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Die etwas andere Patenschaft

Das Projekt «mit mir» der Caritas Luzern besteht seit zehn Jahren. Dabei erhalten armutsbetroffene Kinder während drei Jahren ein Gotti oder einen Götti. Viele Patenschaften bleiben darüber hinaus bestehen – wie jene von Remzi Hamid (12) und Rahel Bieri (24).
Susanne Balli
Remzi Hamid spielt im Garten von Rahel Bieri (links) mit sieben Wochen alten Kätzchen. (Bild: Roger Grütter, Littau, 6. Juni 2018)

Remzi Hamid spielt im Garten von Rahel Bieri (links) mit sieben Wochen alten Kätzchen. (Bild: Roger Grütter, Littau, 6. Juni 2018)

Vertraut und ganz auf Augenhöhe: So wirken die 24-jährige Rahel Bieri und der 12-jährige Remzi Hamid bei unserem Treffen. Die beiden haben an diesem schwülwarmen Tag den Weg von Remzis Zuhause in Luzern nach Gansenbach zwischen Littau und Malters – dem Wohnort von Rahel Bieri – mit dem Velo in Angriff genommen. Eine gute Übung für Remzi, der kurz vor seiner Veloprüfung steht. Weil Gewitter aufziehen, entscheiden sie sich kurzerhand gegen das Baden in der Kleinen Emme. Das tut der guten Laune keinen Abbruch. Zu Hause bei Rahel Bieri gefällt es dem 12-Jährigen auch gut. Hier kann er im Garten sitzen und Holunderblütensirup trinken, Brettspiele spielen oder die sieben Wochen alten Kätzchen von Katzenmami Emma streicheln.

Den Schüler aus Eritrea und Rahel Bieri verbindet eine ganz besondere Freundschaft. Vor dreieinhalb Jahren sahen sich die beiden zum ersten Mal ihm Rahmen des Patenschaftsprojektes «mit mir» der Caritas Luzern. Dieses besteht heuer seit 10 Jahren (siehe Kasten). Die beiden können sich noch gut an das erste Treffen erinnern. «Es fand zu Hause bei Remzis Familie statt, eine Dolmetscherin übersetzte für die Eltern», erzählt Rahel Bieri, die nach ihrer Ausbildung als Gestalterin Werbetechnik derzeit die Primarlehrerinnen-Ausbildung an der PH Luzern absolviert.

Ausflüge und gemeinsame Zeit zu Hause

Seither unternehmen die junge Frau und der aufgeschlossene Bub regelmässig etwas zusammen. Mal gehen sie ins Hallenbad, ein anderes Mal unternehmen sie eine kleine Velotour. Einmal besuchten die beiden das Technorama in Winterthur. Doch es müssen nicht unbedingt Ausflüge sein. Genauso gut gefällt es Remzi bei Rahel zu Hause, wo sie im Sommer am Bach vor dem Haus spielen und Glace essen. Im Winter gabs auch schon Fondue unter freiem Himmel. «Am liebsten gehe ich mit Rahel in der Kleinen Emme baden», sagt Remzi ohne zu zögern.

Rahel Bieri wurde vor einigen Jahren über die Medien auf das Projekt «mit mir» aufmerksam. Nachdem sie sich gemeldet hatte, klappte die Vermittlung zu Remzi sehr schnell. Ab diesem Zeitpunkt trafen sich die beiden regelmässig, um Zeit miteinander zu verbringen. Während der offiziellen Patenschaft fanden regelmässig Standortgespräche statt – ein standardisierter Vorgang. «Nach drei Jahren war das Projekt abgeschlossen. Für uns war aber klar, dass wir uns weiterhin treffen wollen», so Bieri.

Mit der Zeit haben die beiden auch ihre Familien besser kennen gelernt. «Mein jüngerer Bruder ist gleich alt wie Remzi, das trifft sich gut», sagt sie. Zudem hat Remzi auch schon seine kleine Schwester Rim (10) mitbringen dürfen. «Die nervt dann aber schon manchmal», sagt Remzi trocken.

