Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Kolumne

Die App zu Babel

Einblicke - Unsere Kolumnistin Anemi Wick über die Tücken moderner Technologien und was die Agenten aus «Men In Black» schon darüber wussten.
Anemi Wick, Journalistin, Hanoi
Anemie Wick

Anemie Wick

«Ich gehe nicht für Tänze», hat mir der Taxifahrer geschrieben. Damit ist er einer der harmloseren Fälle. Zu den häufigeren Mitteilungen der Fahrer gehören beispielsweise «ich liebe dich», oder auch «ich bin verrückt». Und es ist mindestens ein Fall überliefert, in dem sich offenbar Ausserirdische in der Taxi-Chatfunktion eingehackt haben, und Signale in Form einer «ak ak ak»-Nachricht sendeten.

Waren Übersetzungsmaschinen erst gestern noch lediglich überstrapazierte Kunstgriffe in Science-Fiction-Klassikern («Mars Attacks!», «Doctor Who», «Raumschiff Enterprise»), sind solche babelfischigen Technologien längst im Alltag angekommen. Auch in Hanoi lässt man sich mit dem Smartphone per Taxi-App durch die Grossstadt-Galaxis chauffieren, nur leidet deren Übersetzungsfunktion immer noch an einer Art digitalem Tourette-Syndrom.

Das erfrischend zukunftsoptimistische Vertrauen in Google Translate ist in Südostasien dennoch ungebrochen. An allen möglichen Orten wird einem als Ausländer ein Smartphone mit geöffnetem Spracheingabe-Übersetzer ins Gesicht gestreckt.

In Hanoier Apotheken zum Beispiel. Man bellt und knurrt, dann wiederholt seine ganzen gruusigen, gschlüddrigen Symptome in das Gerät, in der Hoffnung, es möge nicht ausgerechnet in dem Moment die Arbeitgeberin, der Ex oder der geschwätzige Nachbar die Apotheke betreten. Meist bekommt man dann irgendein kryptisches Generikum ausgehändigt. Im besten Falle passt das Mittel dann am Ende zum Leiden.

Ich hatte einmal etwas wohl derart abstossend Zweideutiges, dass es das Smartphone der Apothekerin partout nicht richtig verdauen wollte und auf meinen Sprach-Input immer nur «Honda, Honda» von sich gab. Ich bin froh, dass mittels Übersetzungstechnologie noch keine Flugzeuge geflogen oder Gipfeltreffen mit Nordkorea abgehalten werden.

Schon in dem 90er-Jahre-Film «Men in Black» sagte Agent K vorausschauend über die Übersetzungsmaschine, dass wir sie eigentlich nicht haben sollten, da menschliches Denken so primitiv sei, dass es in einigen besseren Galaxien als Infektionskrankheit betrachtet werde. Wie dem auch sei, ich lasse mich nun halt von einem vermeintlichen Tanzmuffel kutschieren – und hoffe, dass dieser wenigstens «Bahnhof» versteht, und nicht mit mir Richtung Mars oder Magrathea davondüst.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.