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Die Grüne Korintha Bärtsch lässt Finanzdirektor Schwerzmann hinter sich – ein Porträt

Als Fraktionschefin der Grünen im Luzerner Stadtparlament will Korintha Bärtsch einen Sitz in der kantonalen Exekutive ergattern. Von links bis rechts trauen ihr das Amt viele zu. Doch sie hat ein grosses Handicap.
Evelyne Fischer
Regierungsratskandidatin Korintha Bärtsch (links) wird gefeiert. (Bild: Philipp Schmidli)

Regierungsratskandidatin Korintha Bärtsch (links) wird gefeiert. (Bild: Philipp Schmidli)

Ungeschminkt. So kommt Korintha Bärtsch, so kommt ihre Politik daher. Was sie sagt, sagt sie überlegt. Schnörkellos, druckreif. «Ich habe den Anspruch, überzeugend zu debattieren. Mit Argumenten, die stichhaltig sind», sagt die Grossstadträtin der Grünen. Wenn man inhaltlich sattelfest sei, aber nicht belehrend, werde man auch ohne Polemik gehört.

Wir treffen uns im Café Alpineum. Korintha Bärtsch, 34, dunkle Locken, Sommersprossen, bestellt einen Cappuccino, beobachtet die Touristen, die zum Löwendenkmal strömen. Im nahen Maihofquartier ist sie aufgewachsen, mit zwei Brüdern, die Eltern CVP-nah. Sie war im Jugendparlament, in der Pfadi Seppel («Comodo», die Gemütliche), legte die Matura ab, studierte an der ETH, arbeitete als Teamleiterin bei der Dienststelle für Umwelt und Energie. Heute ist sie als Projektleiterin in Bern tätig, wohnt in einer Vierer-Frauen-WG, ist Mobility-Mitglied und GA-Besitzerin, meist aber mit dem Velo unterwegs.

Bärtsch blickt auf eine steile Karriere zurück. 2003, mit 19, fehlt wenig für den Sprung ins Kantonsparlament. 2005 wird sie Grossstadträtin, 2011, mit 27, höchste Parlamentarierin. Ein Jahr später wird sie Fraktionschefin, gehört heute zu den drei amtsältesten Parlamentsmitgliedern. Korintha Bärtsch erzählt:

«Ein Bürgerlicher sagte mir mal vor Jahren: Du machst die Sache gut, obwohl du so jung bist.»

Mit unkonventionellen Ideen zum besseren Klima

Nun peilt Bärtsch einen Sitz in der Regierung an, steht auf 11 der 28 Listen. Ihr Wunsch? Das Bau-, Wirtschafts- und Umweltdepartement. «In der Raumplanung und in der Verkehrspolitik stehen mit der wachsenden Bevölkerung Herausforderungen an», sagt die Umweltnaturwissenschaftlerin. «Der Velo-, ÖV- und Fussverkehr muss so gut sein, dass jene, die Alternativen zum motorisierten Individualverkehr haben, diese auch wählen. Dann reicht der Platz auf den Strassen auch für jene, die vom Hämikerberg mit dem Auto in die Stadt fahren.» Bärtsch würde bürgerliche Politiker gern mal auf zwei Rädern durch die Stadt schicken. «Dann würden sie merken, dass Velofahren attraktiver werden muss.»

Wie sich Korintha Bärtsch bei unseren «Entweder oder»-Fragen entschieden hat, sehen Sie hier:

4 Bilder

«Entweder oder»-Fragen an Korintha Bärtsch

Während im Stadtparlament die Linken zusammen mit der GLP seit den letzten Wahlen eine knappe Mehrheit haben, schlägt das Pendel des Kantonsrats just in die andere Richtung.

«Es würde mich sehr reizen, die Bürgerlichen aus der Reserve zu locken.»

Bärtsch macht klare Ansagen. Tiefsteuerstrategie? Gescheitert. Tiefbahnhof? Zwingend. Spange Nord und Bypass? Alternativen sind gefragt. Frauenquote? Vorübergehend unabdingbar. Gesundheitswesen? Mehr Prävention tut Not.

