thema «Weiterbauen» statt. Von den rund 20'000 Besuchenden stammte fast die Hälfte aus der Romandie.