DETAILHANDEL: «Wir werden uns gegen die neue Konkurrenz behaupten können»

Das Einkaufsverhalten ist im Wandel. Im Emmen-Center passt man sich den neuen Bedürfnissen an, wie deren Direktor erläutert. Das Shoppingcenter setzt auf bekannte Marken und investiert Millionen, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern.

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Roland Jungo leitet seit fünf Jahren das Emmen-Center. Bild: Eveline Beerkircher (Emmen, 7. Dezember 2016)

Roland Jungo leitet seit fünf Jahren das Emmen-Center. Bild: Eveline Beerkircher (Emmen, 7. Dezember 2016)

Roland Jungo, Sie stehen mitten im Weihnachtsverkauf. Wie ist dieser angelaufen?

Anfang November sind wir sehr gut gestartet, hatten dann jedoch Mitte Monat wegen der warmen Temperaturen einen kleinen Einbruch. Mit dem Beginn der Adventszeit hat das Weihnachtsgeschäft wieder angezogen – einerseits dank der Fertigstellung unseres erneuerten Parkhauses, andererseits auch wegen der vielen kommerziellen Aktivitäten einiger unserer Geschäfte, so zum Beispiel mit der Aktion «Black Friday».

Der «Black Friday» ist heuer zu einem Ereignis in der Schweiz geworden. Der US-Brauch wurde von hiesigen Geschäften und Onlinehändlern gross angepriesen. Auch in den Medien war es ein Thema.

Der Zustrom am Freitag, 25. November, war in der Tat aussergewöhnlich. Bei uns hat Manor den «Black Friday» am prominentesten beworben. Mit Erfolg: Das Emmen-Center verzeichnete 30 Prozent mehr Besucherinnen und Besucher als in anderen Jahren. Der «Black Friday» ist definitiv in der Schweiz angekommen.

Online Einkaufen wird immer beliebter. Wie wirkt sich das auf das Weihnachtsgeschäft bei Ihnen aus?

Vom wachsenden Onlinehandel ist grundsätzlich der gesamte stationäre Handel betroffen. Onlineshopping darf aber nicht nur als Konkurrenz angesehen werden. Ich sehe es vielmehr als Ergänzung zum bestehenden Angebot. Fast alle Händler betreiben zusätzlich auch einen Onlineshop. Das Internet ist heutzutage die bevorzugte Informationsquelle für Kunden. Es ist wichtig, dass der stationäre Handel seine Stärken wie Beratung, Verfügbarkeit der Produkte, Ambiente und den persönlichen Kontakt ausspielt.

Was heisst das für Einkaufscenter?

Wir werden die Aufenthaltsqualität stark verbessern. Nächstes Jahr tätigen wir bedeutende Investitionen in diesem Bereich. Kundinnen und Kunden sollen sich im Emmen-Center noch wohler fühlen. Konkret heisst das: Wir entfernen unsere Sitzbänke und ersetzen sie durch Ledersofas. Die Zwischenzonen auf unseren drei Etagen werden so zur gemütlichen Lounge. Unsere Kunden können sich ausruhen, lesen. Sie haben gratis W-LAN-Empfang und können ihre Smartphones aufladen.

Sie haben in den letzten Monaten 50 Millionen in Erneuerungsarbeiten investiert. Was ist neu im Emmen-Center?

Wir haben vieles im Center erneuert und ausgebaut. Unser Parkhaus wurde umfassend modernisiert und mit neuster Technologie ausgestattet. Für mehr Sicherheit und Komfort sorgen die verbesserte Verkehrsführung mit Parkleitsystem und LED-Beleuchtung. Die aus den 70er-Jahren stammende Fassade wurde komplett saniert. Damit wurde das Erscheinungsbild des Emmen-Centers aufgewertet. Im Center nahmen wir Anpassungen in der Kommunikation vor. Die Kundeninformation ist neu in der Mall im ersten Obergeschoss, um so schneller und persönlicher mit unserer Kundschaft in den Kontakt treten zu können. Flatscreens informieren moderner und schneller als bisherige Plakate. Der wohl wichtigste Mehrwert ist jedoch der angepasste Mietermix.

Wie verändert sich der Geschäftemix in den Einkaufscentern?

Kundinnen und Kunden haben heute andere Ansprüche an ein Shoppingcenter als noch vor zehn Jahren. Sie reisen sehr viel, kennen und schätzen somit auch internationale Marken. Wir sind sehr froh, dass wir mit der Eröffnung von Zara und Snipes diesem Bedürfnis gerecht werden können. Im Frühling wird die Modemarke Pull & Baer ihre erste Filiale in der Deutschschweiz bei uns eröffnen. Gleichzeitig wird auch Walder Schuhe einziehen.