So konsequent sie linke Themen bewirtschaftet, so ideologisch sind teils die Resultate: Als Newcomerin versuchte sie dem Parlament biologische Glätteschutzmittel statt Splitt und Streusalz schmackhaft zu machen, später wollte sie private Motorboote mit einer Höchstgeschwindigkeit von 10 km/h ausbremsen. Chancenlos blieb auch ihre Forderung nach einem Rückbau der Stadtautobahn. Abgelehnt wurden in den 14 Jahren allerdings gerade mal sechs ihrer 36 Vorstösse als Erstunterzeichnerin.

An vorderster Front hat sie am Öffentlichkeitsprinzip der Stadt mitgezimmert oder mit der «Vision Tourismus Luzern 2030» mögliche Maximalwerte für Hotelbetten aufgegleist. Zusammen mit SP-Grossstadtrat Nico van der Heiden, mit dem sie das Präsidium von Pro Velo Luzern teilt, tritt sie für die Zweirad-Fraktion in die Pedale. Autofreie Bahnhofstrasse, mehr gedeckte Veloparkplätze, Veloschnellrouten. Van der Heiden sagt: «Korintha Bärtsch ist intelligent, durchsetzungsstark und gut vernetzt, sie politisiert dossiersicher und überzeugt.»

(Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 13. Februar 2019)

(Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 13. Februar 2019)

Kompromiss-Schmiedin statt beste Parteisoldatin

Bärtsch schlägt Brücken in alle Richtungen: Davon zeugen überparteiliche Forderungen, die Carparkierungsfrage breit abgestützt anzugehen oder Baugesuche schneller zu behandeln. «Entgegen vielen anderen Mitgliedern von Polparteien ist Bärtsch lösungsorientiert, keine Problembewirtschafterin», sagt FDP-Grossstadtrat Rieska Dommann. «Sie ist verlässlich und hat das Gespür für Anliegen, die Mehrheiten finden.» Manchmal sei sie zwar ungeduldig.

«Aber sie hat das Zeug zur Regierungsrätin.»

Bärtsch sagt, ihr gehe es um die Sache. «Nicht darum, die beste Parteisoldatin zu sein.» Bei Kernanliegen der Grünen sei sie aber unnachgiebig, so CVP-Fraktionschefin Mirjam Fries, die ihr das Amt der Regierungsrätin ebenfalls zutrauen würde. «Was ihr noch fehlt, ist Führungserfahrung in einer grösseren Organisation.»

20'000 Franken kostet ihr Wahlkampf

Trotz viel Lob hat Bärtsch ein grosses Handicap: Auf dem Land kennt man sie kaum. Daher diskutiert sie in Schüpfheim über die Zersiedelungsinitiative, veranstaltet in Willisau eine Food-Waste-Aktion, gastiert bei Künstler Wetz beim Landessender Beromünster. Knapp 20'000 Franken wird ihr Wahlkampf kosten, selber steuert sie deren 1000 bei. «Geld ist für einen guten Wahlkampf nicht matchentscheidend. Es braucht vielmehr Leidenschaft und Lust, mit Leuten in Kontakt zu treten», ist Bärtsch überzeugt. Offen ist, wie stark die Frauensolidarität spielen wird. Bärtsch sagt:

«Aus bürgerlichen Kreisen sichern mir viele Frauen ihre Stimme zu. Jedoch nur einzelne exponieren sich in meinem Komitee.»

Zu jenen wenigen gehört Sandra Felder, FDP-Grossstadträtin, sonst sind es vor allem ehemalige CVP-Politikerinnen: etwa Alt-Regierungsrätin Brigitte Mürner-Gilli oder Alt-Nationalrätin Rosmarie Dormann.

Korintha Bärtsch gibt sich zuversichtlich. An Podien zum Luzerner Sparfilm auf dem Land habe sie gemerkt: Einige einstige CVP- und FDP-Kantonsräte sind zu Kritikern der Tiefsteuerstrategie geworden. «Sie realisieren, dass ihre Vertreter die Verantwortung nicht wahrgenommen haben.»

Der Werbespot von Korintha Bärtsch in 60 Sekunden:

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