Die Diskussion um die Erhöhung der regionalen Filmförderung geht weiter:
FDP-Kantonsrat Wolanin reicht einen Vorstoss beim Luzerner Regierungsrat ein

Seit 2012 ist die Erhöhung der finanziellen Mittel für die regionale Filmförderung ein Thema, mehrere Vorstösse folgten – kamen jedoch nie zu Stande. Jetzt hat FDP-Kantonsrat Jim Wolanin mit einer Anfrage die stehengebliebene Diskussion neu eröffnet.

Livia Fischer
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Dreharbeiten im Surseer Schulhaus St. Georg zum geförderten Film «The Lines Of My Hand» des Neuenkircher Regisseurs Christian Johannes Koch.

Dreharbeiten im Surseer Schulhaus St. Georg zum geförderten Film «The Lines Of My Hand» des Neuenkircher Regisseurs Christian Johannes Koch.

Bild: Nadia Schärli (22. Februar 2019)

«Diskussion über eine Zentralschweizer Neuorganisation der Filmförderung fortführen», steht als Punkt im Aufgaben- und Finanzplan 2021 bis 2023 des Kantons Luzern. Was diese Diskussion im Detail beinhaltet, lässt sich daraus nicht entnehmen. «Gerade angesichts dessen, dass schon das zweite Mal in Folge das Gleiche steht, würde es mich schon wundernehmen, was da im Gange ist», sagt FDP-Kantonsrat Jim Wolanin. Aus diesem Grund hat er am Montag eine Anfrage über die Weiterführung und Stärkung der Filmförderung an den Regierungsrat gestellt; gestützt von 27 Mitunterzeichnerinnen und Mitunterzeichnern aus FDP, SP, CVP, SVP, GLP, Grüne und Junge Grüne.

So will Wolanin vom Regierungsrat etwa wissen, inwiefern er sich für die Weiterentwicklung des Films in der Region engagiere, ob auch Gespräche mit anderen Regionen für ein gemeinsames Engagement stattfinden und ob der Luzerner Regierungsrat die Absicht hege, die Absolventinnen und Absolventen der Filmstudiengänge der Hochschule Luzern in der Region zu halten und damit auch von deren Wertschöpfung zu profitieren. Ausserdem würden mit dem neuen Kulturfördergesetz ab 2023 voraussichtlich Mittel für die Kulturförderung frei – ob geplant sei, einen grösseren Anteil der Mittel für die Filmförderung einzusetzen, erkundigt sich Wolanin.

Kanton Luzern als aufstrebender Filmwerkplatz

Schliesslich richtet er die Frage an den Regierungsrat, ob es Pläne gebe, mittels eines Public-private-Partnership-Projekts – also mittels Zusammenarbeit von Staat und Privatwirtschaft – den Film in der Region zu stärken. «Es gibt nämlich auch andere Modelle, sodass nicht unbedingt die öffentliche Hand zahlen muss», erklärt der 42-Jährige aus Neuenkirch gegenüber unserer Zeitung. Was er selbst für sinnvoller hält, lässt er offen.

FDP-Kantonsrat Jim Wolanin.

FDP-Kantonsrat Jim Wolanin.

PD
«Ich will nicht sagen, wie man es machen muss – sonst hätte ich ein Postulat oder eine Motion eingereicht. Es geht mir nur darum, grundlegende Fragen zu stellen und darüber zu diskutieren.»

Und mit der Revision des Kulturfördergesetzes sei jetzt der richtige Zeitpunkt dazu gekommen.

Nur so viel verrät Wolanin: Er könne sich eine Erhöhung der finanziellen Mittel bei der Filmförderung gut vorstellen. Von insgesamt 28,17 Millionen Franken Budget für die Kulturförderung für das nächste Jahr kommen nämlich gerade einmal 400'000 Franken dem Film zu. «Ein sehr tiefer Betrag, wenn man den Vergleich zu anderen Kantonen zieht», sagt der FDPler. Wenn in die Filmförderung mehr investiert wird, käme das letztlich wieder dem Kanton zugute. Nicht nur aus kultureller Sicht, sondern auch unter wirtschaftlichen Aspekten.

Denn der Kanton Luzern sei zwar dank der Hochschule Luzern und ihrer drei Filmausbildungsgänge ein «renommierter und schweizweit anerkannter Ausbildungsort», doch rund 90 Prozent der Absolventinnen und Absolventen würden nach der Ausbildung aus der Zentralschweiz wegziehen. Laut Wolanin sei das schade um das «riesige Potenzial» – schliesslich habe der Kanton «gute Voraussetzungen, sich in der Filmbranche zu positionieren und sich zu einem aufstrebenden Filmwerkplatz weiterzuentwickeln».

Film Zentralschweiz stellt sich hinter die Anfrage

Dieses Potenzial sieht auch Simon Koenig. Er ist der Geschäftsführer des Filmbüros Zentralschweiz, der Geschäfts- und Anlaufstelle des Verbands Film Zentralschweiz, welcher die Anfrage des Kantonsrats begrüsst, wie der Verein in einer Medienmitteilung verkündet. «Wenn wir jetzt nachhaltig in die Zukunftsbranche Film investieren, können wir in der Region langfristig mehr Arbeitsplätze schaffen», sagt Koenig. Nicht zuletzt sei die Wichtigkeit der Filmbranche gerade auch während Corona wieder zum Vorschein gekommen:

«Da hat man gesehen, dass genau die digitalen Formate funktionierten, welche die Filmbranche zur Verfügung stellt. Die Leute sind wie noch nie vor den Bildschirmen gesessen.»

Im Gegensatz zu Wolanin hat Koenig schon eine klare Vorstellung davon, welchen Weg der Luzerner Regierungsrat gehen soll. Als Beispiele dienen etwa Baselland und Basel-Stadt oder Bern. Kantone, die laut Koenig eine ähnliche Filmindustrie wie Luzern haben, jährlich jedoch drei Millionen Franken in die Filmförderung investieren – mehr als das Siebenfache im Vergleich zu Luzern. Und ein Blick in die Romandie und nach Zürich verdeutlicht die Relationen weiter: Den welschen Kantonen stehen gemeinsam zehn Millionen Franken zur Verfügung, in Zürich sind es gar 12,5 Millionen.

Für Koenig steht fest: «Wir müssen mit Basel und Bern mindestens auf Augenhöhe kommen. Je schneller, desto besser.» Zwar sei er sich bewusst, dass es schwierig sei, die «veralteten Förderinstrumente» in kurzer Zeit auf «ein konkurrenzfähiges Level» zu bringen, doch je länger der Kanton Luzern warte, desto mehr Talente und Fachkräfte würden abwandern. Die Forderung nach einer Beitragserhöhung steht übrigens schon seit 2012 im Raum. Zwei Jahre danach hat der Kanton Luzern zwar beschlossen, den Förderbeitrag jährlich um 100'000 Franken aufzustocken, 2015 blieb er bei den heutigen 400'000 Franken jedoch stehen. So eröffnete Film Zentralschweiz seine Medienmitteilung in Bezug auf Wolanins Anfrage dann auch mit den Worten: «Endlich kommt Bewegung in die abgebrochene Diskussion zur regionalen Filmförderung.»

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