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Der Zirkus – ein alter Zopf? Mitnichten, sagt der Direktor beim Aufbau in Sempach

Der Zirkus Stey gastiert auf der Luzerner Landschaft. Dieser hat immer noch seine Daseinsberechtigung, sagt Direktor Martin Stey – gerade im heutigen Zeitalter.
Manuel Burkhard
Aufbauarbeiten des Zirkus Stey bei der Seevogtey in Sempach. (Bild: Pius Amrein, 30. Juli 2018)

Aufbauarbeiten des Zirkus Stey bei der Seevogtey in Sempach. (Bild: Pius Amrein, 30. Juli 2018)

Drollige Clowns, anmutige Tiere und tollkühne Artisten: So präsentiert sich der Zirkus in der Manege. 40 Lastwagen, Traktoren und Anhänger auf einer Wiese am See: So präsentierte sich der Zirkus Stey an diesem heissen Montagvormittag in Sempach.

Am Vorabend waren sie noch in Schinznach AG aufgetreten. Dann hiess es anpacken. «Der Abbau dauert etwa zweieinhalb Stunden. Um 23.30 Uhr kamen die letzten Wagen hier an, seit 7 Uhr sind wir am Aufstellen», sagt Martin Stey. Seit acht Jahren steht der 41-Jährige dem Zirkus als Direktor vor. Als solcher ist er primär Chef eines KMU mit 30 Angestellten, der sich um Administration, Buchhaltung und Logistik kümmert – mit dem entscheidenden Unterschied, dass sich sein Arbeitsplatz zweimal wöchentlich verschiebt. Derzeit tourt der Zirkus durch die Luzerner Landschaft (siehe Hinweis). «In der Manege verbringe ich einen Zehntel meiner Arbeitszeit», so Stey.

Die Familie Stey entstammt einer jahrhundertealten Dynastie von Gauklern und Zirkusleuten. Eine Herkunft, auf die sie stolz sind und die sie auch als Verpflichtung sehen, den traditionellen Zirkus fortleben zu lassen; mit Clowns, Tieren, Artisten und einem Zirkusorchester.

Jedes Jahr komplett neues Programm

Doch auch ein so zeitloses Konzept muss sich den Herausforderungen der Gegenwart stellen. Brachte der Wanderzirkus früher noch die Unterhaltung zu den Leuten, muss er heute neben einem breiten Angebot von anderen Unterhaltungsformen bestehen. Doch Martin Stey ist überzeugt, dass der Zirkus seine Daseinsberechtigung nicht verloren hat. Anders als im Fernsehen ist nämlich alles, was in der Manege passiert, echt. Vater Rolf Stey (73), Zirkusdirektor im Ruhestand, hat Trends kommen und gehen sehen. Das Grundrezept mit Artisten und Tieren aber hat Bestand. Er bringt es auf den Punkt: «Den Zirkus kannst du nur im Zirkus sehen.»

Damit die Show weitergehen kann, muss sie sich ständig weiterentwickeln. Das Programm wird jährlich komplett erneuert, mit dem Ziel, dem Schweizer Publikum etwas zu zeigen, was es noch nie gesehen hat. Hier spielt der Zeitgeist Stey in die Hände: Es gibt zwar weniger Zirkusse, aber viele Artisten. Diese findet man über Künstleragenturen, an internationalen Zirkusfestivals und durch das persönliche Netzwerk. So wird der Zirkusdirektor dann auch zum HR-Manager. Nicht nur die Qualität einer Nummer entscheidet, ob man einen Künstler engagiert. Schliesslich reist man dann acht Monate lang gemeinsam durchs Land. «Es muss auch menschlich passen.»

Selbst Artisten packen beim Aufbau mit an

So ist der Zirkus eine bunte, internationale Truppe, die Künstler aus ganz Europa und teilweise darüber hinaus vereint. Entsprechend babylonisch mutete dann auch der Aufbau an. Der ist nämlich nicht bloss Sache der Techniker. Auf- und Abbau sind Teil des Artistenlebens. Zusammengehalten von mal mehr, mal weniger umfangreichen deutschen Versatzstücken wächst unter der brennenden Sonne langsam ein stattliches Zelt. Wohl dem, der den Kran bedienen darf. Das einzige an der Zirkuswelt, das hier glitzert, ist der Schweiss. Doch von der Hitze und verschiedenen Sprachen lässt sich die eingespielte Stey-Truppe nicht bremsen. Anders als der Turm zu Babel findet ihr Werk seine Vollendung.

Wie fantastisch erlebt man aber die Zirkuswelt noch, wenn man mittendrin ist, den grössten Teil seines Tages mit administrativen Aufgaben verbringt und alle zwei Tage den gleichen Ab- und Aufbau durchführt? Direktor Martin Stey lacht – fast so, als könnte er die Frage nicht nachvollziehen: «Der Zirkus hat noch genug Magie. Die ist nicht erschöpft.»

Veranstaltungen des Zirkus Stey im Kanton Luzern:
Sempach: Dienstag, 31. Juli (14 und 20 Uhr)
Triengen: Samstag, 4. August (14 und 20 Uhr) sowie Sonntag, 5. August (10.30 und 15 Uhr)
Reiden: Dienstag, 7. August (14 und 20 Uhr) sowie Mittwoch, 8. August (14 Uhr)
Hochdorf: Freitag, 24. August (14 und 19.30 Uhr), Samstag, 25. August (14 und 19.30 Uhr) sowie Sonntag, 26. August (10.30 und 15 Uhr)

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