Die Inwilerinnen lassen 100 Jahre Frauensolidarität Revue passieren

Die Frauen- und Müttergemeinschaft Inwil feiert ihr 100-Jahr-Jubiläum. Ein Blick zurück.

Livia Fischer
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Ein Jahrhundert ist’s her, seit Pfarrer Anton Andres die Frauen- und Müttergemeinschaft (FMG) Inwil ins Leben gerufen hat. Damals noch unter dem Namen «Christlicher Mütterverein». Tina Colatrella ist seit acht Jahren im Verein dabei, seit zwei Jahren ist sie im Vorstand. Die Kommunikationsverantwortliche bereitet sich auf die Jubiläumsfeier vor, stöbert dafür durch die alten Protokolle.

Tina Colatrella vor der Kirche Inwil. Aktuell laufen die Bauarbeiten für das neue Pfarrhaus, in dem die Frauen- und Müttergemeinschaft Inwil ihre Sitzungen abhält.

Tina Colatrella vor der Kirche Inwil. Aktuell laufen die Bauarbeiten für das neue Pfarrhaus, in dem die Frauen- und Müttergemeinschaft Inwil ihre Sitzungen abhält.

Bild: Livia Fischer

Der erste Eintrag stammt aus dem Jahr 1927. Im Juni hat der Verein seinen ersten Vorstand gewählt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten 71 der 440 Inwilerinnen der Frauen- und Müttergemeinschaft an, zahlten einen Jahresbeitrag von zwei Franken. Von den mittlerweile 1280 Einwohnerinnen sind aktuell 390 dem Verein beigetreten.

Ausflüge, um die Sorgen des Alltags zu vergessen

Schon vor einem Jahrhundert lautete das Motto: Frauen unterstützen Frauen. So versorgten die Mitglieder Mütter, die gerade eine schwere Entbindung hinter sich hatten, mit Kräftigungsmitteln. In ihnen steckte grosses kreatives Potenzial. Sie nähten Hemden für die Kapuzinermission, fertigten Spitzen für Alben und Ministrantengewänder an, bastelten Weihnachtsgeschenke für arme Kinder.

Im Gegenzug lernten sie in Vorträgen etwas über Berufsberatung. Man solle bei der Wahl eines Berufes auf die Fähigkeiten und Neigungen der jungen Leute Rücksicht nehmen, predigte eine Referentin. Und: «Man solle sich bei Geistlichen und Erziehern guten Rat einholen.» Den Mädchen wurde «die tüchtige Erlernung der Hauswirtschaft» ans Herz gelegt; vor den «Gefahren des Hoteldienstes und der Fabrikarbeit» hingegen wurden sie gewarnt.

Nach 1935 blieben die Seiten im Protokollbuch viele Jahre leer. Die ersten Sätze im Jahr 1944 erinnern an einen Tagebucheintrag: «Eine lange Zeit, wo nichts geschrieben wurde. Frau ... war Aktuarin und hat leider nie etwas eingetragen», bedauert die neue Aktuarin, Frau Buchmann. Ein Wechsel im Vorstand soll wieder Schwung in den Verein bringen. Der erste Ausflug führt nach Einsiedeln ins Kloster. «Ein schöner Sonnentag lud uns ein, die Sorgen und Arbeiten des Alltags für ein paar Stunden zu vergessen», hält die Aktuarin fest.

Alte Protokolle, Kassenbücher und Fotos (oben die ehemalige Präsidentin von 1963 bis 1980 Elsa Buchmann) der Frauen- und Müttergemeinschaft Inwil.

Alte Protokolle, Kassenbücher und Fotos (oben die ehemalige Präsidentin von 1963 bis 1980 Elsa Buchmann) der Frauen- und Müttergemeinschaft Inwil.

Bild: Livia Fischer

Anfang der 60er-Jahre besuchten die Frauen Säuglingspflege- sowie Servier- und Dekorationskurse für Familie und Heim. Besonders beliebt: Bubenhosenkurse. Zu dieser Zeit wurde auch das Frauenstimmrecht thematisiert. «Wir sollen es nicht als Ungerechtigkeit auffassen, dass wir nicht an die Urne dürfen. Die Frau hat sicher ganz grosse Aufgaben zu erfüllen», steht im Protokoll.

Auch Männer sind willkommen

Zehn Jahre später dann aber doch: Frauen dürfen endlich abstimmen. Neu werden auch ledige Frauen in den Verein aufgenommen; ab 1974 wird sogar ein Kochkurs für Männer angeboten. Noch heute sind auch Männer bei Anlässen der FMG Inwil willkommen. Gerade im Senioren-Team «Frohes Alter Eibu» – bei der Einführung vor 50 Jahren hiessen sie noch «dreimal 20-Jährige» – finden sowohl Frauen als auch Männer zu Jass- und Spielnachmittagen und Ausflügen zusammen. Die FMG bekämpft Einsamkeit im Alter, bringt die unterschiedlichsten Frauen zusammen und bietet Programm für die ganze Familie.

Am Samstag findet die Jubiläums-Mitgliederversammlung statt. Der Wirbel um das Corona-Virus macht auch da keinen Halt. Der Kanton hat dem Verein aber die Bewilligung erteilt, die Feier mit den rund 300 erwarteten Gästen durchzuführen. Mit der Bedingung, die generellen Schutzmassnahmen des Bundes zu befolgen und eine strenge Namenskontrolle durchzuführen. «Ausserdem wird Desinfektionsmittel bereitstehen», versichert Tina Colatrella.