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Die jüngste Zirkus-Direktorin

Rea Felber aus Luzern ist seit ihrem sechzehnten Lebensjahr Co-Leiterin des Jugendzirkus Tortellini. Vor der diesjährigen Premiere fand der Zirkus den Weg bis in ihre Träume.
Rahel Schnüriger
Vor dem Auftritt: Rea Felber im Theater Pavillon in Luzern. (Bild Corinne Glanzmann)

Vor dem Auftritt: Rea Felber im Theater Pavillon in Luzern. (Bild Corinne Glanzmann)

Rea Felber ist erstaunlich besonnen für eine 18-Jährige, sie wählt ihre Worte sorgfältig und schaut dabei oft Richtung Himmel. Ganz so, als ob sie dort oben die Antworten finden würde. Manchmal macht sie nach dem Gesprochenen eine kurze Pause, verzieht die Mundwinkel zu einem Lächeln und signalisiert, dass sie mit der Antwort fertig ist. Die Augen sind mit schwarzem Kajal dezent betont. Sie macht den Eindruck, schnell erwachsen worden zu sein.

Als Rea sich mit 16 Jahren bereiterklärte, die Co-Leitung des Jugendzirkus Tortellini zu übernehmen, war sie hauptberuflich Kantischülerin. Als junge Frau, die noch nie eine Rechnung selbst bezahlt hatte, war sie verantwortlich für die Finanzen. Sie wusste nicht, wie man einen Brief formatiert, und Telefonieren mochte sie nicht gerne. Wenn Rea Felber im Gespräch also sagt «Ich habe viel gelernt in dieser Zeit», dann ist das keine Floskel. Mit Hilfe der Eltern hat die wohl jüngste Zirkusdirektorin der Schweiz sich beigebracht, wie man ein Budget macht, Sponsoren angeht und Rechnungen zahlt. «Ich habe mich oft gefragt, wie die Sponsoren reagieren würden, wenn sie wüssten, dass diese unterschreibende Rea Felber nicht mal 20 ist», sagt sie lachend.

Musste Spassbremse sein

Der Zirkus Tortellini wird als Jugendzirkus jeweils zwei Jahre lang organisiert und einstudiert. Die Artistik ist eingebettet in eine erzählte Geschichte, begleitet von Musik. Jeder der momentan 14 Mitwirkenden übernimmt dabei Rollen in allen drei Komponenten Theater, Musik und Artistik. Die Leitung besteht ebenfalls aus Jugendlichen, was nicht immer leicht ist, wie Rea Felber aus Erfahrung weiss. Wenn sie sich an vergangene Aufführungen erinnert, nach denen Feierlaune herrschte, die nächste Aufführung aber am nächsten Tag bevorstand, erzählt die Stadtluzernerin: «Als Verantwortliche musste ich lernen, die Spassbremse zu sein.» Am Anfang machte sie das gar nicht gern, doch ihr war klar, dass Artistik bei Unkonzentriertheit auch gefährlich sein kann.

Albträume vor der Premiere

Eine jugendliche Leitung hat für sie auch Vorteile: «Ich glaube, wir sind mutiger, weil wir noch nicht oft gescheitert sind.» Vor der Premiere des Stücks «Traumkünstler», das sich ganz um die kuriose Welt der Träume dreht, hat Rea der Mut zuweilen aber verlassen. Gezeigt hat sich das ausgerechnet in ihren eigenen Träumen: «Ich träumte davon, dass das Stück bei der Premiere erst halb fertig ist und nur die Hälfte der Plätze belegt waren», erzählt sie. Rea musste einige Albträume durchleben bis zur echten Premiere am 9. August. Diese war dann bis auf den letzten Platz besetzt – und die Tortellini-Crew hatte alle Nummern im Griff.

Nach der Derniere am 6. September wird Rea Felber einfach mal die freie Zeit geniessen. Für ihre Zukunft hat sie bewusst noch keine Pläne. In einem Zwischenjahr will die 18-Jährige herausfinden, was sie studieren möchte: «Von Philosophie bis Physik kommt alles in Frage.» Auch die Tortellini-Kombination aus Bewegung, Theater und Musik würde sie gerne in ihrem Leben behalten. Denn der erfolgreiche Zirkus der Zukunft spult für sie eben nicht bloss möglichst pompöse Nummern ab, sondern erzählt dem Publikum eine schön aufbereitete Geschichte.

Wenn der Zirkus Tortellini neben einem Studium keinen Platz mehr finden sollte in Reas Alltag, so nimmt sie fürs Leben doch vieles von ihm mit. «Insbesondere das Gefühl, zusammen etwas erreichen zu können.»

Hinweis

Der Zirkus Tortellini spielt bis 6. September im Theater Pavillon in Luzern. www.tortellini.ch

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