Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Video

Die Ebikoner Höfli-Schüler nehmen ihr Container-Provisorium in Beschlag

Hell, gut geheizt und vor allem ohne Giftstoffe: Das Schul-Provisorium auf der Höfli-Spielwiese kommt bei Lehrern, Eltern und Schülern gut an. Bei den Jüngsten insbesondere, weil ihr Schulhaus etwas hat, was andere nicht bieten können.
Roman Hodel
Hereinspaziert! Die ersten Schüler und Eltern strömen ins Container-Schulhaus. (Bilder: Pius Amrein (Ebikon, 29. Oktober 2018))

Hereinspaziert! Die ersten Schüler und Eltern strömen ins Container-Schulhaus. (Bilder: Pius Amrein (Ebikon, 29. Oktober 2018))

Mit einem eigens einstudierten Song haben die Schüler am Montagmorgen auf dem Pausenplatz vor dem alten Ebikoner Höfli-Schulhaus ihr «neues» Schulhaus eröffnet. Minuten später dürfen sie klassenweise hinein gehen. Was heisst gehen - viele rennen. Und ihre Eltern mit. Ihr Ziel: Natürlich das eigene Klassenzimmer.

Die Drittklässler von Lehrerin Anna Meienberg etwa sind im ersten Stock untergebracht, durch die Fenster sehen sie zu ihrem alten Schulhaus hinüber. Und, gefällt's ihnen im neuen Klassenzimmer? «Jaaaaaaa!» rufen alle. Warum? Sofort schnellen die ersten Hände in die Höhe. «Weil es so gross ist», sagt Rohat. «Der Fussballplatz ist in der Nähe», sagt Khaliid. «Es ist schön und warm», so Emanuela. Und Mirhan findet es «cool», dass alle Wände magnetisch sind. Kein Wunder: Sie bestehen aus Blech. Eine Besonderheit, die anderen Buben ebenfalls aufgefallen ist: «So etwas haben wir zu Hause nicht», sagt einer.

Voll des Lobes sind auch die Lehrer - Fabio Erni zum Beispiel sagt: «Es ist angenehm, wieder in einem richtigen Schulzimmer zu unterrichten.» Mit seiner dritten Primarschulklasse verbrachte Erni die vergangenen Monate in einer Wohnung im Sonnegärtli. «Das war zwar ein spezielles Erlebnis - auch für die Kinder - aber von der Raumaufteilung nicht sehr praktisch für den Unterricht.»

«Mein Gott, wo kommt unsere Tochter bloss hinein?»

Eltern staunen derweil, was man mit Containern alles machen kann: «Als wir das erste Mal vom Provisorium hörten, dachten wir - mein Gott, wo kommt unsere Tochter bloss hinein», sagen Rossella Rossi und Massimo Campisi. Nun zeigen sich die beiden «sehr positiv» überrascht, wie geräumig und hell alles ist. In erster Linie sind sie aber froh, dass ihre Tochter, die seit dem Sommer in die erste Klasse geht, nicht ins alte Höfli-Schulhaus musste, «das hätten wir auf keinen Fall gewollt.»

Denn das alte, 1964 bezogene Höfli-Schulhaus war im Juni in die Schlagzeilen geraten, weil in den Zimmern ein erhöhter Naphthalin-Wert festgestellt wurde (wir berichteten). Da klar war, dass das Provisorium erst im Herbst bereit sein würde, wollte der Gemeinderat das Problem im alten Schulhaus mit Belüftungsapparaten in den Griff kriegen. Doch ein Test zeigte, dass der krebserregende Giftstoff nicht so einfach zu eliminieren ist. Deshalb wurden die Klassen nach den Sommerferien in anderen Schulhäusern und in Wohnungen einquartiert.