Seit kurzem im Besitz des Schweizer Passes

Remzi hat einen Bruder und zwei Schwestern, alle jünger als er. Bevor Remzi in Rahel ein Gotti fand, konnte seine kleine Schwester schon vom Projekt «mit mir» profitieren. Seine Eltern kamen mit ihm in die Schweiz, als Remzi sieben Monate alt war. Er war seither nie wieder in Eritrea. Mit seinen Geschwistern spricht er vorwiegend deutsch, mit seinen Eltern arabisch. Seit einigen Wochen hat Remzi den Schweizer Pass – als einziger seiner Familie. Darauf ist er stolz. Schliesslich musste er eine Prüfung bestehen, bei der allerlei Fragen zur Schweiz gestellt wurden. «Das war aber ganz einfach», sagt er lakonisch. «Wir anderen hätten den Test wohl nicht so einfach bestanden», erwidert Rahel Bieri schmunzelnd.

Dass sie sich regelmässig treffen, findet Remzi gut. «Bevor ich Rahel kannte, war mir oft langweilig, und ich wusste nicht, was ich machen soll», sagt er. Auch Rahel Bieri kann als Gotti von Remzi profitieren. «Durch ihn konnte ich eine ganz andere Kultur kennen lernen.» Als Beispiel erwähnt sie Remzis Eltern, die derzeit im Fastenmonat Ramadan sind. «Als ich einmal bei ihnen Hause war, wurden nach Sonnenuntergang allerlei feine Sachen aufgetischt, die ich nicht kannte und probieren durfte.» Zudem sehe sie, mit welchen Schwierigkeiten Menschen aus anderen Kulturkreisen in unserem Alltag zu kämpfen hätten. «Das Ausfüllen von Formularen, das zum Teil auch für uns kompliziert ist, kann für sie aufgrund der Sprache schwierig sein.»

Auch wenn man sich die Zeit im oft gefüllten Alltag nehmen müsse, ist für Rahel Bieri und Remzi klar, dass sie sich weiterhin treffen werden.

Die Caritas sucht laufend neue Patinnen und Paten. Infos unter Telefonnummer 041 368 53 80 oder auf der Website www.caritas-luzern.ch

Caritas Luzern hat in 10 Jahren 250 Patenschaften vermittelt

Das Patenschaftsprojekt «mit mir» wird schweizweit von acht Regionalstellen der Caritas angeboten; seit zehn Jahren in Luzern. «Das Projekt entstand vor dem Hintergrund, dass es bereits diverse Angebote für Armutsbetroffene wie zum Beispiel Caritas-Märkte gab, aber nichts für armutsbetroffene Kinder», sagt Projektleitern Nicole Scherer. Besonders die Kinder würden aber unter Armut leiden.

«Mit mir» startete 2008 in Luzern mit 10 Patenschaften, aktuell sind es 73. «Bis jetzt konnten 250 Patenschaften vermittelt werden», so Scherer. 80 bis 90 Prozent der Teilnehmenden führen die Patenschaften über die Dauer von drei Jahren hinaus weiter. Dies zeige, dass es sich um ein nachhaltiges Projekt handle.

Jedes Patenkind hat eine direkte Ansprechperson, es finden Vermittlungs-, Probezeit- und Standortgespräche statt. «Seit 2011 kommen gut qualifizierte und sorgfältig eingearbeitete Vermittlerinnen zum Zug, welche die Patenschaften auf freiwilliger Basis begleiten», sagt Scherer. In Luzern üben derzeit zehn Frauen diese Funktion aus.

Ins Projekt «mit mir» aufgenommen werden Kinder, die in Familien mit finanziellen und anderen Schwierigkeiten leben. Es steht Familien mit Migrationshintergrund und Schweizer Familien offen und wird finanziert durch Beiträge der Stadt und des Kantons Luzern sowie von Stiftungen und Spenden. (sb)

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