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Massive Kritik an Plänen fürs EWL-Areal – jetzt kontert Stadtrat Adrian Borgula

Überladenes Raumprogramm, zu wuchtig: Die beiden IG's Industriestrasse und Stadtentwicklung lassen kein gutes Haar am Bauprojekt für das EWL-Areal. Die Beteiligten sollen die Notbremse ziehen. «Nicht nötig», findet der Stadtrat.
Roman Hodel

Es sind markige Worte, die die IG Industriestrasse (IGI) in einer Mitteilung am Montag gewählt hat: «Mit Befremden» nehme man die Entwicklungspläne auf dem EWL-Areal in Luzern zur Kenntnis.

So soll das EWL-Areal künftig aussehen, in der Mitte der Quartierplatz mit dem Roten Haus im Hintergrund, rechts Wohnbauten der ABL. (Visualisierungen: PD)

So soll das EWL-Areal künftig aussehen, in der Mitte der Quartierplatz mit dem Roten Haus im Hintergrund, rechts Wohnbauten der ABL. (Visualisierungen: PD)

Dort planen EWL, die Stadt und die ABL-Genossenschaft gemeinsam ein neues Stück Stadt mit Platz für Feuerwehr, Rettungsdienste, Büros diverser Dienststellen sowie Wohnungen. Entwickelt wurde das Projekt von den beiden Baufirmen Halter/Eberli:

Von einem «überladenen Raumprogramm» schreibt die IGI, «mangelnder Sensibilität gegenüber der Umsetzung der Initiative ‹Für eine lebendige Industriestrasse›» oder «städtebaulichem Unvermögen». Kurz: das Projekt zeige der Stadtentwicklung «die kalte Schulter». Die IGI fordert alle Beteiligten deshalb dazu auf,

«im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung per sofort die Notbremse zu ziehen, um markante Verbesserungen an dem Projekt vorzunehmen.»

Ebenfalls kritisch äussert sich die IG Stadtentwicklung (IGS) zum Siegerprojekt – «trotz positiven Aspekten», wie es in einem offenen Brief an die EWL Areal AG vom Montag heisst. Der IGS gehören rot-grüne Politikerinnen und Politiker sowie Vertreter fast aller Genossenschaften an, die bei der Kooperation Industriestrasse beteiligt sind. Die IGS schreibt von einem «Fremdkörper» und kritisiert etwa die «monotonen Erdgeschossnutzungen» mit Lagerräumen. «Selbst wenn diese nötig sind, könnte man alternative Anordnungen prüfen – andererseits bräuchte es dringend mehr bezahlbare Gewerberäume», so IGS-Co-Präsidentin und Grünen-Grossstadträtin Mirjam Landwehr. «Am besten wäre eine Reduktion des Raumprogramms, aber das ist wohl unrealistisch.»

Die IGS formuliert unter anderem folgende, «zwingende» Verbesserungen für die weitere Projektbearbeitung:

  • Möglichst wenig Oberflächenparkplätze, an der Industriestrasse seien solche «nicht tolerierbar».
  • Einbezug der Bevölkerung. Keine Erarbeitung des Gestaltungsplans hinter verschlossenen Türen mit stillschweigendem, stadträtlichen Beschluss.
  • Fokus auf den städtischen Raum.

Die Notbremse ziehen? «Das ist weder nötig noch zweckmässig», wie Umwelt- und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (Grüne) sagt. Er sitzt von Amtes wegen im Verwaltungsrat der EWL Areal AG und sagt: «Wir sind überzeugt vom Projekt.» Es sei sorgfältig ausgearbeitet und trage zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung bei. Borgula:

«Man kann unterschiedliche Meinungen dazu haben, doch finde ich es nicht nachvollziehbar zu behaupten, wir würden der Stadtentwicklung die kalte Schulter zeigen.»

Nichts zu beschönigen gebe es punkto Raumprogramm: «Das ist hoch, ja». Nur: Das gehöre zum städtischen Bauen. Auch auf dem Areal der Kooperation Industriestrasse werde dicht gebaut. Gemäss Teilrevision des Bau- und Zonenreglements soll dort die Ausnützungsziffer auf 0,6 und die maximale Gebäudehöhe auf 25 Meter steigen. Zum Vergleich: Auf dem EWL-Areal sind 0,65 und maximal 30 Meter vorgesehen. Zur kritisierten Erdgeschossnutzung sagt Borgula: «Diese ist durch Einrichtungen wie Feuerwehr und Rettungsdienst zum wesentlichen Teil und im öffentlichen Interesse vorgegeben – beide können nicht aus dem Untergeschoss rausfahren. Öffentliche Nutzungen wie Gastronomie, Kita oder Läden sind prima möglich» Weiter passe das Projekt sehr wohl in die Umgebung: Gerade die Gestaltung der Industriestrasse und der öffentliche Zugang zum ganzen Areal spiele beim Siegerprojekt eine zentrale Rolle. «Im Unterschied zu heute entsteht hier ein verkehrsberuhigter Stadtraum mit Bachzugang.» Über Details wie Aussenparkplätze könne man immer noch diskutieren.

Borgula stört sich auch am Umstand, dass manche Kritiker nun suggerieren, die EWL Areal AG baue hier quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit. «Wir haben mit einem Planungsbericht alle wesentlichen Inhalte im Parlament diskutiert und beispielsweise den Anteil gemeinnütziger Wohnungen auf Antrag erhöht. Der Planungsbericht wurde zustimmend zur Kenntnis genommen.» Schliesslich sei der Austausch mit der Kooperation Industriestrasse über die ABL sichergestellt. Und: Man werde die Bevölkerung bei der weiteren Planung miteinbeziehen – in welcher Form sei noch nicht bestimmt. Dass die Kritik vor allem aus den eigenen politischen Reihen kommt, ist für Borgula kein Problem:

«Der Stadtrat ist offen für kritische, sachliche Einwände.»

Die ABL ist sowohl bei der Kooperation Industriestrasse als auch beim EWL-Real am Start. Entsprechend diplomatisch äussert sich Geschäftsleiter Martin Buob: «Wir stehen zu beiden Projekten.» Es sei wichtig, dass gewisse Nutzungen wie Gastronomie oder Kindertagesstätten zwischen den beiden Arealen abgesprochen würden. Betreffend Kritik sei die ABL ebenfalls diskussionsbereit. Er betont jedoch: «Die Partizipation der Bevölkerung auf dem EWL-Areal geht wegen Nutzern wie etwa der Feuerwehr sachbezogen weniger weit als bei der Kooperation Industriestrasse.»

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