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Die Emmer Kulturpreisträgerin zwischen Begeisterung und Sparfrust

Die freischaffende Schauspielerin Nicole Davi hat den Kulturpreis der Gemeinde Emmen erhalten. Ihre berufliche Zukunft ist aber aufgrund der kantonalen Sparmassnahmen unsicher.
Roman Kühne
Nicole Davi im Historischen Museum, wo sie unter anderem in einem Stück über den Besuch von Queen Victoria in der Zentralschweiz spielte. (Bilder: Dominik Wunderli (Luzern, 28. November 2018))

Nicole Davi im Historischen Museum, wo sie unter anderem in einem Stück über den Besuch von Queen Victoria in der Zentralschweiz spielte. (Bilder: Dominik Wunderli (Luzern, 28. November 2018))

Wer schon mal das Historische Museum Luzern besucht hat, ist ihr vielleicht begegnet. Seit zehn Jahren ist Nicole Davi (49) dort als Schauspielerin tätig, hat für das Museum Stücke geschrieben und Regie geführt. Zuletzt spielte sie in den Theatertouren zur Sonderausstellung «Queen Victoria in Luzern» oder in «New Switzerland» über Schweizer Auswanderer in die USA. Die neuste Produktion «Zieh dich an! Kleider – Zeitreise» hat sie ebenfalls mitentworfen.

Doch die Zukunft ist ungewiss: «Bald wird ja das Historische Museum mit dem Natur-Museum zusammengelegt. Da werden unsere Stellen als Schauspieler wahrscheinlich gestrichen. Schade, denn diese Form der Theatervermittlung ist einmalig und ein Aushängeschild des Museums.»

Für Davi ist Kultur einer der Pfeiler der Gesellschaft. «Die Bildung und die Kultur machen die Menschen überhaupt erst zu Menschen», ist sie überzeugt. «Aber das Ergebnis ist halt nicht messbar, wie in der Wirtschaft. Und gerade deshalb ist es wichtig, die Künstler und ihre Kultur zu unterstützen. In dieser Beziehung ist es sehr rau geworden im Kanton Luzern.» Dabei sei die Kunst für den Zusammenhalt zentral. «Ich merke ja bei den Aufführungen und Projekten, was sie bei den Zuschauern alles auslösen kann.»

Umso mehr freut sie sich über die Auszeichnung der Gemeinde Emmen. Den mit 3000 Franken dotierten Kulturpreis hat sie Ende November für ihr langjähriges Engagement und für ihr Stück «Gaia – der lebende Planet» erhalten. In dieser Komposition geht es um Umweltprobleme und was man dagegen unternehmen kann. Dafür hat sie bei Emmer Schulklassen recherchiert und mit ihrer professionellen Theatergruppe «luki*ju» ein Stück einstudiert. Eine Nummer, mit der das Ensemble auch sein 35-jähriges Bestehen feierte.

Reduzierter Regie-Stil

«Diese Theater-Findung mit den Kindern war unglaublich anregend», so Davi. «Gerade im Umweltbereich wird es schnell moralisch und die Leute schweifen ab. Mit den Kindern konnten wir eins zu eins ausprobieren, was sie beschäftigt. Wie können wir sie abholen? Wie ihr Interesse an Umweltthemen wecken?» Erleben sie emotional und aktiv, wie der sauberen Luft «der Schnauf ausgeht», bleibe ihnen dies sicher mehr, als wenn man einfach etwas vorspiele.

Nicole Davi spielt im Historischen Museum eine Geschichte über den Besuch von Queen Victoria in der Zentralschweiz.

Nicole Davi spielt im Historischen Museum eine Geschichte über den Besuch von Queen Victoria in der Zentralschweiz.

Der Regie-Stil von Nicole Davi ist reduziert. Als bewusster Kontrapunkt zur Konsumwelt ist das Bühnenbild meist schlicht. In einem Stück stand nur ein Bänklein und ein Tisch auf der Bühne. Ihr ist es wichtig, dem Zuschauer viel Raum zu lassen, ihn in seiner eigenen Fantasie herauszufordern. Zudem ist die Arbeit mit Jugendlichen ein wichtiges Standbein von Nicole Davi. An der Kanti Musegg und am Fachmittelschulzentrum Luzern leitet sie die Theatergruppe.

Dabei macht sie immer auch Schauspiel mit einem bildenden Anspruch. «Theater ist ein Gesamtkunstwerk, wo sich Wort, Gemälde und Musik vereinen», erklärt sie. «Es ist nicht nur Hinstehen und Reden. Es geht mir darum, bei den Schülern die Persönlichkeit herauszuschälen, ihre Fähigkeiten zu stärken, quasi ihr Bestes auf die Bühne zu bringen.»

Auch Davi profitiert dabei. Sie mag es, die Themen der Jugendlichen aufzunehmen. «Die Schüler und Schülerinnen sind so kreativ, haben so viele Ideen. Momentan machen wir ‹Aschenputtel, reloaded›. Da kommen natürlich ganz andere Themen hinein.

Was, wenn der Prinz gar nicht auf Frauen steht?

Oder es gibt einen Wettbewerb ‹The Voice of the Königreich›. Wichtig ist es, die Jungen zu spüren und ihre Einfälle umzusetzen.»

Ist es nicht schwierig, zwischen Laien und Profis zu wechseln? Für Davi ist dies eher eine Bereicherung: «Theater wirkt integrativ und bindend. Man kann damit Literatur vermitteln, Themen bearbeiten oder einfach unterhaltend sein. Darum kann man mit Laien eigentlich genau so spannend arbeiten wie mit Profis. Wichtig ist es, ein begeistertes, gutes Team zu haben.»

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