Stadt Luzern
Die bewegte Geschichte des Hotels Château Gütsch

In jüngster Zeit war es still geworden um das Schlösschen auf dem Luzerner Gütsch. Jahrelang sorgte es aber mit spektakulären Ausbauprojekten, Baustopps, Schliessungen und Knatsch mit Behörden für Schlagzeilen.

Merken
Drucken
Teilen

Die Anfänge im 19. Jahrhundert

- 1879 Ignaz Businger kauft den bestehenden Gasthof auf dem Gütsch und erweitert ihn zu einem Hotel.

- 1848 geht die Standseilbahn auf den 520 Meter hohen Luzerner Hausberg Gütsch in Betrieb. Sie ist knapp 180 Meter lang und wird mit Wasserballast betrieben.

- 1888 wird bei einem Brand ein Grossteil des Hotels zerstört.

- 1901 erhält das Gebäude seine heutige Märchenschloss-Erscheinung mit Türmen und Erkern «à la Neuschwanstein».

- Während des Ersten Weltkrieges und bis 1921 bleibt das Hotel Gütsch geschlossen.

- Im Zweiten Weltkrieg beherbergt das Hotel Gütsch wechselweise Flüchtlinge, rückkehrende Emigranten und Kriegsgefangene.

Ab 1989: Ständige Besitzerwechsel

- 1989 verkauft der langjährige Besitzer und Hotelier Fritz Furler das Schloss an die CM Clamai Holding AG. Hinter der Firma steckt unter anderem der Luzerner Immobilienspezialist Franz Glanzmann.

- 1992 bricht bei Umbauarbeiten wegen mangelnder Vorsicht ein Brand aus. Er richtet Schäden von einer halben Million Franken an.

- 1999 übernimmt die deutsche Hotelkette Kempinski die Vermarktung des Nobelhotels. Sie hat Pläne, das Haus von 31 auf 50 Zimmer zu erweitern.

- 2002 übernimmt die italienische Gruppe Turin Hotels International das Vier-Sterne-Haus als Pächterin. Im Folgejahr geht deren Schweizer Tochter Konkurs und das Hotel zu. Franz Glanzmann versucht vergeblich, das Haus loszuwerden. Ab 2003 bis 2014 ist das Hotel geschlossen.

- 2005 ersteigert die Grossbank UBS als Hypothekargläubigerin das Schloss für 9,1 Millionen Franken. Ein Jahr später ersteigert die Bank auch die Gütschbahn für 950'000 Franken. Die UBS will das leerstehende Hotel so rasch wie möglich verkaufen.

- 2006 verkündet der frühere Luzerner Verkehrsdirektor Kurt H. Illi, dass sich Popstar Michael Jackson und Scheich Abdullah bin Hamad Al Khalifa aus Bahrain angeblich für den Gütsch als Wohnsitz interessieren. Das Gerücht lässt sich nicht erhärten, Illis Bemühungen verlaufen im Sand.

2007: Die turbulente Ära Lebedev beginnt

- 2007 kauft eine Investmentfirma um den russischen Milliardären Alexander Lebedev das Schlosshotel. Die Château Gütsch Immobilien AG ist eine Tochter von Lebedevs National Reserve Corporation (NRC). Die neuen Besitzer lassen verlauten, das Haus zu einem Designhotel umbauen und 2008 eröffnen zu wollen.

Alexander Lebedev, der Investor für das Chateau Gütsch in Luzern 2008.

Alexander Lebedev, der Investor für das Chateau Gütsch in Luzern 2008.

Chris Iseli Luzerner Zeitung

- 2008 wird die Gütschbahn aus Kostengründen stillgelegt. Das Gourmet-Restaurant Petit Palais nimmt seinen Betrieb auf und schliesst 2010 wieder.

- 2010 erteilt die Stadt Luzern Lebedev die Bewilligung für den Ausbau und die Sanierung des Hotels. Das Projekt «Baluardo» der Luzerner Architekten Daniele Marques und Iwan Bühler sieht ein Fünf-Stern-Hotel mit Anbauten und 60 Zimmern vor:

- 2011 öffnet das Restaurant Château Gütsch für neun Monate seine Pforten. Geführt wird es vom Luzerner Art-Deco-Hotel Montana. Die Bauarbeiten am Hotel indes verzögern sich trotz Investitionsversprechungen immer wieder.

- Im März 2013 erhöht der Stadtrat den Druck auf Lebedev. Sie fordert Unterlagen über den Baufortschritt und droht, die Bewilligungen für den Erweiterungsbau und die Bahn zu entziehen.

- Im Juni 2013 genehmigt die Stadt das Baugesuch für eine neue Talstation der Bahn. Die Bauarbeiten verzögern sich.

2013: Der Eklat mit der Stadt Luzern

- Im Oktober 2013 zieht die Stadt die Baubewilligung für den Erweiterungsbau «Baluardo» zurück. Die Château Gütsch Immobilien AG erklärt, dass sich eine Erweiterung des Hotels wirtschaftlich nicht rechtfertige. Die Renovierung des bestehenden Hauses geht weiter.

- 2014 einigen sich der Luzerner Stadtrat und die Gütsch-Eigentümerin über die Finanzierung der Sanierung und des Betriebs der Bahn über 25 Jahre. Die Stadt übernimmt 1,65 Millionen Franken der Kosten, die Gütsch-Eigentümerin 1,46 Millionen Franken. Dies wird im Dezember 2014 per Volksabstimmung bestätigt.

Erfolg für die Befürworter: Der Kredit zur Gütschbahn wurde von der Luzerner Stimmbevölkerung im Dezember 2014 angenommen. vlnr:. Andras Özvegyi, Peter With, Korintha Bärtsch, Adrian Borgula.

Erfolg für die Befürworter: Der Kredit zur Gütschbahn wurde von der Luzerner Stimmbevölkerung im Dezember 2014 angenommen. vlnr:. Andras Özvegyi, Peter With, Korintha Bärtsch, Adrian Borgula.

Dominik Wunderli Luzerner Zeitung

2014: Die Neueröffnung des renovierten Château Gütsch

- Am 26. Mai 2014 öffnet das Hotel nach einem längeren Umbau seine Türen wieder. Es zählt 27 Zimmer, darunter drei Suiten, eine Bar, ein Restaurant sowie Konferenzräume. Gestaltet wurde das Hotel vom englischen Innendesigner Martin Lawrence Bullard.

Blick in ein Schlafzimmer im neu renovierten Château Gütsch.

Blick in ein Schlafzimmer im neu renovierten Château Gütsch.

Eveline Beerkircher

- Am 26. September 2015 wird die Gütschbahn wieder in Betrieb genommen, neu als Schräglift und ins Tarifnetz des öffentlichen Verkehrs integriert.

Der Gütschlift.

Der Gütschlift.

Dominik Wunderli (neue Lz) / Neue Luzerner Zeitung

- Im Juni 2018 eröffnet neben dem Hotel ein Skulpturenpark mit Werken von russischen Künstlern.

Besitzer Alexander Lebedev vor einem der Kunstwerke im Art Park beim Hotel Gütsch in Luzern.

Besitzer Alexander Lebedev vor einem der Kunstwerke im Art Park beim Hotel Gütsch in Luzern.

Pius Amrein (lz) / Luzerner Zeitung