Dialekt sei Dank: Darum ist die Stadt Luzern unter Schweizern so beliebt

Die Schweizer haben die Stadt Luzern laut einer Studie besonders gern. Deren Leiter sagt, das liegt am Dialekt – aber nicht nur.

Simon Mathis
Hören
Drucken
Teilen
Ein Anblick, den die ganze Schweiz schätzt: Die Seepromenade der Stadt Luzern.

Ein Anblick, den die ganze Schweiz schätzt: Die Seepromenade der Stadt Luzern.

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 9. September 2019)

Im Herzen wissen es alle Luzernerinnen und Luzerner: «Ihre» Stadt ist die schönste der Schweiz. Eine neue Studie der Universität St. Gallen und der Kommunikationsagentur Jung von Matt/Limmat bestätigt diese Selbstwahrnehmung. Dort landet Luzern als beliebteste Stadt der Schweizer auf dem ersten Platz. Gastronomie, Einkaufs- und Kulturangebot werde von den restlichen Schweizern einhellig als sehr attraktiv bewertet, heisst es in der Medienmitteilung, die die Studie vorstellt. «Die Luzerner gelten als sympathisch, offen und freundlich.»

Das Ergebnis der Studie lese sich geradezu wie eine Aneinanderreihung von Lobgesängen auf die Stadt Luzern, heisst es weiter. Besonders gute Noten erhielten Ausflugsziele in unmittelbarer Nähe, die Gebäude und das Stadtbild. Abstriche gibt es bei den Kauf- und Mietpreisen, der privaten Mobilität, der Steuerbelastung und der universitären Ausbildung; sie belegen nur mittlere Ränge.

Wen man nicht versteht, hat man lieber

Hinter Luzern auf dem Siegertreppchen reihen sich Bern und Basel ein, die letzten drei Plätze belegen Schaffhausen, Genf und zuletzt Aarau. «Luzern ist ein Ort, den alle irgendwie mögen», sagt Andreas Herrmann, der dem Institut für Customer Insight der Universität St. Gallen vorsteht und die Studie leitete. Egal, ob in der Ost- oder Westschweiz: Luzern stehe immer hoch im Kurs. Ein Grund dafür könne sein, dass die Stadt niemanden verärgere oder provoziere. «Dazu kommt natürlich auch die Schönheit der Lage», so Herrmann. Zudem empfänden Schweizer den Luzerner Dialekt als attraktiv und angenehm. Beim Spiel der Sympathien spiele der Dialekt ohnehin eine wichtige Rolle. Herrmann:

«In der deutschsprachigen Schweiz kann man über die Sprache Unterschiede und Barrieren aufbauen.»

Deshalb sei etwa Zürich im Welschland deutlich beliebter als in der Deutschschweiz. «Wer die Zürcher versteht, mag sie weniger», heisst es in der Medienmitteilung. Dann komme nämlich die unbeliebte «Zürischnurre» ins Spiel. Das erkläre auch, weshalb Luzerner die Städte Lausanne, Neuenburg und Lugano lieber haben als Zürich. «Französisch ist für Luzerner einfach Französisch», hält Andreas Herrmann fest. Im Gegensatz zum Zürichdeutsch stehe man hier dem Französischen und Italienischen eher gleichgültig gegenüber.

Je näher die Städte, desto grösser die Konkurrenz

Nicht nur zu Zürich gehen Luzerner auf emotionale Distanz, sondern auch zu Schwyz. Hieran zeige sich ein zweiter Sympathiefaktor, wie Andreas Herrmann erläutert. Wenn sich nämlich zwei Städte geografisch näher seien, nähmen sie sich eher als Konkurrenten wahr. Das könne man auch bei den Zürchern beobachten, die sich zu Schaffhausen und Winterthur eher reserviert verhalten. Die beliebtesten Stadtbewohner der Luzerner sind die Berner. Das beruht auf Gegenseitigkeit; auch die Berner mögen Luzern. «Die beiden Städte sind weit genug voneinander weg, damit man sich gerne haben kann», meint Andreas Herrmann.

Das Institut für Customer Insight befragte 3750 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einer repräsentativen Online-Umfrage. «Der Datensatz umfasst die subjektive Wahrnehmung der Schweizer Bevölkerung, persönliche Meinungen, und natürlich auch Vorurteile und Klischees», sagt Herrmann. Da die Studie eher Wahrnehmung als Realität abbilde, bleibe abschliessend nur zu sagen: «Die Geschmäcker sind verschieden.»

Mehr zum Thema

Luzern: Die liebste Stadt der Schweizer

In einer neuen Studie wurde untersucht, wie die Städte von der Bevölkerung wahrgenommen werden. Luzern landet auf Rang 1. Mit Schwyz landet auch ein anderer Zentralschweizer Ort in den Top Ten.