Die Angst ist immer da – und die Hoffnung auch

Zwei Herzinfarkte bedeuten einen tiefen Einschnitt im Leben von Markus S. und seiner Familie. Zur grossen Sorge um seine Gesundheit kamen letztes Jahr finanzielle Engpässe. Die LZ-Weihnachtsaktion half mit einem Überbrückungsbeitrag – und sorgte so für einen Lichtblick.

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Markus und Edith S. beim Spielen mit ihren Kindern -  trotz schwieriger Zeiten bleibt die Familie optimistisch. (Bild: Corinne Glanzmann/Neue LZ)

Markus und Edith S. beim Spielen mit ihren Kindern - trotz schwieriger Zeiten bleibt die Familie optimistisch. (Bild: Corinne Glanzmann/Neue LZ)

«Dreissig Jahre habe ich auf dem Bau gearbeitet, war morgens immer der Erste in der Bude, hab alles parat gemacht. Meine Arbeit als Baumaschinenführer hat mir sehr viel bedeutet», erzählt Markus S., der mit seiner Familie in einer Luzerner Landgemeinde wohnt. «Ich war immer gesund, nie krank. Dann, von einem Tag auf den anderen, war plötzlich Schluss.»

Im Februar 2011 habe er einen Druck auf der Brust gespürt und gedacht, das komme von seiner Erkältung her. Edith S. erzählt weiter: «Eines Morgens um 5 Uhr hatte Markus starke Schmerzen, es ging ihm gar nicht gut. Unser Hausarzt hat ihn sofort ins Spital eingewiesen.» Diagnose: Herzinfarkt. Sofort wurden die nötigen medizinischen Massnahmen eingeleitet. Nach sechs Tagen konnte Markus S. nach Hause. Die Ärzte sagten damals, er könne bald wieder arbeiten wie früher.

Nie mehr in Bagger steigen

Doch wie früher war und ist nichts mehr. Es folgten weitere Spitalaufenthalte – und dieses Jahr im September unvermittelt ein zweiter Herzinfarkt. «Wir sind brutal erschrocken, als die Ärzte uns danach sagten, wie sehr das Herz meines Mannes geschwächt ist», sagt Edith S. Ihr Mann, der nach dem ersten Infarkt versucht hatte, wieder zu arbeiten, musste sich mit der Tatsache vertraut machen, dass er seinen Beruf nie mehr würde ausüben können. Auch nicht stundenweise für Reparaturarbeiten in der Werkstatt, wie er es sich vorgestellt hatte. «Eines Tages wollte ich einfach wieder einmal in einen Bagger steigen», erzählt der 47-Jährige sichtlich bewegt. «Aber es ging nicht mehr, ich spürte sofort einen Druck auf der Brust.»

Die schwere Krankheit von Markus S. hat den Alltag und das Familienleben stark verändert. Markus S. ist sehr müde und muss, auch tagsüber, viel schlafen. Die vier Kinder Melanie (12), Fabian (9), Michael (5) und Raffael (3) nehmen Rücksicht auf das Ruhebedürfnis ihres Vaters, verschwinden nach dem Fototermin für diesen Artikel in ein anderes Zimmer und spielen dort fast unhörbar.

Offen darüber reden

Jedes von ihnen gehe mit der Sorge um die Gesundheit des Vaters unterschiedlich um, sagt ihre Mutter (41). Die einen könnten in der Schule und mit den Gspänli gut darüber reden. Einer der Söhne sei still in sich gekehrt und habe grosse Ängste, und einer habe plötzlich dies und jenes angestellt und seine Mutter dadurch stark gefordert. «Wir reden mit ihnen offen über die Krankheit und erklären zum Beispiel, warum ihr Papa keine langen Spaziergänge machen kann», so Edith S.

Teure Medikamente

Zu den gesundheitlichen Sorgen kamen bei Familie S. auch finanzielle Engpässe. «Durch die Spitalaufenthalte und die Fahrten nach Luzern ins Spital gab es unvorhergesehene Ausgaben», sagt Edith S. Die Selbstbehalte der Krankheitskosten sind nach wie vor hoch, denn Markus S. muss zahlreiche, zum Teil sehr teure Medikamente einnehmen. Edith S. hat eine Zeit lang versucht, mit Putzarbeiten das ohnehin bescheidene Einkommen aufzubessern, «aber es war einfach zu viel, auch mein Hausarzt sagte, das gehe nicht». Die Familie habe jedoch in der schwierigen Zeit sehr viel spontane und verlässliche Hilfe von Nachbarn, Freunden und aus den eigenen Familien erhalten. «Ich konnte jederzeit alle vier Kinder unterbringen, wenn ich ins Spital fahren wollte oder sonst wie Termine hatte», erzählt Edith S. Diese Hilfsbereitschaft und Solidarität, die heute noch anhalte, schätze die ganze Familie sehr.

