Die Ausstellung über Eidechsen im Naturmuseum soll nicht nur unterhalten, sondern dem Tier auch helfen

Die einheimische Zauneidechse ist bedroht. Das Naturmuseum Luzern zeigt nun in einer Sonderausstellung, wie man mit kleinen Massnahmen etwas erreichen kann.

Romano Cuonz
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«Die Zauneidechse ist ein hoch interessantes Tier», sagt Britta Allgöwer, Direktorin des Naturmuseums Luzern, das bis am 11. April 2021 eine Sonderausstellung über das Tier zeigt. Am Wochenende fand die Vernissage statt. Wo es der Zauneidechse gut gehe, gehe es auch vielen anderen Tier- und Pflanzenarten gut. Kaum ein Tier ist auf eine so grosse Vielfalt angewiesen. Naturnahe Wiesen braucht sie genauso wie geeignete Verstecke vor Katzen oder anderen Feinden, dazu sandige Plätze für die Eiablage.

Eigentlich ist diese meist im Verborgenen lebende Eidechse mit den auffälligen Augenflecken bei uns seit der Eiszeit heimisch. Doch weil wir unsere Umwelt stark nutzen und stets auch peinlich genau ordnen, bleibt für die Zauneidechse kaum mehr genug Lebensraum. Und so steht sie auf der Liste der bedrohten Tierarten.

Zusammenarbeit mit Stiftung

Seit einigen Jahren gibt die Luzerner Albert Koechlin Stiftung (AKS) mit einem grossen Artenförderprojekt Gegensteuer. Als sie mit der Idee, eine Ausstellung zu gestalten, auf das Naturmuseum zugekommen sei, habe man freudig Hand geboten, sagt Allgöwer. «Dies war für uns wie ein Ritterschlag!» In der Tat: eine klassische Win-win-Situation. Die AKS ihrerseits kann mit der attraktiven Schau die Bevölkerung nochmals zur Mithilfe aufrufen und motivieren.

Sie geben der Zauneidechse eine grosse Bühne: Reptilienfachmann Andreas Meyer, Museumsdirektorin Britta Allgöwer und Gestalter Thomas Küng (von links).

Sie geben der Zauneidechse eine grosse Bühne: Reptilienfachmann Andreas Meyer, Museumsdirektorin Britta Allgöwer und Gestalter Thomas Küng (von links).

Bild: Romano Cuonz (Luzern, 29. Juni 2020)

«Die Zauneidechse kann sehr gut auch in Lebensräumen leben, die von Menschen gestaltet sind», sagt Andreas Meyer, Leiter Fachbereich Reptilien bei der Koordinationsstelle für Amphibien- & Reptilienschutz in der Schweiz. Sei es im Agrar- und Kulturland oder in städtischen Gärten. Der Reptilienkenner hat das Zauneidechsen-Förderprojekt der AKS fachlich begleitet. «In den letzten Jahrzehnten machte man der Zauneidechse das Leben schwer, weil Saumbiotope und Kleinstrukturen allenthalben verschwanden», moniert Meyer. Wenn Gartenbesitzer das Gefühl hätten, jeder Stein müsse exakt am richtigen Ort platziert sein, täuschten sie sich. Meyer dazu: «Wir brauchen viel mehr wieder Mut zu einem gewissen Mass an Unordnung!» Wo Böschungen wenig intensiv gemäht werden, wo Gras stehen bleibt und verfilzt, wo Asthaufen, Totholz, aufgelesene Steine und dornige Hecken noch Platz haben, fühle sich das kleine Tier wohl. In solch natürlichen Biotopen fänden die zur Paarungszeit prächtig grün gefärbten Männchen genauso Verstecke vor ihren Feinden wie die eher unauffällig braunen Weibchen.

Zauneidechse hat viele Feinde

Feinde hat das kleine Tier viele: allen voran die Hauskatze. Auch Wildtiere wie Marder, Wiesel, Fuchs Dachs oder Greifvögel können der heimischen Eidechse gefährlich werden. Ihr Nachteil: Sie ist eine schlechte Kletterin. Schliesslich ist auch noch die aus dem Süden zugewanderte Mauereidechse zu nennen. Diese kommt immer stärker auf und macht der Zauneidechse die Lebensräume streitig. Vor allem greift sie schon einmal ihre Jungtiere an. Andreas Meyer sagt: «Alle haben die Möglichkeit, der Zauneidechse zu helfen, der Kanton, die Gemeinden und eben auch Privatpersonen.» Jeder Einsatz lohne sich. «Eine reiche, vielfältige, gesunde und natürliche Umwelt bedeutet auch in der Kulturlandschaft Lebensqualität.»

Noch zur Ausstellung: Ziel ist, Kindern die Zauneidechse genauso näher zu bringen wie Erwachsenen, sagt Gestalter Thomas Küng. In Filmen berichten Leute aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Nationalstrassenbau oder Gärtnereien über ihre Erfahrungen mit dem Tier. Das Luzerner Ausstellungsteam hat die Herausforderung, ein kleines Tier in seiner ganzen Verletzlichkeit zu zeigen, hervorragend gemeistert. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht – als grosse Attraktion – ein Terrarium, in dem Andreas Meyer für mehrere, schon in Gefangenschaft geborene Tiere ein Idealbiotop konzipiert hat. Wenn man davor steht, den absolut nicht scheuen Tieren zuschaut, vergisst man beinahe die Zeit.

Zauneidechsen im Terrarium im Naturmuseum Luzern.

Zauneidechsen im Terrarium im Naturmuseum Luzern.

Bild: Romano Cuonz (1. Juli 2020)

Auch städtische Wildtiere sind Thema im Museum

Neben der Zauneidechse lernt man zurzeit im Naturmuseum Luzern noch andere Tiere kennen, die zu wilden Nachbarn der Stadtluzerner geworden sind. Ihre Zahl ist weit grösser, als man denkt. Nur einige Namen: Fuchs, Siebenschläfer, Eichhörnchen, Erdkröte, Ringelnatter, Taube oder Alpensegler. Manchmal auffällig, aber oft auch unbeachtet leben sie in Gärten, Mauerritzen, Kanalschächten oder auf Baumkronen und Flachdächern. Als sogenannte Zivilisationsfolger haben sie in Siedlungsgebieten – nicht zuletzt wegen ungenügend gesicherten Abfällen – günstige Lebensbedingungen und so eine zweite Heimat gefunden. Luzerner Tier- und Umweltschutzorganisationen skizzieren in der Ausstellung anschaulich, wie ein harmonisches Zusammenleben mit diesen Tieren in kleinen und grossen, vor allem naturnahen Gärten erleichtert werden könnte.

Infos: www.naturmuseum.ch und luzern.stadtwildtiere.ch

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