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Die Iron Drivers sorgen in Willisau für Donnergrollen

Dieses Wochenende pilgern wieder hunderte Biker an den «Big Hill» in Willisau. Mit teils ausgefallenen Maschinen.
Roger Rüegger

Jedes zweite Jahr legt sich an einem Sommerwochenende ein Donnergrollen über Willisau. Schutz vor dem vermeintlich aufziehenden Unwetter sucht in der Region aber niemand. Im Gegenteil, es rollen scharenweise Männer und Frauen auf Motorrädern ins Hinterland, um Teil des Gewitters zu sein.

Es ist Big Hill, das Motorradtreffen des Iron Drivers MC. Der Willisauer Motorradclub, der seit 37 Jahren besteht, lädt heuer zu seiner 16. Party ein. Diese wird diesen Freitag bis Sonntag an zwei Orten ausgetragen. Im Städtchen sowie auf der Bösegg, dem Berg ob Willisau.

Bei 1100 Töffs hörten die Göttibuben mit zählen auf

Die Organisatoren krempeln zehn Tage vor dem Anlass die Ärmel hoch, um das Festgelände rund drei Kilometer ausserhalb des Ortes bereit zu stellen. Wobei es auf den ersten Blick nicht allzu viel aufzubauen gibt. Ein Festzelt, ein paar Podeste für Verpflegungsstände, Bars und Toiletten. Allerdings ist der Big Hill nicht erschlossen. «Elektrizität und Wasser müssen wir herbeiführen, beziehungsweise installieren. Vom Gebäude des Landbesitzers aus legen wir rund 300 Meter Wasserleitung, Energie liefert ein Generator», beschreibt Eddy, der seit 18 Monaten Präsident der Iron Drivers ist, den Aufwand.

Die Biker bestehen auf das Du: Eddy, Kile und Hu (von links nach rechts) mit ihren Motorrädern. (Bild: Roger Grüter, Gettnau, 1. Juli 2019)

Die Biker bestehen auf das Du: Eddy, Kile und Hu (von links nach rechts) mit ihren Motorrädern. (Bild: Roger Grüter, Gettnau, 1. Juli 2019)

Sieben Bands spielen am Big Hill. Unter anderen King Zebra am Freitag und die AC/DC-Coverband «No Class» am Samstag. Die Stromgitarren der Rock’n’Roller simulieren wahrscheinlich ein kleines Nachgewitter. Auf dem Berg kehrt samstags erst gegen Abend richtig Leben ein. Ab 17 Uhr fährt ein Shuttlebus hoch, für Besucher die nicht motorisiert sind oder ihre Fahrzeuge aus irgendeinem Grund nicht benutzen wollen. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt wird auch der Grossteil der Bikes vom Städtchen geschlossen anfahren.

Wie viele Menschen an der Party teilnehmen werden, sei schwierig abzuschätzen meint Eddy. «Vor zwei Jahren habe ich meine beiden Göttibuben beauftragt, die Motorräder auf dem Gelände zu zählen.» Nach einer Stunde hätten die Jungs aufgegeben. «Sie sagten: Götti, das esch e Seich, be 1100 Töff semmer usegheit.»

(Bild: Pius Amrein, 9. Juli 2017)

(Bild: Pius Amrein, 9. Juli 2017)

Fakt ist, dass sich an diesem Wochenende eine stattliche Zahl Biker im Hinterland treffen. So haben sich befreundete Clubs aus Schweden, Italien und England angemeldet. Es sei durchaus eine Bereicherung für die Gegend, sagt Corinne Müller, Geschäftsführerin bei Willisau Tourismus. Und sie fügt an, dass zumindest sicherlich das Gastgewerbe in der Altstadt von den Bikern profitieren wird: «Das Big Hill ist in Motorradfahrer-Kreisen bekannt. Es ist ein Anlass mit einem gewissen Werbeeffekt, der viele Leute nach Willisau lockt, welche die Region sonst wohl nicht besuchen würden.»

Im Städtchen selber findet das Fest am Samstag in einem speziellen Rahmen statt. Den typischen Charakter verleiht dem Töff-Treffen die Bike-Show, die ab 13 Uhr stattfindet. Für Autos bleibt der dabei Stadtkern gesperrt. Dafür werden vom Untertor bis zum Obertor beidseitig Motorräder dicht an dicht parkiert. Die Biker und Töfffahrerinnen haben eine gute Plattform, um sich zu präsentieren. Darum geht es ja auch bei solchen Treffen. Auch das Duo «FredyPi. und Häns-Lee» habt eine Bühne. Die Beiden umrahmen die Bike-Party wie gewohnt mit solidem Rock und Blues.

(Bild: Pius Amrein, 9. Juli 2017)

(Bild: Pius Amrein, 9. Juli 2017)

Traditionell gehört eine Bike-Show mit vier Kategorien zum Programm. In den vergangenen Jahren waren verrückte Eigenbau-Motorräder zu bestaunen. Solche mit Rädern aus Bierfässern, oder aber mit Wagenrädern. Oder gar ein Gerät, dessen Rahmen aus einem Baumstamm angefertigt wurde. «Es sind oft immer dieselben Leute, die sich extra eine Maschine für das Big Hill bauen», sagt Hu, ein Mitglied der Iron Drivers, der selber einen auffälligen Chopper mit einer extrem langer Gabel fährt.

Einer, der die Bike-Show mit seinen Kreationen bereichert, ist Kile Kurmann aus Gettnau. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle zwei Jahre mit einem neuen Projekt am Big Hill aufzuwarten. Einmal fuhr er mit einem Einachser-Töff vor, ein anderes Mal mit einem Holzmotorrad und vor sechs Jahren hatte er ein fettes schwarzes Objekt zusammengeschraubt, das von einem Diesel-Aggregat einer Strassenreinigungsmaschine angetrieben wurde. Das Ganze wurde auf Rädern eines Sportwagens fortbewegt.

Alte Benzingeschichten werden aufgewärmt

Wir haben Eddy, Hu und Kile in Gettnau getroffen, wo sie uns ihre Maschinen zeigten. Ein Gespräch zu führen, bei dem nicht einer nach wenigen Minuten das Thema Rahmen, Motor oder Auspuff aufgreift, ist praktisch unmöglich. Und immer wieder werden alte Geschichten von ihren Reisen aufgewärmt.

Detailliert schildern wollen wir die an dieser Stelle nicht. Wer vom 12. bis 14. Juli ans Big Hill fährt und sich verweilt, wird ins eine oder andere Benzingespräch verwickelt werden. Ein Entkommen ist eigentlich praktisch ausgeschlossen.

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