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Die Gemütlichkeit hat bei der Modellfluggruppe Hüswil Priorität

Die Modellfluggruppe Hüswil existiert seit 1952. Flogen die Flieger früher noch ohne Steuerung, hat in den letzten Jahren modernste Technik Einzug gehalten. Auf Wettkämpfe verzichtet der Verein heute allerdings.
Matthias Stadler
Pascal Meyer, Präsident der Modellfluggruppe Hüswil, zeigt sein neuestes Projekt im Vereinslokal: der Spacewalker II. (Bild: Manuela Jans-Koch, Zell, 19. Juli 2018)

Pascal Meyer, Präsident der Modellfluggruppe Hüswil, zeigt sein neuestes Projekt im Vereinslokal: der Spacewalker II. (Bild: Manuela Jans-Koch, Zell, 19. Juli 2018)

Das altgediente Vereinsmitglied Alfons Birbaumer bringt es am Schluss des Gespräches auf den Punkt: «Ich möchte beim Ausüben meines Hobbys nicht auch noch Stress haben.» Davon gebe es sonst schon genug. «Man kann doch auch einmal etwas machen, einfach weil man Freude daran hat.» Mit dieser Ansicht ist er in der Modellfluggruppe Hüswil nicht alleine. Im Gegenteil: Der Verein ist stolz darauf, keine Wettkämpfe durchzuführen. Vereinspräsident Pascal Meyer (38) erklärt: «Viele Mitglieder schätzen es, dass man bei uns nicht auch noch an Wettkämpfe ‹muss› und es kein Konkurrenzdenken gibt.»

Die Modellfluggruppe Hüswil verzeichnet 33 Mitglieder. Diese frönen rund um Zell im Luzerner Hinterland dem Fliegen mit Modellflugzeugen. 1952 haben 17 Personen den «Modell-Flug-Club» gegründet. Ein paar Jahre später wurde daraus der noch heute geltende Name. Seit sechs Jahren ist Pascal Meyer nun Vereinspräsident. Das Modellflugzeug-Virus habe ihn als 16-Jähriger gepackt, als Vertreter des Vereins in der Schule einen Baukurs für Flieger anboten. Gleich darauf, 1995, trat er bei. Und seitdem hat der Bauarbeiter aus Ufhusen unzählige Stunden in sein Hobby investiert. Dabei steuert er seine Flieger nicht nur, er baut sie auch von Grund auf selber – wie die meisten seiner Vereinskollegen.

Pascal Meyer hat in seiner «Karriere» als Modellfliegerpilot dutzende Flieger gebaut, Holzverkleidung und Technik inklusive. «Pro Modell kann man gut und gerne 150 bis 200 Stunden investieren.» Zuhause hat er dieser Tage rund 60 Stück. Das grösste darunter hat eine Spannweite von 3,8 Metern und ist 16 Kilo schwer. Der Präsident bevorzugt Motorflieger, obwohl er auch immer wieder mal Segelflieger in die Höhe steigen lässt. Pro Abend, den er auf der vereinseigenen Flugpiste auf einem Feld neben dem Bahntrassee ausserhalb von Hüswil verbringt, fliegt Pascal Meyer gerne vier bis fünf Runden mit seinen Fliegern.

Die Zeiten ändern sich – auch bei den Modellflugzeugen

«Für mich liegt die Faszination der Modellflugzeuge darin, dass man das, was es in echt gibt, in Modellen nachbauen kann.» Dabei mache er beides gleich gerne: Das Modellbauen wie auch das Fliegen danach. Schön sei es ausserdem, ein Hobby zu haben, in dem man draussen in der Natur sei und – wie eingangs erwähnt – keinen Stress habe. Die Kameradschaft sei gut, gerne wird auf dem Feld neben der Piste auch grilliert und ein Bier getrunken. Früher sei es schon ein wenig anders zu und her gegangen, betont Alfons Birbaumer: «Der frühere Präsident tauchte beim Bauen der Modelle oft mit Krawatte auf.» Auch Wettkämpfe habe es gegeben. Zudem hätten Interessierte, bevor sie in den Verein eintreten durften, mehrere «Prüfungen» bestehen müssen.