Den Spendern sehr dankbar

Im Advent 2011 kam spezielle Hilfe von unerwarteter Seite dazu: Die Sozialvorsteherin der Gemeinde reichte bei der LZ-Weihnachtsaktion ein Gesuch für Familie S. ein mit dem Ziel, die angespannte Finanzlage etwas zu entlasten. «Wir waren überrascht, erleichtert und vor allem sehr, sehr dankbar, dass die Zeitungleserinnen und Zeitungleser so grossherzig spendeten und wir einen Überbrückungsbeitrag erhalten haben», sagen Markus und Edith S.

Dieser Beitrag habe ihnen viel geholfen; sie hätten einige offene Rechnungen bezahlen und für die Kinder ein paar notwendige Anschaffungen machen können – und der Zustupf habe auch Mut gemacht, nach vorne zu schauen.

Wie blickt die Familie in die Zukunft? Edith S. sagt: «Die Angst und die Sorge um meinen Mann kann uns niemand nehmen. Das, was wir von den Ärzten gerne hören möchten, nämlich, dass alles gut kommt, das können sie uns leider nicht sagen.» Ihr grösster Wunsch und ihre Hoffnung sei, dass der Gesundheitszustand von Markus S. stabil bleibe.

Ihr Mann fügt bei: «Ich hoffe ganz fest, dass Edith und die Kinder gesund bleiben.» Was gibt ihm Zuversicht? «Ich habe keine Angst», sagt Markus S. Auf der Fahrt mit der Ambulanz ins Spital habe er neben sich deutlich den Engel Raphael gespürt, der ihn beruhigt habe und der sicher auch dafür gesorgt habe, «dass es trotz allem glimpflich abgelaufen ist».

Erste Familienferien

Am Schluss des Gesprächs geht ein Leuchten über sein blasses Gesicht. Er verrät seine Vorfreude: «Stellen Sie sich vor, nächstes Jahr kann unsere Familie zum allerersten Mal eine ganze Woche in die Ferien verreisen. Wir dürfen für ganz wenig Geld eine Ferienwoche im Reka-Feriendorf Lenk im Berner Oberland verbringen.» Seine Frau Edith legt ihre Hand auf die seine und sagt: «Ja, unsere ersten Familienferien. Das ist doch wunderbar.»

Ruth Schneider

 

Erste Spendenmillion – herzlichen Dank!

1 077 074 Franken stehen heute auf dem Spendenbarometer der LZ-Weihnachtsaktion. Wunderbar: Die erste Million ist erreicht, ein Meilenstein. Selbstverständlich sammeln wir weiter und danken für jede Spende herzlich. Spenden können Sie auf Postkonto 60-33377-5 oder online: .

Erfreulich und berührend

Stiftungsratspräsident Erwin Bachmann sagt: «Es ist erfreulich und berührend zugleich, festzustellen, dass die Solidarität in unserer Region ungebrochen scheint.» Jahr für Jahr gelinge es der LZ-Weihnachtsaktion, Herzen und Portemonnaies vieler Spender zu öffnen und dadurch – vielfach mit kleinen Beiträgen – Menschen in Not etwas Licht in einen oft schwierigen Alltag zu bringen. Bachmann: «Unsere Spender ermöglichen uns, schnell und unbürokratisch dort zu helfen, wo die Not am grössten ist.»

Über 1350 Gesuche

Hilfe ist tatsächlich nötig: Bis gestern sind bereits über 1350 Gesuche bei der Geschäftsstelle der LZ-Weihnachtsaktion eingetroffen. Darunter sind mehrere Gesuche für Familien, die wegen Krankheit oder Unfall des Vaters oder der Mutter oder eines Kindes in einer finanziellen Notlage sind. Das bedeutet, dass neben der Sorge um die Gesundheit des kranken Familienmitgliedes immer auch noch viel Energie aufgewendet werden muss, um finanziell über die Runden zu kommen. Eine sehr schwierige Situation. Unsere grossherzigen Spenderinnen und Spender helfen mit, in solchen Fällen Überbrückungsbeiträge zu leisten, die bei den Empfängern grosse Erleichterung bewirken und neue Hoffnung geben.

Planen Sie eine private Spendenaktion oder haben Sie Fragen, nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf: Telefon 041 429 54 04. Mail: