Der wilde Haufen und der Jazz

Die Napfruugger sind die älteste Guuggenmusig in der Luzerner Landschaft - und eine recht chaotische. Heute spielen sie mit einem weltbekannten Jazzmusiker.

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Die Napfrugger Willisau an der Städtlifasnacht Willisau. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Die Napfrugger Willisau an der Städtlifasnacht Willisau. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

An die Willisauer Fasnachtseröffnung 1961 erinnert sich Cäsar Menz bestens. «Da spielte eine fremde Guuggenmusig», sagt der heute 90-Jährige, damals Inhaber der Sattlerei Menz. Weil Willisau keine Guuggenmusig hatte, engagierte die Karnöffelzunft eine auswärtige.

Noch am selben Tag, beim Spanferkelessen, beschloss Menz, eine eigene Guuggenmusig zu gründen: «Das können wir Willisauer selber», habe er tags darauf im Restaurant Sternen gepredigt – und die Napfruugger gegründet.

«Ich bin der Boss»Viel Aufhebens wurde nicht betrieben. Die Instrumente und die Kostüme bezahlte jeder selber. Das ist bei den Napfruuggern bis heute so. «Fasnacht kostet Geld. Dafür soll jeder selber bezahlen», sagte Menz bei der Gründung. Und abschliessend stellte er noch klar: «Einen Vorstand brauchen wir nicht. Ich bin der Boss.»

 Grosse Freude bereitet dem Gründer der ältesten Guuggenmusig in der Luzerner Landschaft, dass heute noch alles so chaotisch ist, wie er sich das vorstellt. Die rund 30 Napfruugger sind immer noch mehr oder weniger führungslos. Es gibt zwar einen Kassier, ansonsten existieren aber weder Statuten noch ein Präsidium, und es werden auch keine Jahresbeiträge erhoben. Auch einheitliche Kostüme tragen sie nicht. Doch es gibt jeweils ein Motto. Gemäss diesem bastelt jeder sein individuelles Kostüm. Heuer ist das Thema, passend zum 50-Jahre-Jubiläum, «Gold».

Auch Napfruugger in RomoosDass in den Siebzigerjahren auch in Romoos Napfruugger gegründet wurden, stört die Willisauer nicht. «Das ist doch Wurst, wir haben kein Recht auf diesen Namen», sagt Menz.
Bei den Willisauer Napfruuggern kann mitmachen, wer will. «Wer ein Instrument hat und gerne Fasnacht macht, ist willkommen», sagt Hanni Troxler (47), die seit 1990 dabei ist und seit 1992 als Tambourmajor amtet. In 50 Jahren ist sie erst der dritte Tambourmajor beziehungsweise Tambourmajonnaise, wie sie sich gerne bezeichnet. Troxler, die Musiklehrerin ist und Trompete spielt, handhabt die musikalische Führung auf ihre eigene Weise: So verteilte sie eines Tages beim Proben Musiknoten, obwohl nur eine Handvoll Noten lesen konnte. «Die spielen deswegen nicht besser, höchstens gepflegter», sagt Troxler.

Konzert mit Ray Anderson«Den Napfruuggern ging es in erster Linie immer um die Fasnacht. Die Musik war zweitrangig», sagt Cäsar Menz. So war es völlig egal, dass der erste Tambourmajor total unmusikalisch war. «De Hecht Werner hett kei Ahnig gha vo Musig», bestätigt Hugo Tschopp (69), der diesem als Vorbläser zur Seite stand und dadurch faktisch der richtige Tambourmajor war. Dennoch haben sie sich für ihre Geburtstagsfeier von heute Samstag eine spezielle Aufgabe auferlegt: Sie treten mit dem wohl besten Jazz-Posaunisten der Gegenwart auf: Mit dem US-Amerikaner Ray Anderson wollen sie Kakofonie und Jazz zu einem «Kako-Jazz-Konzert» vereinen. «Die Napfruugger sind eine groovige Band mit Jazz-Elementen», sagt Niklaus Troxler, Gründer des Jazzfestivals Willisau und seit Jahren selber Napfruugger. «Wir haben Ray Musik von den Napfruuggern geschickt, er weiss also, worauf er sich einlässt.» Bereits vor fünf Jahren haben die Napfruugger ein Jazzkonzert gegeben. Damals mit dem italienischen Duo Gianluigi Trovesi und Gianni Coscia.
Die Napfruugger streben aber keineswegs Perfektion an. «Ganz sicher nicht», sagt Hanni Troxler. «Wir machen nie eine Probe vor dem Dezember und werden bis zur Fasnacht nicht mehr als fünfmal zusammen spielen.» Die Proben finden im Feuerwehrmagazin statt. Ein Vereinslokal haben die Napfruugger nicht, da sie ja kein Verein sind. «Wir sind gesellig und essen gerne. So berücksichtigen wir auch die Willisauer Beizen», sagt Hanni Troxler.

Roger Rüegger