Trocken wars grad, aber cheibe frisch: Besammlung um 8 Uhr auf dem Pausenplatz zur Eröffnungsfeier. (Bild: Pius Amrein (Ebikon, 29. Oktober 2018))
Noch sind die Schulzimmer leer. (Bild: Pius Amrein (Ebikon, 29. Oktober 2018))
Das änderte sich kurz darauf. Blick aus dem Fenster: Rechts ist das geschlossene Höfli-Schulhaus zu sehen. (Bild: Pius Amrein (Ebikon, 29. Oktober 2018))
Ja, auch eine Garderobe hats - und noch die eine oder andere Zügelbox. (Bild: Pius Amrein (Ebikon, 29. Oktober 2018))
Die Schülerinnen und Schüler erhielten gleich zu Beginn eine Deko-Aufgabe. (Bild: Pius Amrein (Ebikon, 29. Oktober 2018))
Sie sollen die Gänge des Schulhaus noch um den einen oder anderen Farbtupfer ergänzen... (Bild: Pius Amrein (Ebikon, 29. Oktober 2018))
...das ist eine gute Idee. (Bild: Pius Amrein (Ebikon, 29. Oktober 2018))
Lehrer Fabio Erni mit seiner dritten Primarklasse - sie singen gerade «Happy Birthday» für ein Geburtstagskind. (Bild: Pius Amrein (Ebikon, 29. Oktober 2018))
Exakt 112 Container wurden im Höfli zu einem Schulhaus zusammengefügt. (Bild: Pius Amrein (Ebikon, 29. Oktober 2018))
9 Bilder

So sieht das Ebikoner Höfli-Provisorium aus

Von aussen «vielleicht nicht so attraktiv»

Das Höfli-Provisorium besteht aus 112 Containern, die auf- und nebeneinander zu einem Schulhaus zusammengefügt wurden. Darin sind auf zwei Etagen neun Schulzimmer, ein Handarbeitszimmer und zusätzliche Räume für Gruppenarbeiten oder für die integrative Förderung untergebracht. 145 Schülerinnen und Schüler sowie 18 Lehrerinnen und Lehrer nutzen das Gebäude.

Die Bauabteilung der Gemeinde Ebikon hat im Vorfeld ein ähnliches Schulprovisorium in Sursee angeschaut und sich davon überzeugt. «Von aussen sieht es vielleicht nicht so attraktiv aus und im Innern werden die Schüler die Räume noch einiges dekorieren müssen - aber insgesamt ist das Provisorium gelungen», sagt der für die Bildung zuständige Gemeinderat Andreas Michel (parteilos). In den kommenden Tagen müsse man nur noch die Informatik-Infrastruktur erstellen.

Einblick in das Klassenzimmer der Erstklässler. (Bild: PD)

Einblick in das Klassenzimmer der Erstklässler. (Bild: PD)

Gemeinde bezahlt jährlich rund 400'000 Franken Miete

Den temporären Unterricht im Exil hätten die Schüler in den vergangenen Wochen durchaus genossen, weiss Michel: «Sicher war das Unterrichten in der Wohnung eine Herausforderung, dafür konnten sie dort kochen und hatten einen Garten mit grossem Spielplatz zur Verfügung.» Die Fünftklässler, die vorübergehend im Oberstufenschulhaus in der alten Bibliothek zur Schule gingen, hätten sogar am liebsten bleiben wollen.

Im alten Höfli-Schulhaus werden derweil nur noch die Turnhalle und die Tagesstrukturräume genutzt. Der Rest bleibt geschlossen. Wie lange das Provisorium in Betrieb sein wird, ist noch offen. Die Pläne für einen Ersatzneubau des Höfli-Schulhauses hat die Gemeinde aus finanziellen Gründen ausgesetzt (wir berichteten). Für die Miete der Container bezahlt die Gemeinde jährlich rund 400'000 Franken. Andreas Michel sagt: «Ich will mir nicht vorstellen, dass das Provisorium nun zehn Jahre steht, ein Provisorium ist schliesslich ein Provisorium.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.