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Interview

Yvette Estermann: «Die EU befragt die Bevölkerung endlich zur Sommerzeit»

Die Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann kämpft schon seit längerem gegen die Sommerzeit. Beim Bundesrat stiess sie damit bisher auf taube Ohren. Nun erhält sie gar Unterstützung von der EU-Bevölkerung.
Chiara Zgraggen

Yvette Estermann tut sich offenbar schwer mit der Sommerzeit. Bereits zweifach scheiterte die Parlamentarierin mit slowakischen Wurzeln mit dem Anliegen, diese abzuschaffen. Sie argumentierte unter anderem mit Russland als Vorbild - es hat die Sommerzeit bereits vor einigen Jahren abgeschafft. Vor zwei Jahren zog die Türkei nach. Nun könnte auch in der EU die Zeitumstellung abgeschafft werden: Die Europäische Union prüft nun mittels einer Befragung in der Bevölkerung die Beliebtheit der Sommerzeit. In EU-Kreisen wird erwartet, dass die Mehrheit der Umfrageteilnehmer gegen die Sommerzeit ist. Eine Auswertung liegt noch nicht vor (wir berichteten).

SVP-Nationalrätin Yvette Estermann (Bild: Manuela Jans-Koch, Luzern, 13. Januar 2017)

SVP-Nationalrätin Yvette Estermann (Bild: Manuela Jans-Koch, Luzern, 13. Januar 2017)

Yvette Estermann, die EU prüft die Abschaffung der Sommerzeit bei der Bevölkerung. Damit rennt eine ihnen sonst nicht sehr nahestehende Institution offene Türen ein. Wie schätzen Sie die Stimmung der Bevölkerung ein?

Ich glaube, die Bevölkerung hat ein grosses Interesse daran. Die Umfrage war sogar derart beliebt, dass die Server zusammengebrochen sind. Die EU, die sonst schon ein Demokratie-Defizit hat, tritt endlich mit der Bevölkerung in Kontakt. Auch wenn der Zeitpunkt der Umfrage im Sommer eher ungünstig ist. Schliesslich sind momentan viele Menschen in den Ferien.

Weshalb stösst der Vorschlag zur Abschaffung der Sommerzeit auf solch positive Resonanzen?

Erste Tendenzen zeigen: Die Leute haben genug von der Umstellung. Der ewige Wechsel stört ihren biologischen Rhythmus. Die Winterzeit ist die Normalzeit und in dieser sollten wir auch leben. Es ist einfach die beste Zeit für Mensch und Tier. Zudem ist der Umstellungsaufwand für Firmen sehr gross. Dass sie zwei Mal im Jahr die Zeit umstellen müssen, ist völliger Blödsinn. Auch besonders Kinder und Jugendliche leiden darunter. Sie haben Probleme, morgens nicht richtig wach zu sein. Zudem berichten Lehrer, dass Prüfungen im Frühling allgemein schlechter ausfallen als im Herbst oder Winter.

Wer leidet denn noch darunter?

Beispielsweise chronisch Kranke. Ihre Medikationszeit muss ja dann auch um eine Stunde verschoben werden. Oder auch junge Mütter, die normalerweise immer im selben Rhythmus stillen, kriegen durch die Zeitumstellung Probleme.

Wie steht es denn um die Tiere?

Kühe leiden sehr darunter. Sie halten sich an Ihre Bedürfnisse, nicht an die Sommerzeit. Darüber hinaus werden Tausende Wildtiere überfahren, weil im Frühling der Verkehr eine Stunde früher beginnt. Das ist ein Eingriff in ihre und unsere innere Uhr.

Was ist denn das Hauptproblem an der Zeitumstellung?

Das Hauptproblem liegt darin, dass die Umstellung kein biologisches Bedürfnis darstellt. Dadurch erlebt Mensch und Tieren den sogenannten sozialen Jetlag. Unter diesem leiden wir jährlich. Die Umstellung im Herbst ist hierbei weniger schlimm, weil man eine Stunde länger schlafen kann. Bei der Sommerzeit sind vor allem auch Leute betroffen, die früh aufstehen müssen. Pendler werden gequält, wenn sie morgens um 4 statt um 5 Uhr aufstehen müssen. Es gibt schlichtweg keinen Vorteil, gegen die innere Uhr anzukämpfen.

Wer profitiert denn von der Sommerzeit?

Diejenigen, die wenig Schlaf brauchen. Oder Leute, die später aufstehen müssen. Sie mögen es gerne, wenn sie nach einem späten Feierabend noch lange die Helligkeit geniessen können. Das ist der einzige Vorteil der Sommerzeit. Auch deswegen bin ich ein Freund von flexiblen Arbeitszeiten. Die Leute sind am besten dran, wenn sie selber über ihre Arbeitszeit bestimmen können. Zudem hätten wir weniger Stau auf den Strassen, wenn nicht alle um 7 oder 8 Uhr auf der Arbeit sein müssten. Davon sind wir aber noch weit entfernt.

Auch wenn die EU die Sommerzeit abschafft, müsste die Schweiz nicht nachziehen. Fürchten Sie sich vor einer «Zeitinsel Schweiz»?

Der Bundesrat hat bereits darauf geantwortet. Es sieht so aus, dass die Schweiz mit der EU bei einer allfälligen Abschaffung der Sommerzeit mitziehen würde. Als ich vor einiger Zeit vorgeschlagen habe, die Sommerzeit abzuschaffen, fand das leider keinen Anklang. Offenbar wollte unsere Regierung kein Vorreiter sein. Schade, konnte die Regierung den Mut nicht aufbringen.

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