Das sind bekannte internationale Marken, die man in jeder grösseren Stadt findet. Globaler Einheitsbrei statt lokales Gewerbe?

Nein, uns ist es wichtig, dass neben den internationalen Brands – die zu einem erfolgreichen Center nun mal dazugehören – auch lokale Anbieter vertreten sind. Nach wie vor finden Sie bei uns Mode Kofler, Imgrüth Schuhe oder die Metzgerei Willimann und die Confiserie Bachmann.

Nächstes Jahr erhalten Sie mit der Mall of Switzerland in Ebikon neue Konkurrenz. Wie sehen Sie dem zusätzlichen Einkaufstempel in unmittelbarer Nähe entgegen?

Das Emmen-Center besteht seit über 40 Jahren. In dieser Zeit hat sich die Verkaufsfläche im Einzugsgebiet stark vergrössert. Die Mall of Switzerland ist sicherlich ein grosses Vorhaben, das zudem mehr oder weniger das gleiche Einzugsgebiet abdecken wird. Es wird zu Verschiebungen der Marktanteile kommen. Wer, wo, wie viel verlieren wird, ist heute schwer vorauszusagen, weil das Angebot der Mall of Switzerland noch zu wenig bekannt ist. Generell ist für neue Anbieter der Markteintritt schwierig. Das haben Eröffnungen grosser Shoppingcenter der letzten Jahre in anderen Städten gezeigt. Das Emmen-Center wird sich mit seinem Angebot und seiner treuen Kundschaft, die kontinuierlich gewachsen ist, behaupten können.

Die Mall of Switzerland setzt neben Shopping auf Freizeit und Unterhaltung: Es gibt Kinosäle, ein Fitnesscenter etc. Sind solche Angebote für das Emmen-Center auch ein Thema?

In der Schweiz gibt es für solche sogenannten «Urban Entertainment Center (UEC)» nicht unbeschränkt Platz. Auch befruchtet dieses Angebot das Shopping nur bedingt. Das sehen wir im Shoppingcenter im Basler St. Jakob-Park. Die Umsätze brechen rund zwei Stunden vor Spielbeginn zusammen – und dies trotz rund 30000 Stadionbesuchern. Nur das Gastroangebot profitiert. Beim Emmen-Center machen Angebote, wie sie in Ebikon geplant sind wenig Sinn, da sie in unmittelbarer Nähe bereits grosszügig existieren. Wir werden aber weiterhin mit temporären Ausstellungen und Aktivitäten den Kundinnen und Kunden ein attraktives Zusatzangebot bieten.

Mehr Shoppingcenter-Flächen bei gleichzeitiger Zunahme des Onlinehandels und dem Auslandshopping.Experten warnen vor einem Überangebot an Einkaufsflächen. Wie sehen Sie den drohenden Konflikt?

Die Gefahr, dass wir in der Schweiz zu viele Verkaufsflächen haben werden, besteht. Die guten Lagen werden aber auch in Zukunft bestehen – sofern Leistung und Qualität der Anbieter gut sind.

Immer wichtiger wird auch das Gastronomieangebot. Was unternehmen Sie in dieser Hinsicht?

Gastronomie ist wichtig für das Wohlbefinden und erhöht die Aufenthaltsdauer. Im Frühling stehen hier zahlreiche Neuerungen an. Unter anderem baut die Confiserie Bachmann ihre Filiale um. Neben Café und Take-away wird es auch eine umfangreiche Schokoladenabteilung geben. Neu ziehen im nächsten Jahr die Gastrokonzepte llaollao (Frozen Jogurt) und American Bakery ein.

Wie stark profitieren Sie von den internationalen Touristen, die Luzern besuchen?

Grundsätzlich profitieren wir von den internationalen Touristen nur wenig. Die Gäste aus Asien oder den USA kommen wegen Pilatus, Titlis oder Vierwaldstättersee hierhin. Viele bleiben häufig nur ein, zwei Tage, geshoppt wird dann in London oder Paris. Überraschend hatten wir heuer viele arabische Touristen. Ich denke, das hat damit zu tun, dass allgemein mehr Araber Luzern besuchten.

Hinweis

Das Emmen-Center wurde 1975 eröffnet und ist mit einem Umsatz von 225 Millionen Franken das grösste Einkaufscenter in der Zentralschweiz. Roland Jungo (50) ist seit 2012 Direktor des Emmen-Centers.

Interview: Ernst Meier
ernst.meier@luzernerzeitung.ch