Dicke Luft bei den Luzerner Landwirten wegen des Gülle-Projekts

Bereits ab dem nächsten Jahr gelten für Bauern neue Phosphor-Richtlinien. Mitgeteilt wurden die Massnahmen aber erst jetzt.

Niels Jost
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Ein Bauer bringt Jauche aus.

Ein Bauer bringt Jauche aus.

(Archivbild: Pius Amrein)

Die Luzerner Mittellandseen weisen eine zu hohe Konzentration von Phosphor auf. Noch immer. Trotz jahrelanger Bemühungen in und rund um die Landwirtschaft und erster Erfolge konnten der Baldegger-, Hallwiler- und Sempachersee noch nicht vollständig gesunden. Hauptgrund sind die Altlasten aus der Industrie und der Landwirtschaft.

Diese Altlasten müssen in den kommenden Jahren oder Jahrzehnten abgebaut werden. Das bedeutet, dass mit der aktuellen Bewirtschaftung der Phosphorgehalt in den mehrheitlich mit dem Stickstoff überversorgten Böden nicht noch mehr zunimmt, sondern abnimmt.

Kritik an «zu kurzfristiger Kommunikation»

Ein Teil der Lösung ist das Phosphorprojekt des Bundes und die dazu gehörende Verordnung des Kantons Luzern. Was 1999 als Pilotprojekt startete, kommt nun bereits in die dritte Phase. Die damit verbundenen Massnahmen für die Landwirte gelten ab 2020, also in knapp einer Woche  – öffentlich mitgeteilt wurden sie vom Kanton allerdings erst jetzt, an Informationsveranstaltungen des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands (LBV) von Ende November und Anfang Dezember.

Das beinhaltet das Phosphorprojekt III

Die dritte Phase des Phosphorprojekts und die dazu gehörende kantonale Verordnung treten per 1. Januar 2020 in Kraft. Sie betreffen die Landwirte im Einzugsgebiet der drei Luzerner Mittellandseen. Das sind die wichtigsten Eckpunkte:
- Höfe beim Baldeggersee dürfen künftig maximal noch 80 Prozent ihres Phosphorbedarfs decken, der Rest des Hofdüngers muss weggeführt werden (beim Zuströmbereich des Sempacher- und Hallwilersees sind 90 Prozent erlaubt).
- Das Ausbringen von mineralischem Phosphor wird untersagt.
- Einschränkung der Aufstockung von Tierbeständen.

«Die Art und Weise, wie das kommuniziert wurde, ist nicht akzeptabel und zu kurzfristig», schreibt Markus Odermatt in einem Brief an unsere Zeitung. Der CVP-Kantonsrat und Landwirt aus Ballwil ist selber zwar nicht betroffen von den Massnahmen, war aber an der Infoveranstaltung und habe «den Unmut bei den Bauern gespürt», wie er auf Anfrage sagt. Markus Odermatt erklärt diesen Unmut so:

«Man redet schon ein ganzes Jahr über das Projekt, aber erst jetzt, kurz vor Neujahr, lässt man die Katze aus dem Sack. Wir sind Produzenten, planen schon sehr früh das kommende Jahr mit Nährstoffplanbilanzen und Hofdüngerabnahmeverträgen. Diese Planung ist nun gefährdet.»

Ins gleiche Horn stösst LBV-Geschäftsführer Stefan Heller. Er sagt: «Beim Bund und Kanton fehlt oftmals das Verständnis, einen landwirtschaftlichen Betrieb ganzheitlich zu betrachten und sowohl die wirtschaftlichen als auch sozialen Aspekte zu berücksichtigen.»

Bund hat Projekt erst im November bewilligt

Der Grund, wieso die konkreten Inhalte des Phosphorprojekts III nicht schon früher kommuniziert wurden, liegt darin, dass das neue Projekt vom Bund noch nicht abgesegnet gewesen war. «Wir haben Anfang November eine mündliche Zusicherung vom Bundesamt für Landwirtschaft erhalten, dass das Projekt genehmigt wird. Die unterzeichnete Vereinbarung wurde uns dann Anfang Dezember zugestellt», erklärt Franz Stadelmann auf Anfrage. Der Fachbereichsleiter Natürliche Ressourcen bei der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald fügt an: «Dass für die Sanierung der Mittellandseen in der Landwirtschaft Massnahmen ergriffen werden müssen, welche einzelbetrieblich zu Einschränkungen führen, wurde schon früher kommuniziert.»

Tatsächlich wurden auf Grundlage eines Forschungsprojekts bereits im vergangenen Frühjahr mögliche Massnahmen mitgeteilt. Der weitere Fahrplan sei aber durchaus «sehr eng» gewesen, sagt Franz Stadelmann. Denn unter Einbezug des LBV und auch betroffener Landwirte konnte das konkrete Projektgesuch erst Ende Juli beim Bund eingereicht werden.

Lückenlose Weiterführung wird angestrebt

Dass das Phosphorprojekt III überhaupt 2020 in Kraft treten muss, liegt am Vorgängerprojekt. Dieses läuft nun Ende Jahr ab. Eine lückenlose Weiterführung wird angestrebt. Dafür hat LBV-Geschäftsführer Stefan Heller Verständnis. Er sagt aber auch: «Eine bessere und langfristigere Planung wäre wünschenswert.» Schliesslich würden die Landwirte Hand bieten für das Phosphorprojekt – trotz teils einschneidender Massnahmen. «Die Gesundung der Seen ist im Interesse aller», hält Stefan Heller fest.

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