«Die Dritte Welt im zweiten Weltkrieg»

Mit vergessenen globalen Aspekten des Zweiten Weltkrieges und seinen Opfern in der Dritten Welt befasst sich eine neue Ausstellung im Historischen Museum Luzern. Sie räumt mit einigen Irrtümern auf, die noch immer in den Geschichtsbüchern stehen.

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Spahi-Soldat mit zwei Schweizer Wachtsoldaten in Triengen. (Bild: Privatarchiv Karin Lüscher, Schöftland)

Spahi-Soldat mit zwei Schweizer Wachtsoldaten in Triengen. (Bild: Privatarchiv Karin Lüscher, Schöftland)

Eine eurozentrische und westliche Sicht bestimmt unser Bild vom Zweiten Weltkrieg. Doch war er keineswegs eine Sache der Europäer. Die Kolonialmächte zogen ihre Kolonien mit hinein und machten ihn auch zu einem weltweiten Krieg. Und bevor er in Europa ausbrach, war er in Asien und Äthiopien längst im Gang. Als Karl Rössel vom Rheinischen JournalistInnenbüro in Köln in den neunziger Jahren in dieser Sache zu recherchieren begann, fehlten ihm schlicht die Fakten. Es gab keine genauen Zahlen. Heute steht fest, dass die Länder der Dritten Welt mehr Soldaten stellten als Europa. Und China mehr Opfer zu beklagen hatte als Deutschland.

«Die vergessene Hälfte»

Rössel spricht von «der vergessenen Hälfte des Zweiten Weltkrieges». Aus der Recherche entstand 2005 ein Buch (»Unsere Opfer zählen nicht») und 2009 eine Wanderausstellung: «Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg». Nach mehreren Stationen in Deutschland ist sie nun erstmals in der Schweiz zu sehen (bis 27. März). Die Ausstellung dokumentiert die globale Ausdehnung dieses Krieges. Sie geht ausführlich auf die Auswirkungen in Afrika, Asien, Ozeanien und - etwas rudimentärer - in Lateinamerika ein. Die europäische Vereinnahmung hatte etwa in Afrika verheerende Folgen, die - wie aktuell in Nordafrika - noch heute spürbar sind.

Allerdings gab es in der Dritten Welt nicht nur Kämpfer gegen Nazis. Auch die Gegenseite hatte, namentlich unter Antisemiten, ihre Anhänger. Einer der prominentesten war der faschistoide Palästinenserführer Mohammed Amin al-Husseini, der bei der obersten Nazi-Riege ein- und ausging und diese bei der Vernichtung der Juden noch übertreffen wollte.

Afrikanische Kolonialsoldaten der britischen Streitkräfte beim Training. (Bild: Privatarchiv Manuel Menrath)
16 Bilder
Boucle du Doubs, Nordfrankreich, Oktober 1944, Afrikanische Kolonialsoldaten beim Winterfeldzug. (Bild: S.I.R.P.A.)
Aitape, Papua Neuguinea, August 1944. Auf Befehl weißer Offiziere mussten die Insulaner alles, was die kriegführenden Armeen brauchten, über glitschige Pfade ins umkämpfte Gebirge Neuguineas schleppen. (Bild: National Archives, U. S. Army Signal Corps)
Afrikanische Kolonialsoldaten 1939 in einem französischen Schützengraben. (Bild: S.I.R.P.A.)
Der französische Nationalfeiertag wird auch von den Spahis in Triengen begangen. (Bild: Privatarchiv Manuel Menrath)
Spahi mit Pferd in Estavayer-le-Lac. (Bild: Privatarchiv Manuel Menrath)
Schweizer Soldaten bewachen die Spahis. (Bild: Privatarchiv Karin Lüscher, Schöftland)
Internierter Spahi mit zwei Triengerinnen. (Bild: Privatarchiv Karin Lüscher, Schöftland)
Spahi mit Trienger Mädchen. (Bild: Privatarchiv Karin Lüscher, Schöftland)
Spahi-Soldat mit zwei Schweizer Wachtsoldaten in Triengen. (Bild: Privatarchiv Karin Lüscher, Schöftland)
Spahi-Truppe vor ihrem Kantonnement, dem Gasthaus Rössli in Triengen. (Bild: Privatarchiv Manuel Menrath)
Spahi-Truppe fotografiert vor dem Kantonnement in Triengen. Die Spahis waren vom 24. Juni - 7. Oktober 1940 mitten im Dorf interniert. (Bild: Privatarchiv Manuel Menrath)
Spahis zu Besuch bei einer Trienger Familie. (Bild: Privatarchiv Bruno Fischer, Triengen)
Spahis vor dem Trienger Kantonnement mit Schweizer Wachtsoldaten. (Bild: Privatarchiv Manuel Menrath)
Spahis des 2. algerischen Regiments. Von Juni bis Oktober 1940 in Triengen interniert. (Bild: Privatarchiv Manuel Menrath)
Spahis des 2. algerischen Regiments. Von Juni bis Oktober 1940 in Triengen interniert. (Bild: Privatarchiv Manuel Menrath)

Afrikanische Kolonialsoldaten der britischen Streitkräfte beim Training. (Bild: Privatarchiv Manuel Menrath)

Ergänzt mit lokalem Kapitel

Dieses Kapitel führte übrigens bei der Eröffnung der Ausstellung 2009 in Berlin zu einem Eklat. Die «Werkstatt der Kulturen» wollte die Tafeln über die palästinensische Kollaboration abhängen. Rössel verlegte die Ausstellung kurzfristig. Seither wurde sie immer unzensiert gezeigt, wie Rössel am Freitag in Luzern betonte. Ergänzt wird die Ausstellung in Luzern mit einem lokalen Schweizer Kapitel. Es dokumentiert die Internierung nordafrikanischer Kavalleristen, so genannter Spahis, in Triengen LU. Viele Einheimische kamen damals erstmals in Kontakt mit Menschen aus Afrika. Daraus resultieren teils jahrelange Freundschaften und Kontakte.

Die Ausstellung «Die dritte Welt im zweiten Weltkrieg» im Historischen Museum erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Universität Luzern. Sie wird ergänzt mit Vorlesungen, einer Theatertour und einer Filmreihe. Im Südpol wird zudem am 24. und 25. März das Tanztheater «Die vergessenen Befreier» in der französischen Originalfassung aufgeführt.

sda/zim