Kommentar

Die Departementsverteilung wird zum ersten Härtetest für den neuen Krienser Stadtrat

Die Chancen auf einen gelungenen Neuanfang im Krienser Stadtrat stehen gut. Doch Wunderdinge kann man von den Gewählten nicht erwarten.

Stefan Dähler
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Der komplette Wechsel ist Tatsache: Die Krienser Stadtrat wird in der nächsten Legislatur nur aus neuen Mitgliedern bestehen. Das ist bitter für Judith Luthiger (SP). Die Abwahl ist aufgrund der Entwicklung in ihrem Departement nicht zwingend, doch die Bevölkerung wünscht sich nach den Streitigkeiten im Stadtrat und diversen finanziellen Schwierigkeiten einen vollständigen Neuanfang.

Wunderdinge kann man vom neuen Stadtrat angesichts der grossen Herausforderungen aber nicht erwarten. So ist aufgrund der knappen Finanzen der Gestaltungsspielraum sehr klein. Weiter müssen sich die Neuen einarbeiten und als Team finden. Es gilt auch, den Krienser Einfluss in Verbänden wie Luzern Plus oder dem Verkehrsverbund sicherzustellen – insbesondere der scheidende Bauvorsteher Matthias Senn (FDP) war sehr gut vernetzt. Weiter ist beim Bypass-Dossier eine nahtlose Übergabe nötig, damit der Druck auf den Bund und den Kanton erhalten bleibt.

Die Chancen für einen gelungenen Neuanfang im Stadtrat stehen trotzdem gut. Mit dem Zentrumsprojekt oder der Finanzstrategie sind wichtige Geschäfte abgeschlossen beziehungsweise aufgegleist. Das gibt den Neuen etwas Luft. Weiter sind bei ihnen der Wille und die Motivation zur guten Zusammenarbeit spürbar. Dass nun alle Fraktionen vertreten sind, dürfte hilfreich sein, ist aber noch keine Garantie. Ein erster Härtetest wird die Departementsverteilung sein, insbesondere das Bauwesen wird von mehreren Neuen angestrebt.

Wie sich der Wechsel auf die politische Ausrichtung des Stadtrats auswirkt, ist schwierig zu sagen. Um die gute Stimmung nicht zu gefährden, halten sich die Gewählten mit Forderungen zurück. Was sich abzeichnet: Eine Aufstockung der Stadtratspensen auf 100 Prozent ist wohl vom Tisch – die Gewählten betonen alle, dass das Gremium sich auf strategische Aufgaben konzentrieren soll. Möglich ist zudem, dass der Stadtrat künftig wachstumskritischer agiert. Cla Büchi strebt noch eher als Luthiger eine aktivere Rolle der Stadt bei Bauprojekten an. Zusammen mit den Grünen und der SVP, bei der es auch wachstumskritische Stimmen gibt, ist hier eine neue Mehrheit möglich.

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