Die Chefs der Post lassen es sich in Vietnam auf Firmenkosten gut gehen

Ein Treffen von über 100 Post-Kader in Vietnam soll mehr als 200'000 Franken gekostet haben. Während die Top-Manager First Class fliegen, beklagen sich Mitarbeiter der SPS über Missstände wie schlechte Bezahlung.

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Das Logo der Post im Innenbereich der Schalterhalle der Hauptpost Luzern anlaesslich der Neueroeffnung der im Innenbereich umgebauten Luzerner Hauptpost vom Montag, 23. Juli 2018 in Luzern. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Das Logo der Post im Innenbereich der Schalterhalle der Hauptpost Luzern anlaesslich der Neueroeffnung der im Innenbereich umgebauten Luzerner Hauptpost vom Montag, 23. Juli 2018 in Luzern. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

«Post-Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller hat nach dem Postauto-Skandal einen Neuanfang versprochen. Doch danach sieht es momentan nicht aus. Laut einem Bericht von «Blick» hat Jörg Vollmer, Chef von Swiss Post Solutions (SPS), mehr als 100 Kader zu einem üppigen Treffen nach Vietnam geladen. Der ausgefallene Anlass fand während zwei Tagen im Januar statt.

Weltweit sind rund 7000 Personen an 24 Standorten für Swiss Post Solutions tätig. Das jährliche Treffen fand in der Vergangenheit in Deutschland oder der Schweiz statt. Das macht auch Sinn: Die meisten Kadermitglieder kommen aus Europa.

Kostspielige Veranstaltungen und fröhliche Trinkfeste

Nicht so dieses Jahr. Dass der Anlass in Ho Chi Minh City abgehalten wurde, verblüfft ein ehemaliges Kadermitglied gar nicht. Es sei bekannt, dass Vollmer gerne kostspielige Veranstaltungen organisiert und es sich gut gehen lässt – natürlich auf Firmenkosten.

Der Insider schätzt die Reisekosten auf mindestens 200'000 Franken. Mit dabei soll auch Interims Post-Chef Ulrich Hurni gewesen sein. Selbstverständlich reiste er – wie Vollmer – in der Business-Klasse.

Für Aufsehen sorgte auch ein Leadership-Meeting im Januar 2017. Vollmer veranstaltete ein Weindegustation in Flims GR – gespart wurde an nichts. So wurden der SPS-Führung im Viersternhotel Adula nur die besten französischen Weine aufgetischt. Angeblich liess man das geplante Essen sausen und trank fröhlich weiter.

Angestellte der SPS müssen mit Einbussen rechen

Gegenüber den Angestellten ist die Luxusreise nach Vietnam ein ungeheurer Affront. SPS-Mitarbeiter beklagen neben diversen Missständen auch die «schlechte Bezahlung».

Im September 2018 verkündete die Postfinance, dass 120 Mitarbeiter an die SPS ausgelagert werden, wie der «Blick» berichtet. Während einem Jahr sollen die Betroffenen zu gleichen Konditionen weiterarbeiten können – danach müsse mit Einbussen gerechnet werden.

Gewerkschaften kritisierten den Entscheid und sprachen von «konzerninternem Lohndumping». Dabei hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Post-Tochter schon einmal wegen Verstössen gegen den Lohnschutz gebüsst.

Post verliert Glaubwürdigkeit

Die Post will zum Vietnam-Trip keine Angaben machen. Nur soviel: «Die Gesamtkosten für das diesjährige Meeting mit rund 100 Teilnehmern entsprachen exakt den Kosten der Vorjahre und bewegen sich im normalen Rahmen für die Reise dieser Grössenordnung», sagt Sprecherin Léa Wertheimer.

Man sei zudem der Auffassung, dass die Konditionen stimmen. «Auf die Branche und damit auf vergleichbare Dienstleistungsunternehmen bezogen, bezahlt SPS faire Löhne», zitiert der «Blick» eine schriftliche Stellungnahme.

Mit ihrem Verhalten beschädige die SPS-Führung um Jörg Vollmer das Ansehen der Schweizerischen Post und verliere gegenüber dem Personal jegliche Glaubwürdigkeit, kritisiert die Gewerkschaft Syndicom in einer Mitteilung vom Mittwoch. 

Personal leidet doppelt

Unter den enthüllten Kaderfeiern leide das Personal doppelt. «Das Personal ist es, das im Kontakt mit den Kunden Häme über das Verhalten der Vorgesetzten über sich ergehen lassen muss», wird David Roth, Zentralsekretär bei Sydikon und Präsident der SP Luzern zitiert. Weit schlimmer sei dabei, dass die Feiern der Chefs mit den deutlich schlechteren Arbeitsbedingungen, welche die Angestellten von SPS gegenüber jenen des Post-Stammhauses hätten,  finanziert würden.

Die Gewerkschaft verlangt, dass sämtliche Kosten und das Programm für den Kaderanlass in Vietnam offengelegt werden. «Wenn die konservativ geschätzten Feierkosten von 200‘000 Franken stimmen, dann entspricht das mehr als der Hälfte der Lohnerhöhung, welche die GAV-Angestellten letztes Jahr erhalten haben. Es ist deshalb nichts als fair, wenn die Post volle Transparenz herstellt», so Roth weiter. Hier seien auch der neue Post-CEO Cirillo und der Interims-CEO Hurni in der Pflicht Die Post will der Aufforderung keine Folge leisten. (watson.ch/vom/rgr)

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Othmar von Matt