DETAILHANDEL: Ladengasse Ebikon: Diese drei Frauen sind seit der Eröffnung 1978 dabei

Die Ladengasse wird vierzig – und drei Mitarbeiterinnen sind seit dem Anfang mit dabei. Sie erinnern sich an Zeiten, als die Läden über Mittag noch geschlossen waren und in der Bar schon um 7 Uhr Hochbetrieb herrschte.

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Monika Bachmann (v.l.), Romy Bucher und Brigitte Wyss sind seit der Eröffnung des Einkaufszentrums Ladengasse vor vierzig Jahren dort im Einsatz. (Bild: Boris Bürgisser/LZ (Ebikon, 13. März 2018))

Monika Bachmann (v.l.), Romy Bucher und Brigitte Wyss sind seit der Eröffnung des Einkaufszentrums Ladengasse vor vierzig Jahren dort im Einsatz. (Bild: Boris Bürgisser/LZ (Ebikon, 13. März 2018))

Roman Hodel

roman.hodel@luzernerzeitung.ch

«Rivers Of Babylon» von Boney M. hiess die meistverkaufte Single des Jahres, Argentinien holte im eigenen Land den Fussball-Weltmeistertitel – und in Ebikon begann ein neues Einkaufszeitalter. 40 Jahre ist das her. Rund 150 Frauen und Männer erhielten in der Ladengasse einen neuen Arbeitsplatz – darunter Romy Bucher (63), Monika Bachmann (59) und Brigitte Wyss (64). Sie sind die dienstältesten Angestellten in der Ladengasse und ihr bis heute treu geblieben – mit Unterbrüchen etwa wegen Mutterfreuden.

Das Gespräch mit den Dreien findet selbstverständlich in der Ladengasse statt, im gleichnamigen Restaurant. Auf dem Tisch stehen Kafi crème und Rivella, keine Cüpli. Denn die einen müssen nachher wieder an die Arbeit – und überhaupt ist es erst Nachmittag. «Früher war die Bar des Restaurants schon um 7 Uhr voll besetzt und die Männer hatten alle ein Grosses vor sich», blickt Romy Bucher, Verkäuferin in der Bäckerei Macchi, mit einem Schmunzeln zurück. «Anfangs wunderte ich mich, aber schnell war klar, dass es sich um Angestellte der Adligenswiler Druckerei handelt, die nach Schichtende ihr Feierabendbier genossen.»

Wilde Zeiten in der Ladengasse

Ein Apéro nach der Arbeit – den gönnten sich damals auch die drei Frauen ab und zu. «Man traf sich hier im Restaurant und an Silvester haben wir immer aufs neue Jahr angestossen», sagt Brigitte Wyss, Drogistin in der Dropa Drogerie. «Jesses, im Restaurant haben wir manche Chilbi erlebt – das ist leider vorbei», sagt Romy Bucher. Der Zusammenhalt sei nicht mehr so stark, findet auch Monika Bachmann, Verkäuferin in der Migros. «Eine Zeiterscheinung – heute schaut jeder für sich.»

An den ersten Ladengasse-Tag am 3. November 1978 erinnert sie sich noch gut: «Wir wurden regelrecht überrannt in der Migros.» Über 600000 Franken Umsatz allein beim Grossverteiler notierte die Lokalzeitung. Bachmann hatte zuvor in der alten Migros-Filiale neben der Ladengasse – dort wo Vögele Schuhe und der Coiffeur Kretz eingemietet sind – die Lehre absolviert. «Wir mussten den kleinen Laden manchmal schliessen, weil zu viele Kunden aufs Mal rein wollten», erzählt sie. «Entsprechend gross war die Freude der Kunden über den neuen, grossen Supermarkt.»

Damals gab es in der ganzen Region Luzern keine vergleichbare Migros und gerade mal zwei Einkaufszentren: Luzern-Schönbühl (1967 eröffnet) und Emmen (1975 eröffnet). Hinzu kam, dass im Rontal die Einkaufsmöglichkeiten beschränkt waren. Beispiel Buchrain: «Die hatten ja bloss ein kleines Lädali – kein Center wie heute», sagt Brigitte Wyss. «Deshalb kamen die Leute von überallher zu uns zum Einkaufen – das hier war DIE Ladengasse.» Der Name war sowieso Programm: Die von Läden gesäumte Passage im Erdgeschoss sollte an eine Gasse erinnern: Es gab einen Marktplatz und die Ladenfronten sahen teils wie Hausfassaden mit Schaufenstern aus. Davon ist nach mehreren Modernisierungen nicht mehr viel zu sehen. Verschwunden sind auch langjährige Fachgeschäfte: Einst konnte man das Fleisch bei Doswald kaufen, den Käse bei Amrein-Rogger, die Möbel bei Worny oder die Kleider bei Gerber. «Die guten Fachgeschäfte sind weniger geworden, aber das gilt auch für andere Einkaufszentren», sagt Wyss und gibt zu bedenken, dass die Einkaufsgewohnheiten ebenfalls anders geworden sind: «Damals wäre es niemandem in den Sinn gekommen, bei uns Parfüm auszuprobieren und es danach günstiger im Denner zu beziehen.»

Als der Detailhandel noch Siesta hielt

Der Wandel zeigt sich laut Romy Bucher auch im Sortiment «ihrer» Bäckerei: «Wir verkauften doch früher keine Salate oder Cappucinos – heute machen wir mit solchen Produkten viel Umsatz, ausgerechnet über Mittag.» Schmunzelnd fügt sie an: «Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen – früher war die ganze Ladengasse mit Ausnahme der Restaurants über Mittag geschlossen, ausser samstags.»

Geblieben sind die vielen Stammkunden, wie die drei Frauen betonen: «Oh ja, sogar wenn sie ins Altersheim umziehen, bleiben sie uns treu.» Oder, wenn ein neuer Konkurrent wie die Mall of Switzerland auftaucht. «Ach, die Mall, die ist mir sowieso viel zu gross», sagt Monika Bachmann. «Mir auch – und für ältere Leute hat es kaum Kleiderläden», doppelt Romy Bucher nach. Das kann Brigitte Wyss schlecht beurteilen, denn sie hat noch keinen Fuss ins Mega-Center am Rande von Ebikon gesetzt: «Ich bin bis jetzt noch gar nicht dazu gekommen».»