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Die höchste Horwerin ist unverhofft zu ihrem Amt gekommen

Mit Rita Wyss (L20) präsidiert eine erfahrene Politikerin neu den Horwer Einwohnerrat. Die 58-Jährige freut sich auf das Amt, obwohl sie es nicht gesucht hat – letzteres gilt eigentlich auch für ihren Einstieg ins Parlament.
Roman Hodel
Der Erhalt von Naherholungsgebieten ist für Einwohnerratspräsidentin Rita Wyss wichtig - als Fotosujet war deshalb auf ihren Wunsch die Halbinsel gesetzt. (Bild: Dominik Wunderli, Horw 30. August 2019)

Der Erhalt von Naherholungsgebieten ist für Einwohnerratspräsidentin Rita Wyss wichtig - als Fotosujet war deshalb auf ihren Wunsch die Halbinsel gesetzt. (Bild: Dominik Wunderli, Horw 30. August 2019)

Sie gehört im Horwer Parlament nicht zu den Lauten, aber durchaus zu den Bestimmten, wenn es um Inhalte geht: L20-Fraktionschefin Rita Wyss. In den nächsten zwölf Monaten wird die 58-Jährige im Mittelpunkt des Ratsbetriebs stehen – was an ihrer neuen Rolle liegt. Der Einwohnerrat wählte sie Ende Juni zu seiner neuen Präsidentin (wir berichteten). Eigentlich hätte ihre Fraktionskollegin Claudia Röösli diese Aufgabe übernehmen sollen – doch die 55-Jährige wurde im Mai in den Gemeinderat gewählt. Rita Wyss sagt: «Tatsächlich habe ich das Amt der höchsten Horwerin nicht gesucht, aber jetzt freue ich mich sehr darauf.»

Nicht gesucht – das gilt auch für ihren Start in die Politik. Als die L20 im Jahr 2006 wegen eines Rücktritts einen Einwohnerratssitz neu vergeben musste, die Liste der letzten Wahlen jedoch aufgebraucht war, erhielt Wyss eine Anfrage. «Ich war zwar bereits in L20-Kreisen aktiv und bekannt und vertrat die Partei in der Kunst- und Kulturkommission, aber das Parlament war damals nicht unbedingt mein Ziel.» Dennoch habe sie zugesagt. Dass daraus nun schon 13 Jahre geworden sind, erklärt Wyss so:

«Lokale Themen liegen mir und ich finde Gemeindepolitik spannend.»

Für Politik hat sich Rita Wyss freilich schon viel früher interessiert: «Als ich in der vierten Primarklasse war, fanden im Kanton Luzern Grossratswahlen statt – ich habe alles dazu gesammelt und mir eine Liste erstellt, wen ich wählen würde.» Daheim sei Politik immer ein Thema gewesen. Aufgewachsen ist Wyss mit sechs Geschwistern in Sempach-Station, in einem «typischen CVP-nahen Umfeld auf der Luzerner Landschaft», wie sie sagt. Im Gegensatz zu ihrem jüngsten Bruder – dem aktuellen Kantonsratspräsidenten Josef Wyss – wählte sie die grün-linke Seite.

Und so ist Rita Wyss etwa eine überzeuge Velofahrerin, «bei jedem Wetter», wie sie betont. Seit drei Jahren vertraut sie auf ein E-Bike, «diesen Luxus leiste ich mir». Zum klimafreundlichen Verkehrsmittel passt: Ihr letzter Flug liegt 25 Jahre zurück. Auch kommt wenig Fleisch auf den Tisch – und viele Produkte stammen vom Bauernhof oder Markt. Das Eigenheim oberhalb des Dorfzentrums, das Wyss mit ihrem Partner bewohnt, versucht sie «möglichst ressourcenschonend zu nutzen». Ein eigenes Haus zu haben, findet Wyss ein Privileg:

«Ja, aber wir würden nicht wegwollen und schätzen die Nachbarschaft und die hohe Lebensqualität und – wir haben ein offenes Haus.»

Neben dem Umweltschutz ist ihr der Erhalt von Naherholungsgebieten wichtig. Stichwort Horwer Halbinsel. «Genial», sagt Wyss. «Diese ist zu grossen Teilen unbebaut, öffentlich zugänglich und das soll unbedingt so bleiben.» Und dann ist da noch die Bildung. Ihr erster Vorstoss im Parlament betraf das Oberstufenschulhaus Zentrum – kein Zufall. Sie ist Lehrerin und unterrichtet seit 1994 an der Sekundarschule in Ebikon Technisches Gestalten Textil, Bildnerisches Gestalten und Projektunterricht. «Ich begleite gerne mit viel Engagement und Freude junge Menschen.» Und nicht nur sie: Seit 2011 präsidiert Wyss die Bürgerrechts-Delegation, die Ausländerinnen und Ausländern, welche die Voraussetzungen erfüllen, das Bürgerrecht zusichert.

Überhaupt sagt Rita Wyss von sich, sie könne gut auf Menschen zugehen. Zweifellos eine Eigenschaft, die ihr als Ratspräsidentin zu Gute kommt. Denn in dieser Funktion wird sie das Parlament an zahlreichen Anlässen repräsentieren. Erste Einladungen lägen schon vor. Im Gegenzug wird sie sich bei den Ratsdebatten zurücknehmen müssen. Ausgerechnet an ihrer ersten Sitzung, die sie leiten wird, sind mit den Bericht und Anträgen zur Sekundarschule und zur Zwischenbühne zwei Themen traktandiert, bei denen sich Wyss gerne eingebracht hätte. Nun werden dies ihre L20-Kolleginnen und -Kollegen übernehmen. Eine Fraktion notabene, in der ohne Wyss und bald auch ohne Röösli nur noch zwei von acht Mitgliedern länger als eineinhalb Jahre im Rat sind. Was bedeutet dies im Hinblick auf die Wahlen im nächsten März – tritt Wyss nochmals an, weil ihre Erfahrung jetzt erst recht gebraucht wird? Sie sagt es so:

«Das entscheide ich zu gegebener Zeit, zuerst fokussiere ich mich nun auf mein Präsidialjahr. Die L20 ist in der glücklichen Lage, hochmotivierte Einwohnerrätinnen und Einwohnerräte zu haben.»

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