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Deutsch ab drei Jahren: Luzerner Stadtrat will Sprache schon vor Schuleintritt fördern

Für 1,86 Millionen Franken will der Stadtrat die Sprachförderung für Kleinkinder ausbauen. Um den Bedarf frühzeitig zu erkennen, verlangt er, dass deren Eltern einen Fragebogen ausfüllen. Das gilt auch für Deutschsprachige.
Simon Mathis
Der Stadtrat vermutet, dass rund 250 Kleinkinder in der Stadt Luzern eine Sprachförderung nötig haben. (Symbolbild: Getty)

Der Stadtrat vermutet, dass rund 250 Kleinkinder in der Stadt Luzern eine Sprachförderung nötig haben. (Symbolbild: Getty)

Der Luzerner Stadtrat will die Sprachförderung der Kinder im Vorschulalter ausbauen. Dafür beantragt er beim Parlament einen Sonderkredit von 1,86 Millionen Franken. Hauptziel ist es, die Deutschkenntnisse von Kleinkindern einzuordnen und – falls nötig – zu fördern.

Im Januar nächsten Jahres will die Stadt allen Eltern von 3-jährigen Zöglingen einen Brief schicken. Mit einem Fragebogen will sie die Deutschkenntnisse des Kindes in Erfahrung bringen. Der Fragebogen basiert auf einer Vorlage des Kantons, den die Universität Basel ausgearbeitet hat. Es gibt ihn in zwölf Sprachen, 670 Eltern in der Stadt Luzern sollen ihn erhalten.

Spielen und Singen, nicht Büffeln

Der Fragebogen wird vom Kanton empfohlen. Er findet bereits in anderen Gemeinden Verwendung. Der Stadtrat geht davon aus, dass in Luzern rund 250 Kinder Bedarf an früher Sprachförderung aufweisen werden. Die Stadt wird den betroffenen Eltern nahe legen, ihr Kind im Folgejahr in eine Spielgruppe oder eine Kita zu schicken. Dort soll spielerisch die Sprachfreude des Kindes geweckt werden, was bei der Integration und bei der Ausbildung helfe. Wenn die Eltern sich zu Fördermassnahmen bereit erklären, greift die Stadt ihnen finanziell unter die Arme. Wenn nicht, fragen die Behörden noch einmal nach. Die Teilnahme an der Frühförderung ist allerdings freiwillig.

Trotzdem sei man sich bewusst, dass der Fragebogen eine einschneidende Massnahme sei, sagt Monika Hürlimann, Bereichsleiterin Frühkindliche Bildung:

«Es geht uns nicht darum, das Familienleben zu kontrollieren oder die Eltern zu bevormunden. Auch wollen wir den Eltern kein schlechtes Gewissen einimpfen.»

Diesen Eindruck zu vermeiden, werde eine Herausforderung sein – vor allem im ersten Jahr, wenn der Fragebogen neu sei.

Die frühe Sprachförderung ist für Familien mit einer oder mehreren Familiensprachen gedacht, aber nicht nur. Auch Kinder mit deutscher Erstsprache können von einem Sprachdefizit betroffen sein, erläutert Hürlimann. Es gebe immer wieder Fälle, in denen die Eltern kaum mit ihren Kindern sprächen. Auch das wolle man früh erkennen. Mit dem klassischen Deutschunterricht habe die Förderung nichts am Hut. Rollenspiele, Gesang oder Gedichte sollen bei den Kindern die Freude am Deutsch wecken.

Stadt macht mehr, als der Kanton verlangt

Der Stadtrat geht in einigen Punkten über das hinaus, was der Kanton vorschlägt. So hat er sich zum Ziel gesetzt, 95 Prozent der förderbedürftigen Kinder auch zu fördern. Die Vorgabe des Kantons liegt bei 50 Prozent. Auch die Elternbeiträge liegen höher als verlangt.

Mit ihrem Vorgehen steht die Stadt nicht alleine da: Bisher verfahren elf Luzerner Gemeinden nach dem Modell der Frühförderung, das bereits bei den Drei- bis Vierjährigen ansetzt. Die meisten dieser Gemeinden schreiben die Eltern grossflächig an. Der Kanton verlangt dies nicht, jedoch ist der Versand von Fragebögen für alle Gemeinden Pflicht, die Kantonsbeiträge beziehen wollen. «Die Umsetzung der frühen Sprachförderung ist für die Gemeinden freiwillig», sagt Charles Vincent, Leiter der kantonalen Dienststelle Volksschulbildung.

Entlastung für Sozialhilfe erhofft

Der Stadtluzerner Sozial- und Sicherheitsdirektor Martin Merki (FDP) nennt für die frühe Förderung auch ein finanzielles Argument:

«Frühe Sprachförderung ist eine volkswirtschaftliche Investition, die sich lohnt. Was wir in die frühe Förderung stecken, kommt später mehrfach zurück.»

Längerfristig gehe es darum, das Bildungsniveau der Kinder zu heben, was weniger potenzielle Sozialhilfefälle zur Folge habe. Mittelfristige Einsparungen sieht Merki beim Programm «Deutsch als Zweitsprache» (DaZ), das Volksschülern zusätzlichen Deutschunterricht anbietet. «Wir rechnen damit, dass die DaZ-Teilnehmerzahl zurückgehen wird.»

Dass ein Fragebogen nicht alle Probleme zu lösen vermag, zeigt ein Blick nach Emmen. Laut Gemeinderat Thomas Lehmann (FDP) verbessern Kita und Spielgruppe die Sprachkenntnisse zwar deutlich. Aber lediglich 64 Prozent der Eltern reagierten dieses Jahr auf den Brief der Gemeinde. Das liege nicht zuletzt an den ungenügenden Deutschkenntnissen der Eltern, so Lehmann: «Die Erweiterung der Sprachkenntnisse der Eltern ist von zentraler Bedeutung.»

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