Die friedenstiftende Milchsuppe und der Sonderfall Freiamt

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Zug Fast 500 Jahre ist es her, seit es in Kappel am Albis ZH zu teils blutigen Religionskriegen kam. Im Juni 1529 marschieren reformierte Zürcher Truppen gegen die katholischen Orte Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug. Es kommt zum Ersten Kappelerkrieg. Kampfhandlungen können jedoch verhindert werden: Die Parteien verbrüdern sich bei einer Milchsuppe, die gemeinsam gekocht und gegessen wird. Die Zürcher sollen das Brot, die Innerschweizer die Milch gebracht haben. Der Friedensvertrag – der Erste Kappeler Landfriede – vermag die schwelenden Konflikte aber nicht zu beseitigen. Am 9. Oktober 1531 erklären die Innerschweizer den Zürchern abermals den Krieg. Diese erleiden am 11. Oktober in der Schlacht bei Kappel eine bittere Niederlage. Kurz darauf, am 24. Oktober, kommt es auf dem Gubel zu einem regelrechten Gemetzel. Ein katholisches Heer tötet über 600 Reformierte aus Zürich und entscheidet den Zweiten Kappelerkrieg für sich.

Das Freiamt – eingeklemmt zwischen der katholischen Innerschweiz und den reformierten Gebieten Zürich und Aargau – hat damals eine Sonderstellung inne. «Während der Reformation vermag dort keine der beiden Konfessionen überhandzunehmen», sagt Markus Ries, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Luzern. Eine wichtige Rolle spielt der Bremgartner Theologe Heinrich Bullinger. Seine Jahre als Lehrer an der Klosterschule in Kappel (1523–1529) machen ihn zu einem Anhänger Zwinglis. Danach wird er Pfarrer in Bremgarten, von wo er während des Zweiten Kappelerkriegs nach Zürich flüchtet und nach dem Tode Zwinglis dessen Nachfolger wird. Unweit des reformierten Bremgarten erhob sich das katholische Kloster von Muri. Laut Ries war dieses die einzige Bildungsstätte der Region, seine Ländereien sicherten vielen Bauern die Existenz. «Auf das Kloster war man angewiesen, das stärkte den Katholizismus.» (fi)