Ein Motorflieger zieht einen Segelflieger nach oben. (Bild: Manuela Jans-Koch, Hüswil, 19. Juli 2018)
Daraus entsteht in diesen Tagen ein Modellflieger. (Bild: Manuela Jans-Koch, Zell, 19. Juli 2018)
Vereinspräsident Pascal Meyer bereitet seinen Segelflieger für den Flug vor. (Bild: Manuela Jans-Koch, Hüswil, 19. Juli 2018)
Auch an den Modellpiloten wurde gedacht. (Bild: Manuela Jans-Koch, Hüswil, 19. Juli 2018)
Alfons Birbaumer überprüft seinen Flieger nach der Landung. (Bild: Manuela Jans-Koch, Hüswil, 19. Juli 2018)
Ein «Big Lift» im Landeanflug. (Bild: Manuela Jans-Koch, Hüswil, 19. Juli 2018)
Peter Huber aus Büron steuert seinen Segelflieger ASW 27. (Bild: Manuela Jans-Koch, Hüswil, 19. Juli 2018)
Der Segelflieger ASW 27 in der Höhe. (Bild: Manuela Jans-Koch, Hüswil, 19. Juli 2018)
Die Steuerung ist im Laufe der Jahre immer besser geworden. (Bild: Manuela Jans-Koch, Hüswil, 19. Juli 2018)
Modelle im Vereinslokal in Zell. (Bild: Manuela Jans-Koch, 19. Juli 2018)
Modelle im Vereinslokal in Zell. (Bild: Manuela Jans-Koch, 19. Juli 2018)
Modelle im Vereinslokal in Zell. (Bild: Manuela Jans-Koch, 19. Juli 2018)
Die Anfangszeit der Modellfluggruppe in den 50er Jahren. (Bild: PD)
Die Anfangszeit der Modellfluggruppe in den 50er Jahren. (Bild: PD)
Die Anfangszeit der Modellfluggruppe in den 50er Jahren. (Bild: PD)
Die Anfangszeit der Modellfluggruppe. (Bild: PD)
Die Anfangszeit der Modellfluggruppe. (Bild: PD)
Die Anfangszeit der Modellfluggruppe. (Bild: PD)
18 Bilder

So wird in Hüswil geflogen

Überhaupt hätten sich die Zeiten stark verändert. Die ersten Flieger hatten keine Motoren oder sonstige technische Unterstützung, sondern waren reine Segelflieger ohne Steuerung. Die «Piloten» liessen sie von einem Hügel losfliegen, wobei sie manchmal bis zu zehn Minuten in der Luft schwebten – im sogenannten Freiflug. Heute ist die Steuerung ausgeklügelt, sie zeigt gar an, wie hoch der Flieger in der Luft ist. Und seit einigen Jahren sind auch Drohnen ein Thema. Eines, das Präsident Pascal Meyer allerdings nicht gerne behandelt: «Wenn jemand von Drohnen spricht, kriege ich Hühnerhaut» – sie passen ihm nicht. «Für mich ist es ein Flugobjekt, das nicht in die Sparte Modellflugzeug gehört. Denn ein solches muss man steuern, eine Drohne fliegt einfach selber.» Dass dies nicht alle im Verein so sehen, ist ihm bewusst. «Es ist einfach nicht meine Sparte.»

Flieger kracht in einen Bahnwagen

Auf der Piste in Hüswil hat es immer wieder Unfälle gegeben. Jedoch keine gravierenden, wie Pascal Meyer betont. Ein Flieger sei einmal in einen abgestellten Tankbahnwagen gekracht, der ein paar hundert Meter entfernt auf den Gleisen stand. «Dem Bahnwagen hat’s aber nichts gemacht», meint er. Auch er habe schon diverse Abstürze gehabt: «Ich riskiere gerne etwas und versuche, das Modell möglichst tief über die Piste fliegen zu lassen.» Gerade als er mit dem Hobby begann, habe er mehrere Abstürze verursacht, heute seien es weniger: «Dafür hat man dann wieder mehr Platz zu Hause im Bastelraum.» Er könne einen Absturz gut verkraften, was nicht bei jedem der Fall sei. «Manchmal gibt es bei uns im vereinseigenen Bastelraum ein fröhliches Flugzeugvertrampen.» Denn die meisten Modellflugzeugpiloten hätten ein Platzproblem. Alfons Birbaumer etwa musste schon Flieger unter sein Bett stellen, gibt er lachend zu.

Im Vereinslokal werkt Pascal Meyer momentan an einem Tiefdecker, komplett aus Holz, mit einer Spannweite von 2,2 Metern. Pro Jahr baut er zwei bis drei Flieger. Zudem kopiert er Pläne von alten Flugzeugen, damit andere die Möglichkeit haben, alte Modelle nachzubauen. «Wenn man ein Modell selber baut, hat man einen grösseren Bezug dazu, als wenn man eines kauft.» Und wenn es einmal kaputt gehen sollte, wäre das wohl nicht so tragisch – der Präsident der Modellfluggruppe Hüswil lässt sich deswegen nicht stressen.

So sieht es in der Höhe aus:

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